1.12.20 - Kolumne Jagd-Heute

Wochen der Wahrheit

 

Es sind bewegende Wochen für Jäger. Der Ausbruch der ASP hält uns in Atem, Corona erschwert die Bewegungsjagden und das Bundesjagdgesetz wird erstmals seit 44 Jahren umfassend novelliert. Und über all dem schwebt die Frage, was „die“ Jäger wirklich leisten können – oder überhaupt wollen. Und welche Art von Jagd tatsächlich systemrelevant ist.

 

Wie wenig fortschrittlich die längst überfällige Novellierung des Bundesjagdgesetzes geraten ist, zeigt ein Blick auf einige Bundesländer, die teils schon vor Jahren deutlich zielstrebigere Landesgesetze auf den Weg gebracht haben (NRW, BW, Thüringen). Der Entwurf wurde bereits in der August-Kolumne kritisiert: „Inhaltlich bleiben … etliche Themen unberührt, die dringend einer Anpassung bedürfen, u.a. die Liste der jagdbaren Tierarten, die Jagdpachtdauer, Mindestgröße von Eigenjagden oder die Synchronisation der Jagdzeiten - um nur sehr wenige zu nennen. Darüber hinaus wäre es im Jahr 2020 an der Zeit, die jagdlichen Paradigmen des vergangenen Jahrhunderts zu bereinigen und Begriffe wie Hege, Hochwild, Jagdschutz, Weidgerechtigkeit oder Wildbewirtschaftung neu zu definieren.“ Dass in den Revieren nun „Abschusskorridore“ anstatt Mindestabschüsse für Rehe verhandelt werden sollen, ist ein albernes Zugeständnis an die Hegejagd, denn man kann mit jagdlichen Mitteln gar nicht „zu viele“ Rehe in einem Revier schießen.    

 

Spannend wird die Entwicklung der Jungjägerausbildung werden, da die Länder nun verbindliche Regeln für die Jagdschulen erarbeiten müssen. 14 Tage Intensivkurse wird es nun nicht mehr geben können. Außerdem müssen in neuen Fachgebieten jetzt diese Themen ausgebildet werden:

  • Wildschäden, insbesondere ihre Erkennung und Vermeidung, sowie die Grundsätze der Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern oder Bewirtschafterinnen der betreffenden Flächen sowie
  • … Erfordernisse einer Verjüngung des Waldes, insbesondere hinsichtlich ihrer jeweiligen Wechselwirkung mit Wildbeständen und Jagdausübung, sowie des Natur- und des Tierschutzes.

Doch wer soll diese anspruchsvollen Fächer überhaupt lehren? Die Länder werden vorgeben, welche Qualifikation die Ausbilder in den einzelnen Fächern künftig aufweisen müssen. Für NRW ist eine entsprechende Verordnung in spätestens 1,5 Jahren zu erwarten. Sie könnte die Welt der Hochleistungs-Jagdschulen auf den Kopf stellen.

 

Dass die Politik trotz der hochdynamischen Zeit hinter dem jagdlichen Handlungsbedarf herhinkt, zeigen auch das jüngst veröffentlichte Wiederbewaldungskonzept für NRW und die Richtlinie zur Förderung der Waldbesitzer. Während man sich im Forst alle paar Jahre neu erfindet und ein Konzept nach dem nächsten erfindet, bleibt man beim Thema Jagd beim Alten – ganz zur Befriedigung von Wildbiologie und Hegejagd. Allen Ernstes wird den Jägern für eine erfolgreiche Wiederbewaldung empfohlen, Prossholzflächen anzulegen und im Wald 2-3 % der Holzbodenfläche zu Wildwiesen zu machen (wie seit 40 Jahren…)! Es ist nicht nachzuvollziehen, dass solche obsoleten Hegemaßnahmen im Jahr 2020 noch immer in einem Konzept der Fachbehörden erscheinen. Damit wird bloß von der Hauptaufgabe der Jagd - der Reduktion der Bestände - abgelenkt. Welche Maßnahmen wirklich notwendig sind, wird im Konzept nicht erwähnt.

