Pfingstmontag 1. Juni 2020 - Kolumne JAGD-HEUTE

Deutungshoheit über Jagd kippt

 

Die Jagd wandelt sich rasanter als je zuvor. In den letzten Jahren sehen sich Jäger/innen dramatisch eingebrochener Niederwildbesätze und gleichzeitig immer weiter ansteigender Schalenwildbestände gegenüber. Zeitgleich wurde die „Jagdtechnik“, wie Nachtsicht und Meldesysteme, extrem verbessert und die junge Jägergeneration zeichnet, auch via Influencern, ein ganz frisches Bild der Jagd. Und emanzipiert sich von „Jagdherren“ und der boulevardesken Jagdpresse. Außerdem wächst das gesellschaftliche Bewusstsein für Tierschutzbelange weiter. Dadurch „verschieben sich althergebrachte Positionen zur Frage, wie Jagd durchzuführen sei“ (WBW 2020). Bewahrer der Jagd, „wie wir sie von unseren Altvorderen gelernt haben“ und Reformer liefern sich derzeit eine heftige Auseinandersetzung um die Deutungshoheit über die Jagd in Deutschland.

 

Jagd, also das Aufsuchen, Nachstellen und Töten von Wildtieren, wird weltweit und völlig unterschiedlich betrieben. In Afrika werden Antilopen so lange durch die Wüste gehetzt, bis sie entkräftet getötet werden können, Inuit jagen Robben vom Schneemobil aus und im Regenwald Ureinwohner Affen mit Giftpfeilen. Tierschutz spielt in manchen Ländern, in denen die Lebensmittelbeschaffung als Motivation der Jagd noch im Mittelpunkt steht, oft eine untergeordnete Rolle. In Deutschland hat sich die Jagd, ausgehend vom Reichsjagdgesetz von 1934, zur Hegejagd entwickelt, die ein Dutzend jagdbare Wildtierarten (von über 45.000 Tierarten) in den Mittelpunkt einer züchterischen und produktionsorientierten Wildbewirtschaftung gestellt hat. Aus Sicht der 1930-er Jahre vielleicht nachvollziehbar, da die Wilddichte teils extrem viel geringer war als heute und Rothirsch und Wildschwein durch Schutz und Hege gefördert werden sollten.

 

Heute aber gibt es bei uns mehr Hirsche, Rehe und Wildschweine denn je. Das Schalenwild kommt in derart hohen Dichten vor, dass landauf, landab erhebliche Probleme verursacht werden. In Land- und Forstwirtschaft, aber auch in der Natur: Rehe und Hirsche verhindern derzeit die natürliche Regeneration unserer kranken Wälder und unterbinden somit die derzeit wichtige Resilienz (Regenerationsfähigkeit) intakter Ökosysteme – und das (fast) flächendeckend in Deutschland! 

Nun soll das Bundesjagdgesetz, gemäß des Koalitionsvertrages von CDU/CSU und SPD, geändert werden. Es geht um Büchsenmunition, Schießnachweis und Jungjägerausbildung. Aber auch um das Thema Wald und Wild, wie Ministerin Julia Klöckner (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, BMEL) in ihrem Eckpunktepapier auf dem Waldgipfel im Herbst 2019 angekündigt hat. Die teils katastrophalen Wildschäden in den Wäldern sind in den letzten Jahren klar erfasst und beschrieben worden und können von den Jagdverbänden nicht mehr weggeredet werden. Dadurch ist der Druck der Wald-, Umwelt- und Forstverbände so stark geworden, dass offensichtlich ein Kipppunkt zugunsten der Waldvertreter erreicht wurde. Der „Wissenschaftliche Beirat Waldpolitik“ des BMEL hat dem Ministerium in seiner Stellungnahme zur Nationalen Waldstrategie 2050 bereits einen jagdlichen Paradigmenwechsel („grundlegende Neuausrichtung“) angeraten und empfiehlt der Ministerin – zugunsten einer waldfreundlichen Jagd - die komplette „Entrümpelung“ des aktuellen BJagdG und die Beendigung von Hegejagd und Wildbewirtschaftung.

