Aktuell - 7.12.2018

Waldbaukonzept NRW

Am 7.12.2018 hat NRW`s Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) in Düsseldorf das Waldbaukonzept Nordrhein-Westfalen vorgestellt. In dem Konzept werden dem Waldbesitz Empfehlungen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung gegeben. Wildökologie Heute hat die Ministerin im Rahmen der Vorstellung darauf hingewiesen, dass die Ziele des Waldbaukonzeptes (Naturverjüngter Dauerwald) und der Entwurf des neuen Landesjagdgesetzes in krassem Widerspruch zueinander stehen. Nachbesserungen im Jagdgesetz sind zwingend erforderlich, damit Waldbesitzer und Förster überhaupt erst die Chance haben werden, das Konzept umzusetzen.

 

waldbaukonzept_nrw.pdf
PDF-Dokument [14.0 MB]

Die Empfehlungen des Waldbaukonzeptes zu "Wildmanagement und Jagd" (Kap. 10.2; S. 136-139) sind wenig zielgerichtet und greifen zu kurz. Es werden keine Empfehlungen für eine jagdliche Reaktion auf unhaltbare Wildschäden gegeben. Stattdessen werden einmal mehr Ruhezonen für das Wild und die Bedeutung "artgerechter" Erhaltung der Widarten propagiert. Eine ganze Seite (von nur vier!) des Kapitels widmet sich "Schutzmaßnahmen gegen Wildschäden - inklusive "Werbung" für Schutzhüllen gegen Wildverbiss...

Diese Empfehlungen des Waldbaukonzeptes zu "Wildmanagement und Jagd" werden keinem privaten Waldbesitzer weiterhelfen.

 

Aktuell - Entwurf des Landesjagdgesetzes NRW

Es ist die zentrale Aufgabe der Jagd: Die Wildbestände sind so zu bejagen, dass Wildschäden und Wildunfälle nachhaltig abnehmen (und nicht immer weiter zunehmen). Dieser Auftrag müsste im Mittelpunkt eines fortschrittlichen Jagdgesetzes stehen - und Verordnungen/ Verfügungen müssten Rahmenbedingungen schaffen, die es den Jäger/innen vor Ort ermöglicht, den Auftrag auszuführen. Stattdessen werden im aktuellen Entwurf des LJG die konkreten Ziele des Ökologischen Jagdgesetzes, z.B. so zu jagen, dass „das Ziel, artenreiche, sich natürlich verjüngende Wälder, ermöglicht wird“, wieder gestrichen! Damit werden der Jagd vernünftige, konkrete Begründungen entzogen und die Jäger (die es wollen) können sich wieder auf unbestimmte Rechtsbegriffe und unklare Begriffe zurückziehen (Weidgerechtigkeit, Hegepflicht, landeskulturelle Verhältnisse, Wildbestand „bewirtschaften“ etc.). Das Gesetz soll nicht mehr „dienen“ (§1 Abs. 3 ÖJG), damit Jagd wieder Selbstzweck ohne dienende Funktion wird.

Doch die derzeit größte Herausforderung der Jagd ist die Anpassung der Schalenwildbestände an die Lebensräume. Es gibt immer mehr Reviere, die diese Aufgabe sehr ernst nehmen.  

Der vorliegende Entwurf verpasst jedoch die Möglichkeit, zeitgemäße Antworten auf die sich zuspitzende Schalenwild-Problematik zu liefern und innovative Möglichkeiten der Schalenwildbejagung zu schaffen, z.B. die Synchronisation der Jagdzeiten für Schalenwild, Abschaffung (zumindest temporär/ periodisch) von teuren/ ineffektiven Abschussplänen etc.

Es gibt gleich zwei Schritte zurück im Umgang mit Rotwild/ Sikawild und keine Antwort auf die Schwarzwild-Problematik.