 

Dass die Traditionsjäger in den letzten Monaten mit einem dicken blauen Auge davon gekommen sind, belegt auch die neue Förderrichtlinie für NRW. Steuerzahler werden weiter für die Wildhege und Verweigerungshaltung der Jagdpächter bezahlen müssen – in Form von Zuschüssen für Großpflanzen, Plastikhüllen als Verbissschutz oder 3000 qm großen Gattern. Die Jagdpächter können sich getrost auf der Kanzel zurücklehnen – der Staat bezahlt im Voraus. Leider wird hier mal wieder überdeutlich, dass die Jagd im Land NRW noch immer nicht als DIE entscheidende Stellschraube für einen erfolgreichen Wald(auf)bau gesehen wird. Anstatt weiterhin mit der Gießkanne den Flächenbrand löschen zu wollen und Steuergeld für Reh- und Hirschfutter zu verbrennen, hätte die Förderung einer ökologisch orientierten Jagd Anreize schaffen können, so dass mehr Reviere waldorientiert bejagt würden. Die Förderung zertifizierter Reviere, z. B. von Ansitzeinrichtungen und Jagdhunden, wäre gerecht und zielführend!

 

Ach ja: Ist die Jagd denn nun systemrelevant? Haben wir Jäger das Privileg verdient, das uns das Recht gibt, im Shutdown mit großer Mannschaft zur Drückjagd zu schreiten? Die Antwort habe ich in den letzten Wochen deutlich erhalten: Jein. Der größte Teil der Jagdpachtreviere verzichtet derzeit gänzlich auf die Durchführung von Drückjagden, da sich ohne geselliges Schüsseltreiben der Aufwand „nicht lohnt“ und die Jagd „keinen Spaß“ macht. Oder man bimmelt bei der Drückjagd mit drei Hunden und fünf Schützen durchs Revier. Der Vergleich der Streckendaten der Revier übergreifenden Drückjagden aus den Vorjahren mit diesem Jahr werden die fahrlässige Untätigkeit der Jagdpachtreviere aufzeigen.

Im Gegensatz dazu haben die vielen professionell organisierten Bewegungsjagden (im Forst) mit vorbildlichen Hygienekonzepten und disziplinierten Jäger/innen gezeigt, was man erreichen kann, wenn man es wirklich ernst meint mit der Jagd. Dann ist man auch systemrelevant!   

Das Bundesjagdgesetz hinkt, wie etliche Hegegemeinschaften und Hegeringe, den Erfordernissen einer zeitgemäßen Jagd weit hinterher. Seit fast vierzehn Jahren wird diese Kyrillfläche im Siegerland von Rehen und Hirschen entmischt, ohne dass Jagdausübungsberechtigte oder Hegegemeinschaft reagieren.

 

4.11.20 Kabinett billigt Entwurf des neuen Bundesjagdgesetzes

15.10.20 - Lesenswert

Passend zu den Themen der Kolumne vom 1.10. sind zwei lesenswerte Artikel erschienen:

 

Maurin: Staatsknete für Bonzen statt Bauern (taz)

 

Willinger: Zukunft des Waldes: Runter vom Holzweg (Spektrum.de)

 

1.10.2020 - Kolumne Jagd-Heute

Schweinepest und Hirsch-Kampagne

 

Jetzt ist sie also da, die Afrikanische Schweinepest (ASP). Und seither erreichen uns täglich neue Hiobsbotschaften aus dem östlichen Brandenburg. Ob über das behördliche Versagen, die Forderungen der Landwirte oder die rasche Ausbreitung. Ziel ist es, so Bundesministerin Klöckner, Deutschland so schnell wie möglich wieder ASP-frei zu machen. Als Vorbild kann Belgien gelten, das die Seuche wahrscheinlich überstanden hat. Vorderste Motivation dabei ist der Schutz der Landwirte aus der Schweineproduktion. Wie immer in landwirtschaftlichen Krisenzeiten wird seitens der Landwirtschaft viel von der Gesellschaft gefordert – insbesondere Geld. Dass aber nur grundsätzliche strukturelle Änderungen der Agrarpolitik eine weitere Intensivierung und Höfesterben verhindern werden, muss jedoch in diesem Zusammenhang gesagt werden.