 

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Einer Stellungnahme vom Deutschem Jagdverband (DJV), Wildtierstiftung und Berufsjägern (BDB) folgte ein „Brandbrief gegen jagdfeindliche Bemühungen“ (JAEGERMAGAZIN online 7.5.2020). Reflexhaft wurden von wütenden Jägern altbekannte Parolen auf Stammtischniveau durchs Netz gebrüllt („Schalenwild ohne Lebensrecht. Ein wildfeindliches Bundesjagdgesetz.“ etc.), und die Gräben weiter vertieft. Inhaltlich bieten die Verbände nichts an, außer die seit Jahrzehnten propagierten Lösungsvorschläge: Da es eh nur lokale Probleme gäbe, könnten diese eigenverantwortlich von den Jägern vor Ort gelöst werden. Dass dies seit Jahren nicht funktioniert, zeigen Wildschäden und Streckenstatistik mehr als deutlich und im ganzen Land. Und dass die Idee mit der Freiwilligkeit und Eigenverantwortung überall dort nicht funktioniert, wo monetäre Interessen mit Tier- oder Naturschutz kollidieren (vgl. Heute 2018: „Der große Reibach“; s. links), sieht man eindrucksvoll in der ausgeräumten, bald insekten- und niederwildlosen Agrarlandschaft oder aktuell in der Fleischverarbeitung der Massentierhaltung.  

 

Dass die Deutungshoheit über die Jagd zugunsten derjenigen gekippt ist, die den Zustand von Wäldern und Feldern vor die Interessen weniger Jagdpächter stellen, lässt sich daran erkennen, dass es eben nicht nur „grüne Ideologen“ sind, die einen Paradigmenwechsel in der Jagdpolitik fordern. Es ist das CDU geführte BMEL unter Führung von Julia Klöckner, die das Ziel Naturverjüngung im BJagdG festschreiben, Abschusspläne für Rehwild abschaffen und Kontrollmöglichkeiten durch Jagd- und Forstbehörden erweitern will (laut wildundhund.de 19.5.2020). Nur zur Erinnerung: Es war auch eine CDU-Kanzlerin, die am Ende das grüne Flaggschiff Energiewende enterte und die AKW’s abschalten ließ, nachdem Fukushima den Kipppunkt endgültig in die „grüne Richtung“ hatte schlagen lassen.

 

Mittlerweile sind sich alle an der Diskussion beteiligten Verbände und Institutionen, von Landwirtschaft und Forst über Naturschutz bis zu den Jagdverbänden darin einig, dass die Jagd eine entscheidende Rolle bei Wildschadenverhütung und Seuchenprävention spielt. Und inmitten der fortschreitenden Diskussionen darüber, wie die Jagd der Zukunft aussehen soll (z.B. so wie es wenige Beispielbetriebe seit Jahren vormachen), möchten DJV und Berufsjäger die deutsche Jagd zum UNESCO-Weltkulturerbe erklären lassen! Die Botschaft ist deutlich: Die deutsche Jagd ist die beste der Welt und soll sich nicht ändern. Diese Art der Jagd, nämlich die Hege und Bewirtschaftung von Wildtieren, hat dazu geführt, dass sich der komplette Wald in Deutschland nicht artenreich verjüngen kann. Außerdem ist „die“ deutsche Jagd in den letzten Jahren sehr vielfältig geworden. Junge Jagdblogger, ANW-Förster und jagende Naturschützer zeichnen heute ein ganz anderes Bild der „deutschen Jagd“, als es den Antrag stellenden Verbänden lieb ist.

