Jagd heute - besser in Eigenregie?!

 

Jagd ist heute nicht mehr allein ein Privatvergnügen einer kleinen Gruppe von Jagdscheininhabern.

 

Jagd leistet, richtig praktiziert (d.h. zielgerichtet und mit zeitgemäßen Methoden) einen essentiellen Beitrag, um die berechtigten Nutzungsinteressen der Landwirte und Waldbauern in ökonomischer und ökologischer Weise durchzusetzen. Und auch für den Natur- und Artenschutz kann Jagd ein wirksames Instrument sein. Die Jagd kann also wichtige Funktionen von gesellschaftlichem und somit gemeinnützigem Interesse erfüllen.

 

Die derzeitige besondere Herausforderung liegt darin, die sehr hohen Schalenwildbestände so zu regulieren, dass

  • die Landwirtschaft vor extremen Wildschäden geschützt wird      
  • Wälder vor gravierendem Verbiss und Schäle bewahrt werden und Waldbauern ihre Bestände ohne Schutzmaßnahmen verjüngen können
  • im Kommunal- und Staatswald alle Pflanzenarten wachsen können, damit der Wald künftig „klimastabiler“ wird, wirtschaftlich nutzbar bleibt und das ganze Spektrum der Ökosystemleistungen erfüllen kann

Für die Jagd liegt hier Chance und Aufgabe zugleich, neben der Nutzung der nachhaltigen Ressource Wildbret auch Naturschutz, Land-, Forstwirtschaft sowie Gemeinwohlinteressen aktiv und entscheidend zu unterstützen

.

Jahrzehntelang wurde davon ausgegangen, die herkömmliche Jagd sei in der Lage, diese Aufgaben zu lösen. Doch mittlerweile ist sehr deutlich geworden: Um Schalenwildbestände wirklich zu regulieren, bedarf es einer zielgerichteten Jagd mit zeitgemäßen Jagdmethoden (Ziel: weniger Wildschäden, nicht Trophäen). Bislang ist es erst wenigen Revieren gelungen, lokale Rehwildbestände über einige Jahre so zu regulieren, dass Wildschäden spürbar reduziert und die waldbaulichen Ziele erreicht werden konnten.

 

In den Rotwildgebieten des Landes sind die Hegegemeinschaften gefragt, nach Lösungen zu suchen und entsprechende Jagdkonzepte umzusetzen. Derzeit laufen einige „Pilotprojekte“ mit dem Ziel, die Rotwildbestände an den Lebensraum Wald anzupassen, in die Endphase. Spätestens 2019 werden erste Ergebnisse aus den Regionen zeigen, ob die Konzepte umgesetzt werden konnten. 

 

Für das „Schwarzwildproblem“ gibt es bislang keine gut funktionierenden, rein jagdlichen Lösungen. Hier besteht für die kommenden Jahre höchster Forschungs- und Handlungsbedarf. Erschwerend für die Jäger hierzulande kommt hinzu, dass sich NRW als einziges Bundesland eine fachlich unnötige, halbjährige Schonzeit für Schwarzwild (außer Frischlinge) auferlegt.

 

Die Jagd ist heute auf effektive Jagdstrategien angewiesen, um regulierend zu wirken. Beruhigend ist dabei zu wissen, dass durch Jagd keine Schalenwildart im Vorkommen gefährdet werden kann – dies kann das Instrument Jagd gar nicht bewirken.

 

Wälder der öffentlichen Hand: von der Event- zur Regiejagd

 

Der Kommunal- und Staatswald hat mittlerweile - zumindest mancherorts - erkannt, dass die Jagdpachterlöse (und seien sie noch so hoch..) die Kosten der Wildschäden und der Schadensverhütung bei weitem nicht decken (Clasen&Knoke 2009, Ammer et al., 2011). Ganz zu schweigen von den langfristigen ökologischen Schäden, die bislang noch gar nicht bewertet und berücksichtigt werden. In den Wäldern der öffentlichen Hand werden zwingend neue Wege betreten werden müssen, um die teils erheblichen Probleme mit Wildschäden zu lösen.