 

Der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch liegt bei 120 % (statista). Der Schweinefleischkonsum in Deutschland geht seit Jahren zurück, die Produktion nicht. Zur Freude der Agrarindustrie, die weiter „Billigfleisch“ und Schweineschnauzen nach China exportiert, sobald das Embargo wieder aufgehoben sein wird. Möglich machen das Schweinefabriken mit 20.000 Tieren, die bis zur Abfahrt zum Schlachthof zusammengepfercht auf verkoteten Betonspaltenböden stehen. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Schweinebetriebe um 35% gesunken, die Produktion aber fast auf gleichem Niveau geblieben. Die Betriebe werden immer größer. Mittlerweile gibt es über 500 Betriebe mit mehr als 5000 Schweinen (Bauernzeitung). Diese Art der Landwirtschaftsindustrie verursacht furchtbare Umweltschäden vor unserer Haustür, in dem sie unsere Böden und das Grundwasser belastet und die Biodiversität der Feldflur dezimiert. Deutschland ist – mit den USA – der größte Schweinefleischexporteur der Welt. Muss das sein? Für den Profit einiger weniger Agrarindustrieller? Damit eine Handvoll „Großbauern“ - mitunter Investoren aus dem Ausland - ordentlich verdienen (siehe Maurin in taz), werden kleinere Bauern in den Ruin getrieben, unsere Ressourcen gefährdet und Insekten- und Vogelarten ausgerottet.    

 

Themenwechsel: Diese Woche wurden mal wieder Forderungen von der Deutschen Wildtierstiftung nach mehr Lebensraum für den Rothirsch laut (Rothirschkampagne). Die Idee, dass Hirsche sich neue Areale erobern und mehr Land besiedeln ist zwar romantisch und dürfte vielen Jagdpächtern glänzende Augen bereiten, doch ist sie enorm verklärt. Und wie so oft verzichten diejenigen, die für (noch) mehr Wild plädieren darauf, auch jene Argumente zu nennen, die gegen eine weitere Ausbreitung der Hirsche sprechen.

 

Die Tierart Rotwild ist in keiner Weise bedroht, im Gegenteil. In den letzten 20 Jahren haben sich Hirsche in Deutschland rasant vermehrt, weil sie – wie andere Schalenwildarten – vom günstigen Klima, der besseren Nahrungsgrundlage und der extensiven Jagd inklusive Fütterung in den ach so kalten Wintern profitieren. Es ist wahrscheinlich, dass es in Deutschland nie mehr Hirsche gab als derzeit. Und dass, obwohl kaum natürlicher Lebensraum des Hirsches in unserer Kulturlandschaft vorhanden ist. Das Rotwild lebte ursprünglich („früher“ bei uns) in offenen und halboffenen Landschaften wie den Auen oder oberhalb der Baumgrenze im Gebirge. Die in Rudeln lebenden Tiere betreiben vorwiegend eine visuelle Feindvermeidung, da die großen Tiere in der offenen Landschaft den Wolf bereits von weitem sehen und rasch reagieren konnten. Solche Landschaften finden wir in Deutschland außerhalb der landwirtschaftlich genutzten Standorte fast nur noch auf wenigen Truppenübungsplätzen. In NRW z.B. dürften überhaupt nur zwei (kleine) Gebiete groß genug sein, um jeweils einer kleinen Rotwildpopulation zu genügen (Senne und Dreiborner Hochfläche/ Eifel). Immerhin kommt Rotwild in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft auf 25% der Fläche vor. Allerdings nicht in seinen typischen Biotopen, sondern fast ausschließlich im Wald. Einem Biotop, das ihnen nicht „liegt“, weil sie hier keine Freiflächen zum Grasen finden und den Wolf nicht kommen sehen.

 

Kommen Hirsche in Dichten von ein bis drei Tieren pro 100 ha vor, nischen diese sich problemlos auch in das Ökosystem Wald ein. Zumindest sofern parallel nicht auch Muffel-, Dam- oder Sikawild vorkommen und die Rehdichte ebenfalls „passt“. In den meisten Rotwildregionen NRW’s liegt die Dichte aber um zehn Stück pro 100 ha – in manchen Gebieten auch bei 20 oder gar 30 Tieren! Also zehnmal mehr als der Wald „verträgt“. Eine jagdliche Regulation der Hirsche ist in vielen Verbreitungsgebieten offenbar seitens der Hegegemeinschaften nicht gewollt oder man ist handwerklich nicht dazu in der Lage.

 

Die vielen Hirsche drängen innerhalb ihrer „Bezirke“ nun, um Arealerweiterung bemüht, nach außen. Dort finden sie eine intensiv genutzte Feldflur vor, in der zwar Nahrung vorhanden ist, aber der Druck durch Erholungssuchende und Verkehr viel zu hoch ist. Abgesehen davon verursachen große Hirschrudel auch erhebliche Wildschäden in der Landwirtschaft. Kein Wunder also, dass viele Landwirte einer Ausbreitung der Hirsche skeptisch gegenüber stehen. Ganz abgesehen von den Waldeigentümern. Wer einmal einen (ehemaligen) „Wald“ in einer der Hotspot-Regionen der Hirschwildschäden gesehen hat, wird sich keine Hirsche in seinem Wald wünschen. In manch einem Hirschrevier der Kerngebiete hat das Rotwild Wälder in Baumsteppen verwandelt (vgl. Heute 2016).