 

Die „deutsche Jagd“ ist so reformbedürftig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Einige Länder haben, übrigens unabhängig von der Farbe der Regierungskoalitionen, bereits teils fortschrittliche neue Landesjagdgesetze erlassen. Die Jagd steht vor grundlegenden Umwälzungen, ob die Verbände wollen oder nicht, denn die angeblichen Partner des ländlichen Raums spielen immer weniger mit. Die Forstwirtschaft schon lange nicht mehr und auch die Landwirtschaft fordert verstärkt Lösungen der Schwarzwildproblematik ein. In der Wagenburg wird es einsam, auch weil sich die junge Jägergeneration zunehmend von der Traditionsjagd abwendet. Und der gesellschaftliche Druck wird mit der Waldkrise und den hohen Wildbeständen weiter anwachsen.    

 

Wer in so dynamischen Zeiten wie diesen heute immer noch meint, alles könne bleiben wie es ist, ist sehenden Auges ins Abseits gelaufen. Und muss damit rechnen, dass man am Ende abgehängt und die Zeitenwende von anderen gestaltet wird.

Quo vadis Jagd?

26.5.2020 - Zum Abschuss freigegeben. Deutsche auf Trophäenjagd

30.4.2020 - Dieter Mennekes verstorben

Die Dieter Mennekes Stiftung verabschiedet sich von Ihrem Stifter

Wildökologie Heute bedankt sich bei und verneigt sich vor dem großen Waldnaturschützer Dieter Mennekes.

 

29.4.20 - Recherche-Tipp: Waldtagung "Fit für die Zukunft - Oberbergischer Wald im Jahr 2050" am 29.2.20 in Nümbrecht

Zentrales Thema der Waldtagung war die Frage, wie sich die Kulturlandschaft in Zukunft verändern wird und das erklärte Ziel, einen klimastabilen Wald zu schaffen. Vor dem Hintergrund klimatischer Veränderungen, die durch Stürme, Dürre und Borkenkäferbefall erkennbar werden, gab es seitens der Teilnehmenden eine starke Nachfrage zu Beratung und Unterstützung für den Umgang mit den geschädigten Flächen. In den Fachvorträgen wurde deutlich, vor welch großen Herausforderungen die Waldbewirtschaftung steht.

Hier geht ers zum Download der Fachbeiträge.

 

21.4.20 - Im DJV-Video: Appell des DFWR an Waldjäger

Anmerkung der Redaktion:

Grundsätzlich hat Norbert Leben, Vize-Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, sicher Recht mit der Forderung: „Es ist notwendig, das Forstleute und Jäger eine Allianz für Wald und Wild bilden.

Es ist allerdings naiv zu glauben, dass die im Beitrag angesprochene Reduktion von Reh- und Hirschbeständen nur "mancherorts" und "temporär" erfolgen muss, um klimastabile Wälder aufzubauen. Um einen stabilen Dauerwald zu gründen, müsste in allen Revieren dauerhaft konsequent gejagt werden! Zumindest, wenn man einen "klimastabilen" Dauerwald etablieren und nicht bloß eine Generation forstlicher Zielbäume aus dem Äser wachsen lassen will. Das zeigen die wenigen erfolgreichen Forstbetriebe, die in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten einen artenreichen Dauerwald gegründet haben.

 

8.4.20 - BMEL stuft Jagd als systemrelevant ein!

1. April 2020 - Kolumne JAGD-HEUTE

 

Jagd trotzt Corona

 

Man möchte es kaum noch ansprechen, geschweige denn zum Thema der ersten JAGD-HEUTE- Kolumne machen, doch die Coronakrise wirft ihre langen Schatten auch auf die Jagd. Zwar fällt diese unselige Zeit der Kontaktverbote glücklicherweise nicht in die Treib- und Drückjagdsaison. Doch drohende Ausgangssperren könnten theoretisch jedwede Jagd unmöglich machen. Um dieses gerade für viele Männer kaum vorstellbare Horrorszenario zu verhindern, hat der Deutsche Jagdverband – gewohnt breitbrüstig - die Jagd in einer Pressemitteilung kurzerhand zur „systemrelevanten Daseinsvorsorge“ für die Landwirtschaft erkoren! Was für ein Ritterschlag! Denn damit werden die Jäger auf ein Schild gehoben, das sie mit den wichtigsten, weil tragenden Säulen der Gesellschaft, den Ärzten, Pflegern, Politikern und Polizisten, teilen. Damit macht sich die Jagd mal eben so „systemrelevant“ und unverzichtbar wie die ärztliche oder die Grundversorgung. Der Deutsche Jagdverband begründet die Forderung nach der exponierten Stellung der Jäger/innen übrigens mit