Um dem Landesjagdverband als Vertreter der Jagdpächter und Trophäenjäger wieder die Rolle des "Alleinbestimmers" zu schenken, sollen unbequeme Jagdvereinigungen aberkannt werden. Nur Jagdverbände, die mindestens 20% der Jägerschaft vertreten, sollen anerkannt sein! Ein bemerkenswertes Demokratieverständnis in der heutigen Zeit - und ein Rückschritt bis in finsterste deutsche Zeiten: Bereits im Reichsjagdgesetz von 1938 wurde erstmals bestimmt, dass es nur einen Jagdverein geben darf, an den sich die "Obrigkeit" wenden soll. Mit der Installation des Reichsbundes "Deutsche Jägerschaft" wurde auch die Zwangsmitgliedschaft aller Jäger per Gesetz verordnet. Andere Vereinigungen von Jägern wurden verboten! (s. auch untigen Beitrag von Leonhardt: Ursprünge des Jagdgesetzes).

Übrigens: Im Landesjagverband NRW sind nur noch ca. zwei Drittel der Jäger/innen NRW's Mitglied (obwohl man automatisch LJV-Mitgied werden muss, wenn man in den örtlichen Hegering eintritt...). Jeder dritte Jäger/in ist es nicht, da sind ca. 30.000 - Tendenz seit Jahren steigend!

Offenbar soll es wieder nur einen Jagdverband geben, der für die gesamte Jägerschaft spricht. Die Jägerschaft aber ist nicht homogen, sondern vertritt diverse Vorstellungen der Jagd, wie sie durchgeführt werden sollte. 

 

Kommentar:

Ein modernes, gesellschaftlich akzeptiertes Jagdgesetz stellt die Wildtiere und deren Lebensräume in den Mittelpunkt, nicht einzelne Wildarten und die Interessen einer Gruppe von Jägern.

 

Der Entwurf in dieser Form ist für Jagdpächter gemacht, die weiterhin möglichst hohe Schalenwildbestände vorhalten und in "ihren" Revieren der Trophäenjagd nachgehen möchten.   

 

An den Anforderungen, die aufgrund der großen Probleme an die Jägerschaft gestellt werden, orientiert sich der Entwurf nicht. Der Entwurf ist besonders „Jagdpächter freundlich“ und stellt die „Wildhege“, besonders die des Rotwilds, wieder in den Vordergrund.

 

Es wird die Chance vertan, ein modernes Landesjagdgesetz zu verabschieden, das eine zeitgemäße Jagd und eine effektive Wildbestandsregulierung zum Ziel hat. Stattdessen stärkt der Entwurf die konventionelle Jagd in ihrem Wildbewirtschaftungs- und Hegesystem, das zu den höchsten Schalenwilddichten geführt hat.

 

Mit diesem Landesjagdgesetz wird sich die jetzt schon große Problematik der sehr hohen  Schalenwildbestände weiter verschärfen.

 

Dieses Gesetz ist rückwärtsgewandt und wird den Anforderungen, die an die Jäger/innen gestellt werden, nicht gerecht. Sollte das Gesetz so verabschiedet werden, ist schon jetzt klar, dass es bei nächster Gelegenheit wieder "rücknovelliert wird. Dann hoffentlich endlich im Interesse der Wildlebensräume und einer zeitgemäßen Jagd!

 

 

Die Sachverständigen- Anhörung zum Entwurf des neuen Landesjagdgesetzes am 12.11.2018 im Düsseldorfer Landtag hat erhebliche Differenzen zwischen den Sachverständigen offenbart, s.:

Westdeutsche Zeitung WZ: "Jagdgesetz auch unter Experten ein Streitfall".

WDR 5 Westblick aktuell: "Reform des Jagdgesetzes auf dem Prüfstand" (Audio)

 

 

Mit den Bauern verschwinden auch die Tiere der Feldflur

Seit drei Jahrzehnten schaut "die Gesellschaft" dem "Höfesterben" in der Landwirtschaft zu. Die Menschen auf dem Land schauen fassungslos zu, wie die bäuerliche Kulturlandschaft verschwindet. Und die Jäger schauen machtlos zu, wie das Rebhuhn, die Charakterart der bäuerlichen Kulturlandschaft, nach und nach ausstirbt.