 

Grundsätzlich ist nichts daran auszusetzen, wenn Wildtiere neue Areale besiedeln. Doch aktuell darf sich das Rotwild nicht verbreiten, weil die verantwortlichen Jäger in Hegegemeischaften und die Jagdpächter es nicht schaffen, das Rotwild auf Dichten von ein bis drei pro 100 ha zu regulieren. Offensichtlich gilt in den meisten Regionen weiter das jagdliche Motto: Möglichst viel Wild und viele Trophäenträger. Solange die seit vielen Jahren grassierenden Probleme in etlichen Rotwildbezirken nicht gelöst sind, ist der Ruf nach mehr Lebensraum für das Rotwild nur Effekthascherei, die auf die „Bambi-Mentalität“ eben jener Stadtbevölkerung setzt, die sonst gerne als naturentfremdete Jagdgegner stigmatisiert werden.            

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein zu 100% geschälter Fichtenbestand. In dem Rotwildrevier im Kerngebiet der Hirsche im Siegerland weisen fast 90% aller potenziell schälfähigen Bäume Schälschäden auf.

17.9.2020 -  Schweinepest und Zucht: Katastrophe mit Ansage

Ein Beitrag von Maike Rademaker in Die Zeit.

 

7.9.2020 - Zukunftskommission Landwirtschaft startet

Auf dem Agrargipfel im Dezember 2019 regte Kanzlerin Angela Merkel an, die Zukunftskommission Landwirtschaft zu gründen. Heute startet die Kommission mit der Arbeit. Allerdings ohne konkrete Zielvorgabe, die erreicht werden müsste. Erebnisse sollen im Frühjahr 2021 vorgelegt werden.

 

27.8.2020 - Die Jagdabgabe als Jagdbeitrag

Mit dem Wegfall der Jagdabgabe fehlt den Jagdverbänden Geld. Für die künftige Finanzierung von Schießstätten, Hundeprüfungen, Schweißhundstationen, Fortbildungen oder Forschungsprojekten sollen LJV-Mitglieder nun einen "Jagdbeitrag" leisten. Lesen Sie hierzu den Kommentar von Stefan Fügner im Jagdblog des Deutschen Jagdportals.

 

11.8.2020 - Jagdschein auf Probe?

Mit dem kürzlich vom BMEL vorgelegten Entwurf des Bundesjagdgesetzes wird endlich auch die Qualität der Jungjägerausbildung diskutiert. Schon lange bemängeln Jagdleiter die dürftige Ausbildung der Jäger in den Bereichen (Wald-) Wildschäden und Jagdpraxis. Dass Jungjäger ohne weitere Qualifikation, außer drei Jahresjagdscheine gelöst zu haben, ein Revier pachten dürfen, ist einer der Hauptgründe für die unzureichende Bejagung vieler Pachtreviere. Der Bund deutscher Berufsjäger hat nun den "Jagdschein auf Probe" gefordert. Nach bestandener Jagdscheinprüfung sollen Jungjäger ihre Praxiskenntnisse in weiteren drei Jahren erweitern. Grundsätzlich eine gute Idee. Nur darf die Praxisausbildung nicht allein durch die Landesvereinigungen der Jäger stattfinden. Gerade in der Weiterbildung wären unabhängige, ökologisch und naturschutzfachlich ausgerichtete Ausbilder gefragt.

Lesen Sie zu dem Thema "Jagdschein auf Probe" auch den lesenswerten Kommentar von Stefan Fügner (Deutsches Jagdportal).   

 

1.8.20 - Kolumne Jagd-Heute

Der Entwurf des Bundesjagdgesetzes – Weder Fisch noch Fleisch 

Mit großer Spannung war der Entwurf zur Änderung des Bundesjagdgesetzes vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erwartet worden. Bei manchen mit eher bangem Blick in Anbetracht der Reichweite, die das neue Gesetz auf die traditionelle Hegejagd haben könnte. Bei anderen hatte sich zuletzt Hoffnung breit gemacht, dass das BJagdG auch grundlegend an den anhaltenden Schalenwildboom angepasst würde – hatte Ministerin Julia Klöckner (CDU) die Bedeutung der Jagd für den Wald zuletzt doch wiederholt betont. Der jetzt vorliegende Entwurf ist allerdings nur ein Schrittchen in Richtung zeitgemäßer Jagd. Es wurde an wenigen Stellen, eher im kosmetischen Bereich, korrigiert. Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