 

Denn in den öffentlichen Wäldern muss der Umbau in naturnahe, "klimastabile" Wälder stattfinden (s. aktuelles Waldbaukonzept NRW). Derzeit ist der Umbau jedoch fast nirgends realisierbar, im Gegenteil: entwertende Schäle und entmischender Verbiss führt seit Jahren zu andauerndem, nachhaltigen Kapitalverlust. Ohne neue Jagdkonzepte aber wird es nicht gelingen, den Wald umzubauen!

 

Unsere 25-jährigen Erfahrungen in diesem Bereich haben gezeigt, dass es nicht ausreicht, den (Höchstgebot zahlenden) Jägern bloß eine Abschusserhöhung „zu verschreiben“. Von entscheidender Bedeutung ist, neben der „Systemfrage“ Verpachtung oder Regiejagd, die perfekte Eignung der jagdlichen Akteure: Motivation und Fähigkeiten des Jagdleiters sind entscheidend für den Erfolg! Und die handwerklichen Fähigkeiten der Jagdausübenden, die reviernah wohnen und sich bestenfalls mit den Zielen der Eigentümer und der Jagdleitung identifizieren, sind maßgebend für die Umsetzung des Jagdkonzeptes. Die öffentlichen Wälder von „heimischen“ Jäger/innen bejagen zu lassen fördert im Übrigen auch die soziale Gemeinschaft im Sinne der Nachhaltigkeit.

 

Die Umstellung zu einer entsprechenden Jagd, die mittelfristig das Erreichen der Ziele sichert, ist für verantwortungsvolle Anvertraute unseres Waldes „alternativlos“. Doch der Schritt hin zur Regiejagd erfordert oftmals Mut und ein dickes Fell von den Entscheidungsträgern in Parlamenten, Räten, Forstbehörden und -ämtern, denn zunächst schlagen geringere Jagdeinnahmen zu Buche. Plötzlich soll auf den Verkauf der "Ware Jagd" (nach dem Höchstgebotverfahren) verzichtet werden? Damit irgendwann in Zukunft ein Förster bzw. Kämmerer die Ernte einfährt? (Da denkt sich manch einer: was schert mich die Bilanz meines Nachfolgers, Hauptsache meine Kasse stimmt..). Zudem bedeutet Regiejagd eine Abkehr von der traditionellen „Wildbewirtschaftung". Konflikte sind vorprogrammiert, wenn die Nachbarschaft nicht aufgeklärt ist und nach wie vor trophäenorientiert "nach alter Väter Sitte" jagt. 

 

Am Ende entschädigt der steinige Weg: weniger Schäden und Risiko, ein ökologisch und ökonomisch wertvollerer Wald, gesünderes Wild, sozialverträglichere Bejagung, weniger Verkehrsunfälle mit Wild.  

 

Wir beraten Sie gerne. Es lohnt sich - sehen Sie selbst:

Natürliche Waldverjüngung nach Kyrill: kostenlos und optimal angepasst ersetzen Fichten, Birken, Hainbuchen, Buchen, Eichen und Douglasien den ehemaligen Nadelholz- Reinbestand. Grundvoraussetzung ist eine entsprechend konsequente Jagd.

Forschungsrevier Siedenberg-Hardt, Netzwerk Vorbildliche Rehwildreviere

 

Jagen in Eigenregie

Das Jagdrecht kennt zwei Formen der Jagdnutzung: die Jagdverpachtung und die Regiejagd (synonym: Jagd in Eigenregie, Eigenbewirtschaftung, Selbstnutzung der Jagd).

In den letzten Jahren ist immer deutlicher geworden, dass der Wildschadenproblematik in Wald und Feld durch klassische Jagdverpachtung meist nicht entgegen gewirkt wird.

 

Viele Großwaldbesitzer haben schon vor etlichen Jahren erkannt, dass eine Bejagung ihrer Wälder durch das eigene Personal und Begehungsscheininhaber langfrsitig rentabler ist als die Verpachtung der Jagd per Höchstgebot. In einigen dieser Wälder kann man heute an den artenreichen Naturverjüngungen sehen, dass die Jagd in Eigenregie zielführend war, z.B. die Hatzfeldt-Wildenburg'sche Verwaltung mit Revieren in Rheinland-Pfalz, Brandenburg und Thüringen.     

 

In ANW-Beispielbetrieben können deutschlandweit Betriebe besichtigt werden, in deren Wäldern die positiven Auswirkungen der Eigenbejagung auf die Waldverjüngung bereits begutachtet werden werden können.

