Wildökologie und Jagd - früher und heute

 

Früher - bis vor 30, 40 Jahren, war es einfacher: kaum jemand sprach von der Ökologie und die Jagd wurde im Allgemeinen als sinnvolles Tun akzeptiert.

 

Heute, nachdem Artenschwund und Lebensraumzerstörung in aller Munde sind, ist die Ökologisierung auch in der Wildbiologie und der Jagd angekommen. Vor allem die rasanten Veränderungen in der Landschaft haben die sich oft über Jahrhunderte entwickelten Lebensgemeinschaften in kurzer Zeit dezimiert oder "durcheinander gebracht". Neue Tierarten tauchen auf und "nischen sich ein" (z.B. Waschbär, Nilgans) und sogar einst ausgerottete Arten kommen wieder (Wolf, Luchs). Manche Arten erobern ehemalige Lebensräume stetig zurück (Fischotter, Kolkrabe), für andere Arten wird der Lebensraum dagegen immer enger (Rebhuhn, Bekassine). Dann wiederum gibt es Tiere, die von der eutrophierten und nivellierten Landschaft profitieren und sich "breit machen" (Füchse, Wildschweine, Rehe, Hirsche).

 

Die Veränderungen der Lebensbedingungen für Wildtiere geschehen immer rasanter: der "Nachwachsende Rohstoffe- Boom" vereinheitlicht jetzt schon ganze Regionen zu reinen Maissteppen, das Orkantief Kyrill hat im Januar 2007 in nur einer Nacht zu völlig neuen Verhältnissen in den Wäldern, nicht nur Nordrhein- Westfalens, geführt.

 

Auch die Jagd wird sich in Zukunft den veränderten Bedingungen stellen müssen. Die Jagd, von einer ökologisch aufgeklärteren Gesellschaft kritisch beäugt und hinterfragt, ist auf wildökologisch zeitgemäße und gesellschaftlich konsensfähige Lösungen der aktuellen, teils akuten Probleme angewiesen.

 

Einige der Konfliktfelder sind:

  • Jagd als Wildschadenverhütung (z.B. Schalenwild im Wald; Schwarzwild im Feld)
  • Jagd/ Wildmanagement in Schutzgebieten (z.B. Nationalparks)
  • Wild/ Jagd in Siedlungsnähe (z.B. Tauben, Schwarzwild; Wildunfallproblematik)
  • Jagd als Tierseuchenprävention (z.B. Schweinepest)

 

Als selbständiger Landschaftsökologe und passionierter Jäger seit der Jugend versuche ich, ganzheitliche Lösungen und Konzepte für aktuelle Konfliktbereiche zu finden. Dabei sind die Ökologie des Lebensraumes, die Berücksichtigung aller Nutzungsinteressen sowie die gesellschaftliche Akzeptanz stets maßgebend.

 

Mit den Bauern verschwinden auch die Tiere der Feldflur

Seit drei Jahrzehnten schaut "die Gesellschaft" dem "Höfesterben" in der Landwirtschaft zu. Die Menschen auf dem Land schauen fassungslos zu, wie die bäuerliche Kulturlandschaft verschwindet. Und die Jäger schauen machtlos zu, wie das Rebhuhn, die Charakterart der bäuerlichen Kulturlandschaft, nach und nach ausstirbt.

Und mit ihm - von den meisten unbemerkt - zahlreiche andere Pflanzen-, Insekten- und Vogelarten. Die einst artenreiche Lebensgemeinschaft der Feldflur ist nur noch in Fragmenten vorhanden. Ohne "Wildkräuter" und "Pflanzenvielfalt" sterben die Tierarten aus. Wann haben Sie zuletzt einen Schmetterlng über ein Weizen- oder Maisfeld fliegen sehen?

Dieses Rebhuhn sitzt in intensiv genutzter Mähwiese und sucht seinen ausgemähten "Anhang". Es ist eines der letzten Rebhühner in einer Region im Münsterland, in der es noch vor zehn Jahren zahlreiche Rebhühner gab.   

Die Jäger/innen in den Niederwildregionen sind heute mehr denn je als als "Heger" gefordert - wobei der Erhalt der Rest-Lebensräume und die Schaffung neuer Lebensräume die zentrale Aufgabe beim Erhalt der Lebensgemeinschaft Feldflur ist. Einseitige Fokussierung auf wenige Wildarten (Fasan!) und die bloße "Bekämpfung" der Konkurrenz ist nicht mehr zeitgemäß und hilft nicht weiter. Der Rückgang der Hasen- und Fasanenstrecken ist kaum noch durch verstärkte Raubwildbejagung zu kompensieren. Viele Jäger und Landwirte setzen sich daher für den Erhalt der Lebensräume ein. Doch gegen die politisch gewollte Industriealsierung der Landwirtschaft ist offenbar und sprichwörtlich kein Kraut gewachsen (s. weitere Glyphosat- Verwendung..).  

Ohne eine grundsätzliche Änderung hin zu einer naturverträglichen Landwirtschaft wird das Artensterben in der Agrarlandschaft ungebremst fortgeführt. (Thema Niederwild und Landwirtschaft).

 

Das "Zeitalter des Schalenwilds"

Mit dem Rückgang des Niederwilds in den Feldrevieren in den 1980-er Jahren setzte zeitgleich eine stete Zunahme von Rehen und Wildschweinen, später auch von Hirschen ein. Spätestens seit der Jahrtausendwende kann wohl vom "Zeitalter des Schalenwilds" gesprochen werden. Obwohl der Druck auf Landschaft und Wälder nie größer war (Verkehr, Erholung), kommt in den Wäldern mehr Schalenwild vor als jemals zuvor! Und Wildschweine erobern weitere, auch waldarme Areale, in denen sie dauerhaft siedeln. Daraus ergeben sich zwangsläufig Konflikte: Tierseuchengefahr, erhöhtes Wildunfallrisiko und zunehmende Wildschäden in Wald und Flur.

Während die Niederwildjagd eine "Kann-Jagd" ist (wenn die Niederwildbesätze des Revieres es hergeben, kann man auf der Treibjagd "ernten"), ist die Jagd auf Schalenwild ein "Muss"! In den letzten Jahren zeigte sich allerdings immer deutlicher, dass die Jagd, so wie sie traditionell ausgeübt wurde, den Anforderungen an eine wirksame Regulierung der Bestände nicht gerecht wurde. Revierbezogene "Hege", selektives Jagen und Trophäenorientierung führten dazu, dass die Jagd im rein kompensatorsichen Bereich stattfand. Das heißt, es wurde andauernd weniger erlegt (plus sonstige Mortalität!) als jährlich "nachreproduziert" wurde. Die stetig anwachsenden Bestände sind der Beleg - die ausufernden Wildschäden die Folge.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Jagd zeitgemäße, praxisnahe Lösungen findet, die teils sehr hohen Schalenwilddichten abzusenken.         

 

Kaum bejagtes Rehwild - Problem nicht nur für den Verkehr...


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