 

  • Jagd, bzw. die „Hege“ soll „eine Naturverjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen.“
  • Jagdausbildung: Künftig müssen Jagdschüler mindestens 130 Stunden Ausbildung durchlaufen. Die Inhalte der Jagdausbildung werden neu definiert und die Themen Wildschäden („Grundsätze der Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern“) und Waldbau („Erfordernisse naturnaher Waldbewirtschaftung und Naturverjüngung“) stärker gewichtet.
  • Büchsenmunition: Es kommt kein Bleiverbot, sondern ein Minimierungsgebot.
  • Nachtzielgeräte werden für die Jagd auf Schwarzwild erlaubt.
  • Tellereisen und Fangeinrichtungen, in denen Greife gefangen werden könnten, werden verboten.
  • An Grünbrücken darf im Umkreis von 250 Metern nicht gejagt werden außer an wenigen Stunden bei Bewegungsjagden.
  • Abschusspläne: Behördliche Abschusspläne für Rehwild entfallen. Jäger und Verpächter bzw. Eigentümer müssen aber Mindestabschusspläne vereinbaren (längstens für drei Jahre). Kommt eine Vereinbarung nicht zustande, schreibt die Behörde den Mindestabschuss vor, ggf. unter Berücksichtigung des forstlichen Verbissgutachtens.

 

Alle genannten Änderungen des Jagdgesetzes sind nachvollziehbar. Mit Ausnahme des aufwändigst geänderten §18, in dem Büchsenmunition mit Bleianteilen legal bleiben, obwohl in der Praxis seit Jahren hervorragende bleifreie Geschosse verwendet werden. Dass Tellereisen und Fangenrichtungen für Greife erst im Jahr 2020 verboten werden, zeigt, wie veraltet das Gesetz in weiten Teilen (immer noch) ist.

 

Die vehemente Forderung von Waldbesitzern, Ökologen und Förstern, das Gesetz „waldfreundlicher“ zu gestalten, wurde nur ansatzweise berücksichtigt. Zwar ist nun endlich festgelegt worden, dass in den Revieren grundsätzlich das Aufkommen von Naturverjüngung ohne Zaun funktionieren muss. Doch wirklich praktisch wird das Gesetz nur in dem Punkt der Abschusspläne für Rehe. Eigenjagdbesitzern und Verpächtern ist es nun möglich, ihre eigenen Vorstellungen vom Rehwildabschuss in ihren Revieren vorzugeben.

Mit den „Hochwild“- Arten befasst sich der Entwurf erst gar nicht. Als wären nicht gerade die meisten Rot-, Sika- und Damwildregionen waldbauliche Krisengebiete, in denen kein naturnaher Waldbau ohne Zaun möglich ist.  

 

Positiv ist die Erweiterung der Jungjägerausbildung um die Lehrinhalte „Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern“, „naturnaher Waldbau und Naturverjüngung“ zu bewerten. Denn es ist erschreckend, über wie wenig Artenkenntnisse viele Jungjäger verfügen. Und Wildschäden im Wald, wie selektiver Verbiss und Entmischung, werden bis heute von kaum einem (Jung-)Jäger erkannt.     

 

Die Erlaubnis, Nachtzieltechnik auf Schwarzwild zu verwenden ist überfällig, wird aber die Wildschweinbestände nicht reduzieren. Hierzu fehlt der Wille in vielen Revieren, in denen Wildschäden keine Rolle spielen oder von solventen Jagdpächtern – quasi als Wildfutter – aus der Portokasse bezahlt werden.

 

Obwohl die Jagd vor den größten Herausforderungen seit Jahrzehnten steht, wurde die Gelegenheit einer Reform verspielt, obwohl der hauseigene „Wissenschaftliche Beirat Waldpolitik“ dem Ministerium eine „grundlegende Neuausrichtung“ der Jagd angeraten hatte. Doch von einer Neuausrichtung kann keine Rede sein. Zum Beispiel wird der Begriff „Hege“ lediglich um die o.g. Naturverjüngung erweitert. Doch Jungjägern wird in der Ausbildung, wie seit Jahrzehnten, weiterhin die „Wildhege“ eingeimpft. Hier lernt der Jungjäger, wie man die Bestände "artgerecht“ bejagt, u.a., um entsprechende Trophäen zu generieren. Wie Reh- oder Hirschbestände wirksam reduziert werden, lernt der Jungjäger i.d.R. nicht.