Und mit ihm - von den meisten unbemerkt - zahlreiche andere Pflanzen-, Insekten- und Vogelarten. Die einst artenreiche Lebensgemeinschaft der Feldflur ist nur noch in Fragmenten vorhanden. Ohne "Wildkräuter" und "Pflanzenvielfalt" sterben die Tierarten aus. Wann haben Sie zuletzt einen Schmetterlng über ein Weizen- oder Maisfeld fliegen sehen?

Dieses Rebhuhn sitzt in intensiv genutzter Mähwiese und sucht seinen ausgemähten "Anhang". Es ist eines der letzten Rebhühner in einer Region im Münsterland, in der es noch vor zehn Jahren zahlreiche Rebhühner gab.   

Die Jäger/innen in den Niederwildregionen sind heute mehr denn je als als "Heger" gefordert - wobei der Erhalt der Rest-Lebensräume und die Schaffung neuer Lebensräume die zentrale Aufgabe beim Erhalt der Lebensgemeinschaft Feldflur ist. Einseitige Fokussierung auf wenige Wildarten (Fasan!) und die bloße "Bekämpfung" der Konkurrenz ist nicht mehr zeitgemäß und hilft nicht weiter. Der Rückgang der Hasen- und Fasanenstrecken ist kaum noch durch verstärkte Raubwildbejagung zu kompensieren. Viele Jäger und Landwirte setzen sich daher für den Erhalt der Lebensräume ein. Doch gegen die politisch gewollte Industriealsierung der Landwirtschaft ist offenbar und sprichwörtlich kein Kraut gewachsen (s. weitere Glyphosat- Verwendung..).  

Ohne eine grundsätzliche Änderung hin zu einer naturverträglichen Landwirtschaft wird das Artensterben in der Agrarlandschaft ungebremst fortgeführt. (Thema Niederwild und Landwirtschaft).

 

Das "Zeitalter des Schalenwilds"

Mit dem Rückgang des Niederwilds in den Feldrevieren in den 1980-er Jahren setzte zeitgleich eine stete Zunahme von Rehen und Wildschweinen, später auch von Hirschen ein. Spätestens seit der Jahrtausendwende kann wohl vom "Zeitalter des Schalenwilds" gesprochen werden. Obwohl der Druck auf Landschaft und Wälder nie größer war (Verkehr, Erholung), kommt in den Wäldern mehr Schalenwild vor als jemals zuvor! Und Wildschweine erobern weitere, auch waldarme Areale, in denen sie dauerhaft siedeln. Daraus ergeben sich zwangsläufig Konflikte: Tierseuchengefahr, erhöhtes Wildunfallrisiko und zunehmende Wildschäden in Wald und Flur.

Während die Niederwildjagd eine "Kann-Jagd" ist (wenn die Niederwildbesätze des Revieres es hergeben, kann man auf der Treibjagd "ernten"), ist die Jagd auf Schalenwild ein "Muss"! In den letzten Jahren zeigte sich allerdings immer deutlicher, dass die Jagd, so wie sie traditionell ausgeübt wurde, den Anforderungen an eine wirksame Regulierung der Bestände nicht gerecht wurde. Revierbezogene "Hege", selektives Jagen und Trophäenorientierung führten dazu, dass die Jagd im rein kompensatorsichen Bereich stattfand. Das heißt, es wurde andauernd weniger erlegt (plus sonstige Mortalität!) als jährlich "nachreproduziert" wurde. Die stetig anwachsenden Bestände sind der Beleg - die ausufernden Wildschäden die Folge.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Jagd zeitgemäße, praxisnahe Lösungen findet, die teils sehr hohen Schalenwilddichten abzusenken.         

 

Kaum bejagtes Rehwild - Problem nicht nur für den Verkehr...


E-Mail