Netzwerk Vorbildliche Rehwildreviere

Das Netzwerk Vorbildliche Rehwildreviere wurde 2018 im Rahmen unseres Jagdabgabe-Forschungsprojektes „Nachhaltige Rehbejagung“ gegründet.

 

Autoren: Breul, F.J., Brötje, J.H., v. Fürstenberg, L., Heute, F.C., Klotz, St., Knoop, M., Menzel, U., Nesselrode, D., Wolff, M.

                                                                                                

Bislang ist es in Nordrhein-Westfalen nur in sehr wenigen Revieren gelungen, die Schalenwildbestände so zu bejagen („anzupassen“) dass sich ein artenreicher Wald natürlich verjüngen konnte. Das Forschungsprojekt „Nachhaltige Rehbejagung“ untersucht daher die Auswirkungen veränderter Bejagungsstrategien auf Rehwild. Es soll heraus gearbeitet werden, inwieweit sich eine veränderte Rehwildbejagung auf die Rehe und die Wildschadensituation im Wald auswirkt. Neben einem Forschungsrevier (Eigenjagd des RVR Ruhr Grün) im westfälischen Hagen dienen zehn „Best-Practise“-Reviere, in denen die Jagdstrategie bereits vor Jahren erfolgreich geändert wurde, als Untersuchungsgebiete. In diesem „Netzwerk vorbildlicher Rehwildreviere“ wird gezeigt, was im Wald mit einer entsprechenden Rehwildbejagung erreicht werden kann.

 

Methoden

2017 bis Anfang 2018 wurden zehn Reviere in NRW gesucht und gefunden, in denen sich natürlich verjüngende, artenreiche Wälder vorkommen. In den Revieren sollte sich möglichst eine Waldverjüngung eingestellt haben, die der potentiell natürlichen Vegetation entspricht. Reviere, in denen sich bereits Eichen festgesetzt haben (>120cm hohe Eichen in ausreichender Anzahl) sollten besondere Beachtung finden, da die Eiche als besonders verbissempfindliche Art ein Indikator für artenreiche Verjüngung und somit auch eines angepassten Rehbestands ist.

Bei der Suche nach geeigneten Revieren waren der Landesbetrieb Wald und Holz NRW und der Gemeindewaldbesitzerverband (Waldbesitzerverband der Gemeinden, Gemeindeverbände und öffentlich-rechtlichen Körperschaften in Nordrhein-Westfalen  e.V.) behilflich. Durch Abfragen bei allen Landesförstern und E-mail-Abfrage per Verteiler an alle Mitgliedskommunen des Gemeindewaldbesitzerverbands NRW wurde eine nahezu flächendeckende Abfrage über NRW durchgeführt. Das Finden geeigneter Reviere nach den vorgenannten Kriterien erwies sich als schwierig. Insbesondere der Indikator „Festgesetzte Eichen“ als Kriterium für Reviere, in denen die Waldverjüngung „läuft“, konnte offenbar kaum irgendwo erfüllt werden. Aus dem Landeswald konnten nur wenige Reviere gemeldet werden, die die Kriterien annähernd erfüllten – auch, weil große Teile des Landeswaldes Rotwildgebiete sind. Bei Städte- und Gemeindewäldern stieß die Anfrage auf recht großes Interesse und es fanden sich rasch drei Städte, deren Wälder bereits eine deutlich verbesserte Waldverjüngung aufzeigen. Über diese Anfrage hinaus wurden auch noch einige „große“  private Waldeigentümer bezüglich des Netzwerks bzw. der Eignung ihrer Reviere angesprochen. Die Projektidee stieß bei vielen Waldbesitzern auf großes Interesse. Wie sich nach den stichprobenhaften Verbissaufnahmen in deren Revieren zeigte, sind viele von ihnen seit einigen Jahren auf dem Weg zu einer verbesserten Waldverjüngung - und anderen Waldeigentümern daher einige Jahre voraus. Diese Reviere können daher ideal eine Funktion als vorbildliche Lehrreviere einnehmen. 

Nachdem so ca. 15 Reviere in NRW eruiert wurden, fanden dann in dreizehn Revieren stichprobenhaft Vegetationsaufnahmen (inkl. Verbiss) statt. Bei der Auswahl der zehn Reviere (Tab. 1) wurden prioritär die Ergebnisse der Vegetationsaufnahmen als Kriterium herangezogen. Aber auch die Verteilung der Reviere über die Landschaftsräume in NRW sowie die Bandbreite der Standortfaktoren (Böden, pot. nat. Vegetation, Niederschlag, Höhenlage) spielten bei der Auswahl eine Rolle. In den zehn Revieren wurde zudem eine Analyse des praktizierten Jagdbetriebs durchgeführt. Hierfür wurden neben Revierbegehungen die Gespräche mit den Revierleitern und Jägern, ein Fragebogen zum Jagdbetrieb und Streckendaten der Reviere ausgewertet.  