 

In NRW wurde von uns 2017 das "Netzwerk Vorbildliche Rehwildreviere" gegründet. Auch in diesen Revieren findet man hervorragede Waldverjüngungen vor. Fast alle Betriebe waren erst nach Umstellung der Jagd von Jagdpacht auf Regiejagd erfolgreich.

 

Mittlerweile entscheiden sich auch immer mehr kommunale Waldeigentümer, ihre Reviere in Eigenregie z bejagen, z.B. die Gemeinden Neunkirchen/ Hunsrück, Hohenrod/ Hessen, Brilon/ Sauerland, Villingen-Schwenningen/ Schwarzwald, Bad Münstereifel, Lohr/ Main).

 

Die Bejagung eines Revieres in Eigenregie ist kein Selbstläufer und gerade die Zeit der Umstellung von Jagdpacht zur Regiejagd nicht einfach. Es muss ein Jäger angestellt werden, der als Verantwortlicher die erforderlichen Maßnahmen ergreift und als Ansprechpartner für Jagdbehörden, Angliederungsgenossen, Bevölkerung etc. zur Verfügung steht. Durch eine Anstellung, d.h. die Begründung eines Vertragsverhältnisses von einer gewissen Dauer, soll eine ordnungsgemäße Bejagung gewährleistet werden. Im Vertrag mit dem Eigentümer oder der Jagdgenossenschaft sind die Aufgaben und Befugnisse detailliert zu regeln. Der angestellte Jäger muss nicht hauptberuflich tätig werden. Häufig werden Förster oder rüstige Ruheständler mit der Aufgabe beauftragt (als Nebentätigkeit).

Verpächter, aber auch die meisten Jäger und manche Förster machen sich keine Vorstellung von dem Aufwand, der betrieben werden muss, um die Jagd konsequent und schadensorientiert durchzuführen. So dass sich mancher Forstamtsleiter, auch in den Landesbetrieben, wundert, warum die angeordnete Jagd- und Waldwende in den Revieren nicht gelingt. Und bei einem Blick auf die entmischte Naturverjüngung feststellen muss, dass neben Buchen und Fichten allenfalls Birken wachsen (Bild). Die in NRW viel zu spät eingeführten Verbissgutachten liefern leider nur vage Erkenntnisse über den Grad der Entmischung. Weisergatter und ein Abgleich der Verjüngung mit der potentiell natürlichen Vegetation werden künftig zeigen müssen, ob die Jagd im Revier zielführend war.   

Der jagdliche Erfolg steht und fällt mit der Qualität der Jagdleitung. Nicht jeder Förster oder erfahrene Jäger ist automatisch geeignet. Optimal ist, wenn der Jagdleiter möglichst umfangreiche Erfahrungen in erfolgreichen "Wald-Wild-Revieren" nachweisen kann. Sie wissen, was es bedeutet, den gesamten Jagdbetrieb auf eine konsequente Schalenwildbejagung umzustellen - und wie aufwändig diese besonders in der Etablierungsphase ist. Leider sind diese Jäger/innen und Förster/innen rar gesät.

 
"Für eine einzelne Jagdgenossenschaft oder Kommune, die eine Eigenbewirtschaftung erfolgreich umsetzen will, ist die umsichtige Auswahl eines kompetenten und präsenten Jagdleiters („angestellter Jäger“) also von entscheidender Bedeutung. Dieser setzt im Regelfall gegen Entgelt weitere Jäger ein, die zeitlich und handwerklich eine Abschusserfüllung gewährleisten. Dabei sind erfolgsorientierte Entgelte bzw. Anreizsysteme wie Rabattgewährung bei Erfüllung der Abschussvorgaben durchaus probate Hilfsmittel" (Schaefer 2010).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Erfolg steht und fällt mit der Qualität der Jagdleitung. Sie lässt professionell jagen, sie organisiert, erklärt und "lebt vor".