  • dem „Kampf gegen die Ausbreitung der ASP“
  • dem Verhindern „großer Ernteausfälle“
  • der Nutriajagd an Deichen
  • sowie der Notwendigkeit regelmäßiger Nachsuchen nach Wildunfällen.

 

Doch ob hier wirklich Systemrelevanz vorliegt wird sich erst noch zeigen. Denn so wie die aktuelle Gesundheitskrise der Gesellschaft einen harten Charaktertest unterzieht, werden die vollmundigen Begründungen des Jagdverbands für eine unverzichtbare Jagd sich den aktuellen, teils akuten Problemherden stellen und sich messen lassen müssen! Sonst heißt es später „Große Klappe, aber nichts dahinter…“. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL; Julia Klöckner) "betrachtet die damit ausgesprochene Privilegisierung der Jägerschaft gegenüber anderen Teilen der Bevölkerung als hohe Anerkennung, zugleich aber auch als gesellschaftlichen Auftrag für einen konkreten Beitrag, insbesondere zur Sicherung der Ernährungsvorsorge der Bundesrepublik Deutschland".

 

Rückblickend sind die Erfolge der Jagd, wie sie auf überwiegender Fläche in Deutschland ausgeübt wird, überschaubar. Nachdem man jahrzehntelang den Ersatzmann für die ausgestorbenen Bären, Wölfe und Luchse gemimt und vorgegeben hat, die Jäger würden die Wildbestände regulieren, stellt sich seit den 1990-er Jahren immer drastischer heraus, dass die Jäger eben nicht regulieren, geschweige denn reduzieren. Sie jagen stets im kompensatorischen Bereich, was in schweren Zeiten gut und nachhaltig ist (z.B. derzeit bei Hasen), in Zeiten von angezeigten Reduktionsanschüssen aber nicht wirkt. Die Abschüsse verhindern nur, dass die Bestände nicht noch rasanter anwachsen. Leider hat diese Art der Jagd und ihre grundfalsche, oft auch fadenscheinige Begründung zu einem stark ramponierten Image in der Gesellschaft geführt.        

 

Bemerkenswert ist in diesen Tagen auch, dass es plötzlich einen breiten Konsens darüber gibt, dass unsere Hirsche und Rehe stärker bejagt werden müssen, wenn sich die derzeit geschätzt 250.000 Hektar „Kalamitätsflächen“ artenreich wieder bewalden können sollen. Zwar hat der Landesbetrieb Wald und Holz NRW zum großen Teil schon vor den Jägern oder unwilligen Forstbediensteten kapituliert und manche Revierförster legen im Zäunungen im Landeswald an, obwohl der Zaunbau im Rahmen der WIederbewaldung per Betriebsanweisung verboten wurde. Aber selbst Verbände, die eine zielgerichtete, wildschadenorientierte Jagd über Jahrzehnte strikt abgelehnt hatten, stimmten der Schonzeitaufhebung für Böcke und Schmalrehe in NRW zu. Damit ist in der Wald-Wild-Debatte endlich die dritte (und letzte?) Stufe der Auseinandersetzung erreicht: Nachdem die Ökojagd-Szene zunächst belächelt (1970-er und 80-er Jahre) und später vehement bekämpft wurde (Diffamierungen und Denunziation), wird die Dringlichkeit nun, besser spät als nie, zähneknirschend anerkannt. Das Dogma der Hege- und Bewirtschaftungsjagd wankt stärker denn je - und wird bald Vergangenheit sein.     