Lage der Netzwerkreviere in NRW

Erste Ergebnisse

Die zehn Netzwerk-Reviere verteilen sich über mehrere Landschaftsräume in NRW. Sie haben eine Gesamtgröße von ca. 7.000 Hektar. Neben dem Tieflandrevier „Salm-Salm Liesnerwald“ im Westmünsterland (60-65 m üNN) befinden sich die meisten Reviere in mittleren Höhenlagen zwischen 165m und 500müNN. Drei Reviere im Sauerland bzw. am Rothaarkamm liegen in Höhenlagen von 540m bis 700 m üNN.

Auch die Niederschlagsmengen variieren beträchtlich: Während im Revier „Nesselrode“ auf der Leeseite der Eifel lediglich 620mm Niederschlag fallen, sind dies in den Revieren des Bergischen Landes und des Sauerlands bis zu 1400mm. In diesen Revieren herrschen basenarme Braunerden vor, die ursprüngliche potentiell natürliche Vegetation (upnV) ist hier an den meisten Standorten der Hainsimsenbuchenwald. Ganz andere Standortverhältnisse findet man in der Voreifel und im Westmünsterland vor, wo auf Sand und basenarmen Pseudogleyen Eichen-Birkenwälder und Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder die upnV bilden. Die „besten“ Böden (Muschelkalk) und artenreiche Kalkbuchenwälder weist das Revier „Salm-Boscor“ in Ostwestfalen auf.     

Die Auswertung der Vegetationsaufnahmen bestätigt den ersten optischen Eindruck, den man bei der Begehung der Reviere gewinnt: Die Waldverjüngung ist deutlich artenreicher und dichter als in den meisten anderen Revieren des Landes. Zudem sind die Jungbäume nur wenig verbissen. Bei den insgesamt 30 Verbissaufnahmen (3000 bewertete Bäumchen) in den Revieren konnten 26 verschiedene Baumarten in der Verjüngung (Höhe 0,2m bis 1,2m) festgestellt werden. An den einzelnen Aufnahme-Transekten wurden durchschnittlich zehn Arten in einer Dichte von 3,7 Individuen pro Quadratmeter erfasst. Der durchschnittliche Leittriebverbiss lag bei 10%. Der Anteil der Eichen betrug 3,7%.    

 

 

 

 

 

Artenreiche Naturverjüngung in einem Fichten- "Käferloch". Neben zwölf weiteren Baumarten gründen hier viele Trauben- und Stieleichen ein neues, "klimastabiles" Waldökosystem.

Ganz ohne Pflanzung!

Netzwerkrevier Morsbach, Oberbergischer Kreis

Die Auswertung der jagdlichen Daten ergab, dass in allen Netzwerkrevieren eine Umstellung der Jagdstrategien und damit eine deutliche Anhebung des Abschusses notwendig waren, um das Aufwachsen einer breiten Artenpalette in der Waldverjüngung überhaupt erst zu ermöglichen. Unter den Revieren ist nur ein einziger geeigneter Gemeinschaftlicher Jagdbezirk (Morsbach – „Siedenberg-Hardt“), der die Kriterien erfüllen konnte. Es wurde kein weiteres Pachtrevier mit zufrieden stellender Waldverjüngung gefunden. 

Die meisten Netzwerkreviere änderten in den „Nullerjahren“, zwischen 2003 bis 2009, ihre Jagdstrategien. In allen Revieren mit Ausnahme des o.g. Pachtrevieres, wird seither in Eigenregie gejagt. Das heißt, dass die Reviere nicht mehr verpachtet wurden, sondern entweder von Begehungsscheininhabern in Pirschbezirken oder dem eigenen Forstpersonal unter Einbeziehung von „Jagdhelfern“ und Gästen bejagt werden. Die „Jägerdichte“ wurde auf einen Jäger pro 55 Hektar Waldfläche erhöht (Jäger, die andauernd im Revier jagen: Begehungsscheininhaber, „Jagdhelfer“, Forstpersonal etc.). Im Laufe der Jahre wurde das Netz an Ansitzeinrichtungen auf einen Ansitz pro acht Hektar Wald erhöht (Stand 2017). In den Revieren wurde der Abschuss des Rehwilds fast vervierfacht. Durchschnittlich wurden in den letzten fünf Jagdjahren 12,9 Rehe pro 100ha Wald erlegt. Der Abschuss erfolgte zu 72% bei der Ansitz- und zu 28% im Rahmen von Bewegungsjagden.    