 
Schaefer (2010) beschreibt Vor- und Nachteile der Eigenbejagung so:

Vorteile:

  • Selbstbestimmung der Jagdgenossenschaft bzw. des Eigenjagdbesitzers bezüglich der jagdlichen Ziele und der praktischen Jagdausübung.
  • Flexibilität, insbesondere bezüglich der Mitjäger (keine gesetzlich vorgeschriebene Mindestzeit für die Bindung an einen Jäger; keine Problematik der Kündigung eines Pachtvertrages).
  • Direkte Steuerung der Jagdausübung, z.B. gezielte Bejagung an Schadensschwerpunkten oder vorgegebener zeitlicher Wechsel zwischen Jagdruhe und intensiver Bejagung.
  • Jagdgelegenheit für ortsansässige Jäger mit „kleinem Geldbeutel“ (jagdsoziale Funktion); Verankerung und Wahrnehmung der Jagd in den örtlichen Strukturen.
  • Minimierung der Konflikte mit anderen Landnutzern und der erholungssuchenden Bevölkerung.
  • Vereinfachte Abschussplanung und Kontrolle des Abschussvollzugs.
  • Rückwechsel zur Jagdverpachtung jederzeit möglich.

Nachteile:

  • Erheblicher Zeit- und Organisationsaufwand, insbesondere in der Etablierungsphase.
  • Schwierigkeit, einen kompetenten Jagdleiter zu gewinnen.
  • Schwierigkeit, genügend interessierte, gute und zuverlässige Mitjäger zu finden.
  • Wildschadensersatzanspruch gegenüber der Jagdgenossenschaft bzw. dem Eigenjagdbesitzer; keine Übertragung der Ersatzpflicht auf die Mitjäger.

 

 

 

Wildökologie und Jagd - früher und heute

 

Früher - bis vor 30, 40 Jahren, war es einfacher: kaum jemand sprach von der Ökologie und die Jagd wurde im Allgemeinen als sinnvolles Tun akzeptiert.

 

Heute, nachdem Artenschwund und Lebensraumzerstörung in aller Munde sind, ist die Ökologisierung auch in der Wildbiologie und der Jagd angekommen. Vor allem die rasanten Veränderungen in der Landschaft haben die sich oft über Jahrhunderte entwickelten Lebensgemeinschaften in kurzer Zeit dezimiert oder "durcheinander gebracht". Neue Tierarten tauchen auf und "nischen sich ein" (z.B. Waschbär, Nilgans) und sogar einst ausgerottete Arten kommen wieder (Wolf, Luchs). Manche Arten erobern ehemalige Lebensräume stetig zurück (Fischotter, Kolkrabe), für andere Arten wird der Lebensraum dagegen immer enger (Rebhuhn, Bekassine). Dann wiederum gibt es Tiere, die von der eutrophierten und nivellierten Landschaft profitieren und sich "breit machen" (Füchse, Wildschweine, Rehe, Hirsche).

 

Die Veränderungen der Lebensbedingungen für Wildtiere geschehen immer rasanter: der "Nachwachsende Rohstoffe- Boom" vereinheitlicht jetzt schon ganze Regionen zu reinen Maissteppen, das Orkantief Kyrill hat im Januar 2007 in nur einer Nacht zu völlig neuen Verhältnissen in den Wäldern, nicht nur Nordrhein- Westfalens, geführt.

 

Auch die Jagd wird sich in Zukunft den veränderten Bedingungen stellen müssen. Die Jagd, von einer ökologisch aufgeklärteren Gesellschaft kritisch beäugt und hinterfragt, ist auf wildökologisch zeitgemäße und gesellschaftlich konsensfähige Lösungen der aktuellen, teils akuten Probleme angewiesen.

 

Einige der Konfliktfelder sind:

  • Jagd als Wildschadenverhütung (z.B. Schalenwild im Wald; Schwarzwild im Feld)
  • Jagd/ Wildmanagement in Schutzgebieten (z.B. Nationalparks)
  • Wild/ Jagd in Siedlungsnähe (z.B. Tauben, Schwarzwild; Wildunfallproblematik)
  • Jagd als Tierseuchenprävention (z.B. Schweinepest)

 

Als selbständiger Landschaftsökologe und passionierter Jäger seit der Jugend versuche ich, ganzheitliche Lösungen und Konzepte für aktuelle Konfliktbereiche zu finden. Dabei sind die Ökologie des Lebensraumes, die Berücksichtigung aller Nutzungsinteressen sowie die gesellschaftliche Akzeptanz stets maßgebend.