 

Inhaltlich bleiben im Entwurf etliche Themen unberührt, die dringend einer Anpassung bedürfen, u.a. die Liste der jagdbaren Tierarten, die Jagdpachtdauer, Mindestgröße von Eigenjagden oder die Synchronisation der Jagdzeiten - um nur sehr wenige zu nennen. Darüber hinaus wäre es im Jahr 2020 an der Zeit, die jagdlichen Paradigmen des vergangenen Jahrhunderts zu bereinigen und Begriffe wie Hege, Hochwild, Jagdschutz, Weidgerechtigkeit oder Wildbewirtschaftung neu zu definieren. Stattdessen wird die Jagd immer noch damit begründet, dass „Störungen des biologischen Gleichgewichts“ ausgeglichen werden sollen und verharrt somit in der wissenschaftlichen Steinzeit.     

 

Die äußerst zaghafte Novellierung macht klar, dass nachfolgende Regierungen in absehbarer Zeit das Gesetz erneut ändern müssen. Dann vielleicht endlich mit mutigen Entscheidungsträgern, die das Bundesjagdgesetz fit für die Zukunft machen. Bis dahin bleibt es den Reviereigentümern überlassen, ihre Reviere von aufgeschlossenen Jägern zielorientiert bejagen zu lassen, wie es heute schon mancherorts praktiziert wird. Zum Glück steht eine junge, engagierte Jägergeneration in den Startlöchern, die abseits überholter Traditionen bereit ist, die enormen Herausforderungen der Jagd anzugehen. Bislang hinkt das Bundesjagdgesetz mit seinem „Reförmchen“ noch weit hinterher.  

 

 

 

 

 

 

 

 

Die absurde behördliche Abschussplanung für Rehe entfällt, wie in NRW bereits 2015, nun bundesweit.

Auch die Abschussplanung des immer noch so genannten „Hochwilds“ gehört dringend auf den Prüfstand, was im Entwurf aber nicht thematisiert wird.

Volksinitiative für Artenvielfalt in NRW gestartet

Die Volksinitiative Artenvielfalt wurde durch die NRW-Landesverbände des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW (LNU) und des Naturschutzbund Deutschland (NABU) ins Leben gerufen, um eine landesweite Kampagne zum Erhalt der Artenvielfalt in NRW durchzuführen. Ziel der Initiative unter dem Motto „Insekten retten – Artenschwund stoppen“ ist es, konkrete Handlungsvorschläge zur Verbesserung der biologischen Vielfalt in den NRW-Landtag einzubringen und das Land so zu mehr Natur- und Artenschutz zu bewegen. Hier der Unterschriftenbogen zum ausdrucken:

26.7.20 Entwurf des novellierten Bundesjagdgesetzes liegt vor

Die Bun­des­mi­nis­te­rin für Er­näh­rung und Land­wirt­schaft, Julia Klöck­ner (CDU), hat einen Ent­wurf zur Än­de­rung des Bun­des­jagd­ge­set­zes (BJagdG) vor­ge­legt.

 

14.7.20 - Wölfe: Die Super-Ökologen des Yellowstone

Vor 25 Jahren kehrten Wölfe zurück in den Nationalpark. Dank ihnen sind die Hirschbestände im Yellowstone heute wieder stabil und gesund.

4.7.20 - Rolle der Jagd. Wie Deutschlands Wäldern zu helfen wäre

30.6.2020 - TAZ- Beitrag zur Jagd

"Schluss mit Bambi

Wer einen klimastabilen Mischwald fordert, muss auch den Bestand an Schalenwild verringern. Höchste Zeit für mehr Rotwild auf dem Sommergrill."

 

Ein Beitrag von Maike Rademaker: https://taz.de/Wildtiere-und-Waelder-in-Deutschland/!5693230/

 

24.6.20 Waldwissenschaftler fordern: Waldumbau durch effiziente Bejagung unterstützen

Ammer, C., Knoke, T., Müller, M.: Warum wir eine Neufassung des Bundesjagdgesetzes brauchen

https://resilience-blog.com/2020/06/22/waldwissenschaftler-fordern-waldumbau-durch-effiziente-bejagung-unterstutzen/

19.6.2020 Jagd/ Wildmanagement in Wildnisgebieten?

Wildnisgebiete  i. S. der Nationalen Biodiversitätsstrategie sind ausreichend große, weitgehend unzerschnittene, nutzungsfreie Gebiete, die dazu dienen, einen vom

Menschen unbeeinflussten Ablauf natürlicher Prozesse dauerhaft zu gewährleisten.