Erste Schlussfolgerungen

In NRW gibt es kaum Gemeinschaftliche Jagdbezirke, in denen artenreiche Waldverjüngungen zu finden sind. In den meisten dieser Reviere wird Rehwild traditionell bejagt. Selektive, an Trophäen orientierte Hegejagd findet ausschließlich im kompensatorischen Bereich statt (d.h. es wird Jahr für Jahr weniger erlegt als „nachwächst“) und wirkt daher nicht regulierend. In allen Revieren des Netzwerks, also Revieren mit „funktionierender“ Walderneuerung, wurde die traditionelle Bejagung beendet und die Jagdstrategien verändert. Das zeigt sehr deutlich, dass ohne eine Änderung der Jagd keine Waldverjüngung möglich ist, die den Ansprüchen des allgemein anerkannten, zwingend notwenigen „Waldumbaus“ genügt. Eine konsequente Rehbejagung mit zeitgemäßen Jagdmethoden ist zielführend (vgl. Heute 2016). 

Ausblick

Die effektive Schalenwildbejagung in artenreichen, naturverjüngten und damit deckungs- und äsungsreichen Wäldern ist die vielleicht größte Herausforderung, vor der die Jägerschaft steht. Im Netzwerk sollen, aus den mannigfaltigen Erfahrungen der Reviere,  Handlungsempfehlungen für den Jagdbetrieb abgeleitet werden. Hierzu findet ein intensiver fachlicher Austausch über erfolgreich praktizierte Jagdstrategien in den Netzwerkrevieren statt. Die Ergebnisse des Netzwerkprojektes sollen als Referenz herangezogen werden können von Jägern (und Waldbesitzern), z.B. im Vergleich mit den Ergebnissen aus den Verbissgutachten des Landesbetriebs Wald und Holz NRW. Das Netzwerk tritt für eine sachliche und datenbasierte Erörterung sowie Darstellung der nachhaltigen Rehbejagung ein. Erkenntnisse des Projekts sollen der Jägerschaft leicht zugänglich gemacht werden. Interessierte, sachliche Jäger/innen sind eingeladen, sich auf Exkursionen in den Revieren über das Projekt zu informieren bzw. sich einzubringen.   

Netzwerktreffen bei Bussche-Kessell in Lüdenscheid am 14.5.2019

 

Revier

Eigentümer/

Verpächter

Ansprechpartner

Kontaktdaten

Kommunalwald

Neyetal -  E III  

Stadt Remscheid

Markus Wolff

Techn. Betriebe Remscheid
Lenneper Straße 63
42855 Remscheid
02191-16 2071
0151-21270924

 

Wiesung

 

Stadt Büren

Ulrich Menzel

 

Stadtforst Büren

Forkstraße 20

33142 Büren-Ahden

02955-1421

0171-2841720

Bielstein

Stadt Brilon

Dr. Gerrit Bub

Stadtforstamt Brilon

Gartenstraße 18
59929 Brilon
02961-794-270/246
0171-4160-255

Landeswald

Einsiedelei

Landesbetrieb Wald und Holz NRW

Franz Josef Peindl

Michael Knoop

Forstbetriebsbezirk Einsiedelei
Forsthaus Attenberg
Am Attenberg 21; 57462 Olpe
02761/6 21 77
0171-587 18 71

Waldgesellschaft

Siddessen

Salm-Boscor GmbH

Stephan Klotz

Forstbetrieb Klotz
Mönchebreite 14
33014 Bad Driburg/ Dringenberg
05259/930903
0170-3379309

„Groß“-Privatwald

Schloss Neuenhof

Bussche-Kessell

Gutsverwaltung Schloß Neuenhof

Alhard Graf von dem Bussche   

 

Jan Hinrich Brötje

Neuenhofer Strasse 54
58515 Lüdenscheid

0 23 51 672 20 33
0 170 738 88 75

 

Rüspe

Freiherr von Fürstenberg’sche Verwaltung

Frh. Lucas von Fürstenberg

Brabecke 33
57392 Schmallenberg

02977 70 001
0176 321 20 183

Nesselrode

Nesselrode’sche Forstverwaltung

Dietrich Graf von Nesselrode

Haus Hombusch

53894 Mechernich

02443-4479

0171 2029582

Salm-Salm

Liesner Wald

Fürstlich Salm-Salm'sche Verwaltung

Franz Josef Breul

 

Udo Hüning

 

Fürstlich Salm-Salm'sche Verwaltung - Forstamt
Schloßstr. 4
46414 Rhede

02872 8002-70

0170 3170042 (U. Hüning)

Gemeinschaftlicher Jagdbezirk

Siedenberg-Hardt

Jagdgenossenschaft Morsbach

Frank Christian Heute

ARTEMIS Heute&Elmer GbR

Siepen 15

45549 Sprockhövel

0152-54252233

02324-3442079

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