 

Mit den Bauern verschwinden auch die Tiere der Feldflur

Seit drei Jahrzehnten schaut "die Gesellschaft" dem "Höfesterben" in der Landwirtschaft zu. Die Menschen auf dem Land schauen fassungslos zu, wie die bäuerliche Kulturlandschaft verschwindet. Und die Jäger schauen machtlos zu, wie das Rebhuhn, die Charakterart der bäuerlichen Kulturlandschaft, nach und nach ausstirbt.

Und mit ihm - von den meisten unbemerkt - zahlreiche andere Pflanzen-, Insekten- und Vogelarten. Die einst artenreiche Lebensgemeinschaft der Feldflur ist nur noch in Fragmenten vorhanden. Ohne "Wildkräuter" und "Pflanzenvielfalt" sterben die Tierarten aus. Wann haben Sie zuletzt einen Schmetterlng über ein Weizen- oder Maisfeld fliegen sehen?

Dieses Rebhuhn sitzt in intensiv genutzter Mähwiese und sucht seinen ausgemähten "Anhang". Es ist eines der letzten Rebhühner in einer Region im Münsterland, in der es noch vor zehn Jahren zahlreiche Rebhühner gab.   

Die Jäger/innen in den Niederwildregionen sind heute mehr denn je als als "Heger" gefordert - wobei der Erhalt der Rest-Lebensräume und die Schaffung neuer Lebensräume die zentrale Aufgabe beim Erhalt der Lebensgemeinschaft Feldflur ist. Einseitige Fokussierung auf wenige Wildarten (Fasan!) und die bloße "Bekämpfung" der Konkurrenz ist nicht mehr zeitgemäß und hilft nicht weiter. Der Rückgang der Hasen- und Fasanenstrecken ist kaum noch durch verstärkte Raubwildbejagung zu kompensieren. Viele Jäger und Landwirte setzen sich daher für den Erhalt der Lebensräume ein. Doch gegen die politisch gewollte Industriealsierung der Landwirtschaft ist offenbar und sprichwörtlich kein Kraut gewachsen (s. weitere Glyphosat- Verwendung..).  

Ohne eine grundsätzliche Änderung hin zu einer naturverträglichen Landwirtschaft wird das Artensterben in der Agrarlandschaft ungebremst fortgeführt. (Thema Niederwild und Landwirtschaft).

 

Das "Zeitalter des Schalenwilds"

Mit dem Rückgang des Niederwilds in den Feldrevieren in den 1980-er Jahren setzte zeitgleich eine stete Zunahme von Rehen und Wildschweinen, später auch von Hirschen ein. Spätestens seit der Jahrtausendwende kann wohl vom "Zeitalter des Schalenwilds" gesprochen werden. Obwohl der Druck auf Landschaft und Wälder nie größer war (Verkehr, Erholung), kommt in den Wäldern mehr Schalenwild vor als jemals zuvor! Und Wildschweine erobern weitere, auch waldarme Areale, in denen sie dauerhaft siedeln. Daraus ergeben sich zwangsläufig Konflikte: Tierseuchengefahr, erhöhtes Wildunfallrisiko und zunehmende Wildschäden in Wald und Flur.

Während die Niederwildjagd eine "Kann-Jagd" ist (wenn die Niederwildbesätze des Revieres es hergeben, kann man auf der Treibjagd "ernten"), ist die Jagd auf Schalenwild ein "Muss"! In den letzten Jahren zeigte sich allerdings immer deutlicher, dass die Jagd, so wie sie traditionell ausgeübt wurde, den Anforderungen an eine wirksame Regulierung der Bestände nicht gerecht wurde. Revierbezogene "Hege", selektives Jagen und Trophäenorientierung führten dazu, dass die Jagd im rein kompensatorsichen Bereich stattfand. Das heißt, es wurde andauernd weniger erlegt (plus sonstige Mortalität!) als jährlich "nachreproduziert" wurde. Die stetig anwachsenden Bestände sind der Beleg - die ausufernden Wildschäden die Folge.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Jagd zeitgemäße, praxisnahe Lösungen findet, die teils sehr hohen Schalenwilddichten abzusenken.         

 

Kaum bejagtes Rehwild - Problem nicht nur für den Verkehr...


E-Mail