Der Bau von Zäunen - v. a. zum Schutz der Felder vor Schwarzwild - wird von Jägern in ganz Deutschland betrieben und soll "systemrelevant" sein. Komisch nur,  dass die Anerkennug für eine solch existentiell wichtige Arbeit oft ausbleibt.

Für den naturnahen Wald ist eine zeitgemäße Jagd sogar nachweislich "systemrelevant". Doch viele "traditionelle" Jäger lehnen diese aus Prinzip ab und verhindern damit Wildregulation auf größerer Fläche.

 

 

23.3.2020 NRW verabschiedet ASP-Verordnung

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat die „Verordnung über die Anwendung besonderer jagdlicher Maßnahmen zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP)“ verabschiedet.

Zweck der VO soll die „effektive und zügige Tilgung einer festgestellten ASP zum Schutz der Wildtiere und zur Abwehr erheblicher Schäden in der Nutztierhaltung durch den räumlich und zeitlich begrenzten Einsatz besonderer jagdlicher Maßnahmen“.

ASP-VO NRW vom 28.02.2020.pdf
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16.3.2020 Film- und Literaturtipps für Quarantänetage

Durchgeknallt. Was bei der Jagd falsch läuft...

Dokumentation im SWR vom 29.6.2016; 44 min

 

Das System Milch

Film-Doku von Andreas Pichler; HR 22.8.19: 89 min

Es ist eines der großen Umwelt- und Naturprobleme in den Mittelgebirgen: die intensive Milchviehwirtschaft. Andreas Pichler zeigt die Hintergründe des Milchimperiums. Und Bauern, die sich von den Molkereien unabhängig gemacht haben.

 

Der Wald-Manager des Fürsten - Neue Ideen für einen alten Forst

ARD 21.3.2018; 30 min

Der Forstbetrieb des Fürsten von Hohenzollern in Sigmaringen - einer der ganz großen Privatwaldbesitzer in Deutschland.

 

WDR Planet Wissen: Jagd auf dem Prüfstand.

Sendung vom 10.1.2017; 59 min

 

WDR- Markt 11.3.2020; 15 min
 
Am 11. März wurde im WDR-Markt, Rubrik "Gegen den Strich", eine interessante Sendung über die Jagd gezeigt. Aussage: Die konventionelle Hobbyjagd (Trophäen, Event) werde in der Bevölkerung immer drastischer abgelehnt (militante Jagdgegner und extremer Tierschutz). Doch die Markt-Redaktion bricht dort eine Lanze für die Hobbyjagd - sofern sie wirklich zielgerichtet ausgeübt wird (Seuchenprophylaxe, Wildschadenprävention, Lebensmittelgewinnung). Dr. Martina Hudler von der Hochschule Weihenstephan und die Vertreter des Ökologischen Jagdverbandes untermauern das ganze fachlich.
 
Bemerkenswert ist auch, dass das hausgemachte "Leitbachen-Paradigma" jetzt von Tierschützern als Argument gegen die Schwarzwildjagd verwendet wird und den Verfechtern der Schwarzwild"bewirtschaftung" nun auf die Füße fällt!
 

Ein weiterer sehr guter Beitrag von "fachfremden" Journalisten des WDR über die Jagd:

 WDR Markt - Jagd: "Tödliches Hobby" oder Umweltschutz?

 

Ein WDR-Beitrag vom 31.5.2019 über unser "Rehwildprojekt" im Forschungsrevier Hagen, das wir gemeinsam mit dem RVR Ruhr Grün betreiben. Es werden zeitgemäße Jagdstrategien auf Rehe erprobt und die Auswirkungen auf Waldwildschäden wissenschaftlich untersucht.

Hunt Well and Good: An Interview with Donnie Vincent

ORIGINALLY PUBLISHED IN MODERN HUNTSMAN, VOLUME THREE: WILDLIFE MANAGEMENT 23.6.2019

10.3.20 - Novellierung des BJagdG noch vor dem Sommer!