In Deutschland gibt es nur sehr wenige große Wildnisgebiete im engeren Sinne, aber viele kleinere Wildnis- oder Wildnisentwicklungsgebiete. In der Skriptenreihe des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) ist nun das BfN-Skript 557 erschienen: Wildnis im Dialog. Aktuelle Beiträge zur Wildnisentwicklung in Deutschland.

Ob in Wildnisgebieten ein Wildmanagement stattfindet, im Gebiet Jagdruhezonen eingerichtet werden oder ob das ganze Gebiet jagdfrei sein kann, wird in unserem Beitrag "Jagdruhezonen in Wildnisgebieten - Möglichkeiten und Grenzen" erläutert.

8.4.20 - BMEL stuft Jagd als systemrelevant ein!

23.3.2020 NRW verabschiedet ASP-Verordnung

ASP-VO NRW vom 28.02.2020.pdf
PDF-Dokument [315.2 KB]

Ein WDR-Beitrag vom 31.5.2019 über unser "Rehwildprojekt" im Forschungsrevier Hagen, das wir gemeinsam mit dem RVR Ruhr Grün betreiben. Es werden zeitgemäße Jagdstrategien auf Rehe erprobt und die Auswirkungen auf Waldwildschäden wissenschaftlich untersucht.

NRW hebt Schonzeit für Schmalrehe und Böcke im April auf!

Jagdliche Maßnahmen zur Unterstützung der Wiederbewaldung nach den Kalamitätsschäden in den Wäldern von Nordrhein- Westfalen
Erlass Maßnahmen Wiederbewaldung.pdf
PDF-Dokument [983.7 KB]

14.2.20   Jagd - Wildbiologie - Wildmanagement

Etwa 45.000 heimische Tierarten gibt es in Deutschland, wovon ca. 16.000 Arten extrem selten oder gefährdet sind. 99% der gefährdeten Arten genießen keinen spezifischen Artenschutz durch den Menschen. Über 95% aller Tierarten werden in keiner Form vom Menschen „gemanagt“, bejagt oder „bekämpft“. Dies betrifft nur

  • Arten von besonderem Interesse wie seltene oder bedrohte Arten, z.B. Großer Brachvogel, oder solche mit besonderer (Trophäen-) Eigenart, z.B. Rotwild
  • Arten von Interesse für den menschlichen Nutzen, z.B. wildbretliefernde Arten oder Honigbienen
  • Arten, die eine Gefahr für Menschen sein können wie z.B. Bird-Control an Flughäfen oder Eichenprozessionsspinner etc. (Abb.)

Eine zeitgemäße Jagd bzw. gute jagdliche Praxis ist heute wichtiger denn je, da sie ein wichtiges Instrument ist, um den gesellschaftlich eingeforderten Waldumbau zu realisieren oder auch um Tierseuchen einzudämmen. Diese zielorientierte Jagd resultiert aus einer permanenten Weiterentwicklung des Jagdwesens. Dem zügigen Tempo der gestiegenen Anforderungen an unseren Umgang mit Wildtieren konnte die klassische Wildbiologie allerdings nicht folgen. Diese stellt einzelne Wildtiere von besonderem Jägerinteresse in den Mittelpunkt und stützt weiterhin die Hegejagd mit ihren Bewirtschaftungsprinzipien. Eine zeitgemäße, ökologisch orientierte Jagd dagegen stellt prinzipiell die Ökosysteme in den Mittelpunkt und die Wildarten in den ökologischen Zusammenhang.

 

Lesen Sie zu dem Thema  den Beitrag "Survival of the fittest - Wie sich die Wildbiologie immer weiter von der guten jagdlichen Praxis entfremdet" (links).

Der Wolf in NRW

In NRW häufen sich die Nachweise von Wölfen seit 2019 deutlich. Erstmals wurde in diesem Sommer Wolfsnachwuchs nachgewiesen - im Rhein-Sieg-Kreis. Zur Schermbecker Wölfin GW954f hat sich nun dauergaft ein männlicher Wolf gesellt. Aktuelle Informationen liefert stes das Lanuv.