Der Druck von Verbänden auf die Bundesregierung nimmt zu

Wie auf dem Nationalen Waldgipfel Im September vergangenen Jahres in Berlin von Bundesministerin Julia Klöckner angekündigt, soll das Bundesjagdgesetz nun im ersten Halbjahr 2020 novelliert werden. Derzeit befindet sich ein Entwurf zur Änderung des BJagdG in der Ressortabstimmung. Auf eine Kleine Anfragge der Bundestagsfraktion Die LINKE bestätigte die Bundesregierung nun, dass man "geeignete Maßnahmen prüfe, um das Ziel einer Naturverjüngung der Hauptbaumarten zu erreichen."  Derweil wächst der Druck auf die Bundesregierung: Nachdem der Deutsche Forstwirtschaftsrat bereits im Januar das Positionspapier für eine zeitgemäße Jagd
"Wald und Schalenwild in Einklang bringen!" (s. u.) veröffentlicht hat, legt nun der Forstausschuss der
Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände „Deutscher Kommunalwald“ nach und fordert in seinem Positionspaier "WALDSTERBEN 2.0 – OHNE STARKE WÄLDER KEIN KLIMASCHUTZ" in Punkt 8, KLIMAWANDEL, JAGD & WILD:
Neujustierung der Bundes- und Länderjagdgesetzgebungen pro Walderneuerung: „WALD vor WILD“
• Jagdzeiten auf Bundes- und Länderebene einheitlich auf früheren Vegetationsbeginn einstellen (Bejagung wiederkäuendes Schalenwild ab 1. April)
• „Verbissampel“ kurzfristig auf GRÜN schalten
• Schalenwildbestände nachhaltig und dauerhaft deutlich reduzieren
• Koppelung der Waldbauförderung an waldgerechte Wildbestände
• Bundesweites Monitoring durch flächendeckende Verbissgutachten

 

NRW hebt Schonzeit für Schmalrehe und Böcke im April auf!

Die untere Jagdbehörden werden gemäß § 24 Absatz 2 Landesjagdgesetz NRW zur Vermeidung von übermäßigen Wildschäden für die Jagdjahre 2020/21 bis einschließlich 2024/25 in den Waldgebieten mit hohen Waldschäden die Schonzeit für Schmalrehe und Böcke aufheben. Die  Hauptschadgebiete hat der Landesbetrieb Wald und Holz NRW bereits definiert (s. Karte). Die Unteren Jagdbehörden sollen nun per Allgemeinverfügung für ihren Zuständigkeitsbereich die Schonzeit aufheben. In Revieren bis 450 m Höhenlage wird die Schonzeit vom 1.4. bis 30.4. aufgehoben. In Revieren über 450 m Höhenlage vom 15.4. bis 30.4. (in der Karte die blauen Bereiche).

 

Jagdliche Maßnahmen zur Unterstützung der Wiederbewaldung nach den Kalamitätsschäden in den Wäldern von Nordrhein- Westfalen
Erlass Maßnahmen Wiederbewaldung.pdf
PDF-Dokument [983.7 KB]

                                                                                                                    Karte: Wald und Holz NRW

Karte der Hauptschadensgebiete_Wald und Holz NRW 2020
Hauptschadensgebiete2ms.pdf
PDF-Dokument [733.0 KB]

14.2.20   Jagd - Wildbiologie - Wildmanagement

Etwa 45.000 heimische Tierarten gibt es in Deutschland, wovon ca. 16.000 Arten extrem selten oder gefährdet sind. 99% der gefährdeten Arten genießen keinen spezifischen Artenschutz durch den Menschen. Über 95% aller Tierarten werden in keiner Form vom Menschen „gemanagt“, bejagt oder „bekämpft“. Dies betrifft nur

  • Arten von besonderem Interesse wie seltene oder bedrohte Arten, z.B. Großer Brachvogel, oder solche mit besonderer (Trophäen-) Eigenart, z.B. Rotwild
  • Arten von Interesse für den menschlichen Nutzen, z.B. wildbretliefernde Arten oder Honigbienen
  • Arten, die eine Gefahr für Menschen sein können wie z.B. Bird-Control an Flughäfen oder Eichenprozessionsspinner etc. (Abb.)

Eine zeitgemäße Jagd bzw. gute jagdliche Praxis ist heute wichtiger denn je, da sie ein wichtiges Instrument ist, um den gesellschaftlich eingeforderten Waldumbau zu realisieren oder auch um Tierseuchen einzudämmen. Diese zielorientierte Jagd resultiert aus einer permanenten Weiterentwicklung des Jagdwesens. Dem zügigen Tempo der gestiegenen Anforderungen an unseren Umgang mit Wildtieren konnte die klassische Wildbiologie allerdings nicht folgen. Diese stellt einzelne Wildtiere von besonderem Jägerinteresse in den Mittelpunkt und stützt weiterhin die Hegejagd mit ihren Bewirtschaftungsprinzipien. Eine zeitgemäße, ökologisch orientierte Jagd dagegen stellt prinzipiell die Ökosysteme in den Mittelpunkt und die Wildarten in den ökologischen Zusammenhang.

 

Lesen Sie zu dem Thema  den Beitrag "Survival of the fittest - Wie sich die Wildbiologie immer weiter von der guten jagdlichen Praxis entfremdet" (links).

15.1.2020 Positionspapier des Deutschen Forstwirtschaftsrates DFWR

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat hat das "Positionspapier für eine zeitgemäße Jagd: Wald und Schalenwild in Einklang bringen!" heraus gegeben:

Deutscher Forstwirtschaftsrat: Positionspapier für eine zeitgemäße Jagd. Wald und Schalenwild in Einklang bringen!
DFWR_Positionspapier_Jagd.pdf
PDF-Dokument [160.1 KB]

16.12.2019 Schwarzwildartikel aktualisiert

Zeitgemäße Schwarzwildbejagung

Der viel diskutierte Artikel "Schwarzwild - Bewirtschaftung oder Reduktion" erschien im Oktober 2016 auf dieser Webseite und wurde in der ÖKOJAGD 4/2016 veröffentlicht. Der Online-Beitrag wird fortlaufend hier auf dieser Webseite, zuletzt am 16.12.2019, aktualisiert.

 

Neue Wälder gibt es nur mit entsprechender Jagd!

Eigentümer, die die Bedürfnisse unserer in die Knie gezwungenen Wälder ignorieren und weiterhin die einseitigen Interessen einzelner Jäger (schnelles Geld aus hohen Pachteinnahmen!) bedienen, handeln höchst fahrlässig! Der Kommunal- und Staatswald ist gefordert, so rasch wie möglich konsequent zu handeln und unsere Wälder endlich entsprechend bejagen zu lassen! 

 

Informieren Sie sich auf diesen Webseiten. Beratung und Unterstützung finden Sie bei uns (Kontakt) oder den Mitgliedern des Netzwerks.

 

Der Wolf in NRW

In NRW häufen sich die Nachweise von einzelnen Wölfen in diesem Jahr deutlich. Am 3. Juli 2019 hat NRW das dritte Wolfsgebiet "Eifel - Hohes Venn" ausgewiesen. Einen stets aktuellen Überblick gibt das LANUV in Recklinghausen:

Das "Zeitalter des Schalenwilds"

Mit dem Rückgang des Niederwilds in den Feldrevieren in den 1980-er Jahren setzte zeitgleich eine stete Zunahme von Rehen und Wildschweinen, später auch von Hirschen ein. Spätestens seit der Jahrtausendwende kann wohl vom "Zeitalter des Schalenwilds" gesprochen werden. Obwohl der Druck auf Landschaft und Wälder nie größer war (Verkehr, Erholung), kommt in den Wäldern mehr Schalenwild vor als jemals zuvor! Und Wildschweine erobern weitere, auch waldarme Areale, in denen sie dauerhaft siedeln. Daraus ergeben sich zwangsläufig Konflikte: Tierseuchengefahr, erhöhtes Wildunfallrisiko und zunehmende Wildschäden in Wald und Flur.