Das "Zeitalter des Schalenwilds"

Mit dem Rückgang des Niederwilds in den Feldrevieren in den 1980-er Jahren setzte zeitgleich eine stete Zunahme von Rehen und Wildschweinen, später auch von Hirschen ein. Spätestens seit der Jahrtausendwende kann wohl vom "Zeitalter des Schalenwilds" gesprochen werden. Obwohl der Druck auf Landschaft und Wälder nie größer war (Verkehr, Erholung), kommt in den Wäldern mehr Schalenwild vor als jemals zuvor! Und Wildschweine erobern weitere, auch waldarme Areale, in denen sie dauerhaft siedeln. Daraus ergeben sich zwangsläufig Konflikte: Tierseuchengefahr, erhöhtes Wildunfallrisiko und zunehmende Wildschäden in Wald und Flur.

Während die Niederwildjagd eine "Kann-Jagd" ist (wenn die Niederwildbesätze des Revieres es hergeben, kann man auf der Treibjagd "ernten"), ist die Jagd auf Schalenwild ein "Muss"! In den letzten Jahren zeigte sich allerdings immer deutlicher, dass die Jagd, so wie sie traditionell ausgeübt wurde, den Anforderungen an eine wirksame Regulierung der Bestände nicht gerecht wurde. Revierbezogene "Hege", selektives Jagen und Trophäenorientierung führten dazu, dass die Jagd im rein kompensatorsichen Bereich stattfand. Das heißt, es wurde andauernd weniger erlegt (plus sonstige Mortalität!) als jährlich "nachreproduziert" wurde. Die stetig anwachsenden Bestände sind der Beleg - die ausufernden Wildschäden die Folge.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Jagd zeitgemäße, praxisnahe Lösungen findet, die teils sehr hohen Schalenwilddichten abzusenken.         

 

Kaum bejagtes Rehwild - Problem nicht nur für den Verkehr...

Landwirtschaft und Artenvielfalt

Mit den Bauern verschwinden auch die Tiere der Feldflur

Seit drei Jahrzehnten schaut "die Gesellschaft" dem "Höfesterben" in der Landwirtschaft zu. Die Menschen auf dem Land schauen fassungslos zu, wie die bäuerliche Kulturlandschaft verschwindet. Und die Jäger schauen machtlos zu, wie das Rebhuhn, die Charakterart der bäuerlichen Kulturlandschaft, nach und nach ausstirbt.

Und mit ihm - von den meisten unbemerkt - zahlreiche andere Pflanzen-, Insekten- und Vogelarten. Die einst artenreiche Lebensgemeinschaft der Feldflur ist nur noch in Fragmenten vorhanden. Ohne "Wildkräuter" und "Pflanzenvielfalt" sterben die Tierarten aus. Wann haben Sie zuletzt einen Schmetterlng über ein Weizen- oder Maisfeld fliegen sehen?

Dieses Rebhuhn sitzt in intensiv genutzter Mähwiese und sucht seinen ausgemähten "Anhang". Es ist eines der letzten Rebhühner in einer Region im Münsterland, in der es  vor dreizehn Jahren noch zahlreiche Rebhühner gab.   

Die Jäger/innen in den Niederwildregionen sind heute mehr denn je als als "Heger" gefordert - wobei der Erhalt der Rest-Lebensräume und die Schaffung neuer Lebensräume die zentrale Aufgabe beim Erhalt der Lebensgemeinschaft Feldflur ist. Einseitige Fokussierung auf wenige Wildarten (Fasan!) und die bloße "Bekämpfung" der Konkurrenz ist nicht mehr zeitgemäß und hilft nicht weiter. Der Rückgang der Hasen- und Fasanenstrecken ist kaum noch durch verstärkte Raubwildbejagung zu kompensieren. Viele Jäger und Landwirte setzen sich daher für den Erhalt der Lebensräume ein. Doch gegen die politisch gewollte Industriealsierung der Landwirtschaft ist offenbar und sprichwörtlich kein Kraut gewachsen (s. weitere Glyphosat- Verwendung..).  

Ohne eine grundsätzliche Änderung hin zu einer naturverträglichen Landwirtschaft wird das Artensterben in der Agrarlandschaft ungebremst fortgeführt.

 

Die Probleme sind seit 30 Jahren bekannt.

 

Am 6.5.2019 hat der UN-Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES auf die dramatische Situation aufmerksam gemacht. Ob sich dieser bei der Ausgestaltung der EU-Agrarpolitik auswirkt - oder diese doch wieder von der Agrarindustrielobby diktiert wird?

 

Themen: Landwirtschaft und Umweltschutz, Niederwild und Landwirtschaft

 


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