Während die Niederwildjagd eine "Kann-Jagd" ist (wenn die Niederwildbesätze des Revieres es hergeben, kann man auf der Treibjagd "ernten"), ist die Jagd auf Schalenwild ein "Muss"! In den letzten Jahren zeigte sich allerdings immer deutlicher, dass die Jagd, so wie sie traditionell ausgeübt wurde, den Anforderungen an eine wirksame Regulierung der Bestände nicht gerecht wurde. Revierbezogene "Hege", selektives Jagen und Trophäenorientierung führten dazu, dass die Jagd im rein kompensatorsichen Bereich stattfand. Das heißt, es wurde andauernd weniger erlegt (plus sonstige Mortalität!) als jährlich "nachreproduziert" wurde. Die stetig anwachsenden Bestände sind der Beleg - die ausufernden Wildschäden die Folge.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Jagd zeitgemäße, praxisnahe Lösungen findet, die teils sehr hohen Schalenwilddichten abzusenken.         

 

Kaum bejagtes Rehwild - Problem nicht nur für den Verkehr...

Landwirtschaft und Artenvielfalt

Mit den Bauern verschwinden auch die Tiere der Feldflur

Seit drei Jahrzehnten schaut "die Gesellschaft" dem "Höfesterben" in der Landwirtschaft zu. Die Menschen auf dem Land schauen fassungslos zu, wie die bäuerliche Kulturlandschaft verschwindet. Und die Jäger schauen machtlos zu, wie das Rebhuhn, die Charakterart der bäuerlichen Kulturlandschaft, nach und nach ausstirbt.

Und mit ihm - von den meisten unbemerkt - zahlreiche andere Pflanzen-, Insekten- und Vogelarten. Die einst artenreiche Lebensgemeinschaft der Feldflur ist nur noch in Fragmenten vorhanden. Ohne "Wildkräuter" und "Pflanzenvielfalt" sterben die Tierarten aus. Wann haben Sie zuletzt einen Schmetterlng über ein Weizen- oder Maisfeld fliegen sehen?

Dieses Rebhuhn sitzt in intensiv genutzter Mähwiese und sucht seinen ausgemähten "Anhang". Es ist eines der letzten Rebhühner in einer Region im Münsterland, in der es  vor dreizehn Jahren noch zahlreiche Rebhühner gab.   

Die Jäger/innen in den Niederwildregionen sind heute mehr denn je als als "Heger" gefordert - wobei der Erhalt der Rest-Lebensräume und die Schaffung neuer Lebensräume die zentrale Aufgabe beim Erhalt der Lebensgemeinschaft Feldflur ist. Einseitige Fokussierung auf wenige Wildarten (Fasan!) und die bloße "Bekämpfung" der Konkurrenz ist nicht mehr zeitgemäß und hilft nicht weiter. Der Rückgang der Hasen- und Fasanenstrecken ist kaum noch durch verstärkte Raubwildbejagung zu kompensieren. Viele Jäger und Landwirte setzen sich daher für den Erhalt der Lebensräume ein. Doch gegen die politisch gewollte Industriealsierung der Landwirtschaft ist offenbar und sprichwörtlich kein Kraut gewachsen (s. weitere Glyphosat- Verwendung..).  

Ohne eine grundsätzliche Änderung hin zu einer naturverträglichen Landwirtschaft wird das Artensterben in der Agrarlandschaft ungebremst fortgeführt.

 

Die Probleme sind seit 30 Jahren bekannt.

 

Am 6.5.2019 hat der UN-Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES auf die dramatische Situation aufmerksam gemacht. Ob sich dieser bei der Ausgestaltung der EU-Agrarpolitik auswirkt - oder diese doch wieder von der Agrarindustrielobby diktiert wird?

 

Themen: Landwirtschaft und Umweltschutz, Niederwild und Landwirtschaft

 


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