9.6.2022

Aktueller denn je: Jagd in der Waldkrise

Die "Waldkrise" besorgt uns alle - ob Waldbesitzer, Ökologen, Förster oder "normale" Bürger. Für unseren Wald ist es der größte "Stresstest" den es für ihn in seiner etwa 7000-jährigen Geschichte je gab. Umso wichtiger ist es nun, die richtigen Lehren aus den Folgen "Kyrills" zu ziehen. Auch damals, vor 15 Jahren, waren auf über 50.000 Hektar Waldfläche (NRW) Kahlschlägen entstanden. Auf den allermeisten dieser Flächen sind artenarme Wälder entstanden, da die sehr hohen Reh- und Hirschbestände den nachwachsenden Wald massiv durch Selektion entmischt haben. Diese Kyrillflächen bestehen heute aus sehr wenigen Baumarten (meist Fichte, Birke, Buche) und sehr viel Brombeere und Holunder.

Es gibt aber auch einige wenige Kyrillflächen, auf denen artenreiche Wälder mit über 15 verschiedenen Baumarten wachsen. Diese finden sich aber ausschließlich in Jagdrevieren, in denen schon damals "anders" gejagt wurde. Mit dem Fokus auf Rehbestände, die an die Anforderungen der Wiederbewaldung angepasst werden mussten.

Innerhalb des gerade abgeschlossenen "Rehwildprojektes" stellen wir Reviere vor, in denen artenreiche Wiederbewaldung funktioniert - und eine entsprechende Jagd.

 

Der Artikel "10 Jahrfe nach Kyrill" (ÖKOJAGD 1/17) behandelt wichtige waldökologische Zusammenhänge im Bezug auf Wiederbewaldung und zeigt die Fehler auf, die in vielen Revieren nach 2007 gemacht wurden. 

1.6.22: Kolumne Jagd-Heute

Plädoyer für „alte“ Jagdaufseher

 

Derzeit werden viele Reviere von neuen Jagdpächtern oder Revierleitern bejagt. Die Tendenz, dass es aufgrund der „Waldkrise“ neue Jagdausübungsberechtigte richten sollen und den langjährigen Jagdpächtern gekündigt wird, dürfte sich in den nächsten Jahren fortsetzen, wenn Verpächter (endlich) merken, dass es mit den etablierten Pächtern nicht funktioniert. Auf der Strecke bleiben bei Pächterwechseln – oder der Umstellung von Pacht- auf Regiejagd – oft die bisherigen Jagdaufseher und „-helfer“ des Revieres. Nach dem Motto: Alle man raus, jetzt kommen wir! So verständlich und richtig es in den meisten Fällen auch ist, alte Zöpfe abzuschneiden und einen Neuanfang in der Bejagungsstrategie zu starten: Die „alten Jagdhelfer“ können unter Umständen bei der Umsetzung des neuen Jagdkonzeptes sehr hilfreich sein. Sie haben beste Revierkenntnisse und verfügen oft nicht nur über jagdliches und handwerkliches Geschick, sondern auch über wertvolle Erfahrungen, die die „Neuen“ am Anfang der Jagdpacht überhaupt nicht haben können. Sie besitzen die Kontakte zu den Jagdgenossen und Bewirtschaftern, kennen die Wechsel, Suhlen und „fängische“ Stellen. Diese Erfahrungen der eingesessenen Jäger nicht zu „nutzen“, wäre fahrlässig. Die Tipps dieser Jäger können anfangs dazu führen, dass das eine oder andere Reh oder Schwein mehr auf der Strecke liegt. Und im Moment kommt es aus Waldschutz- und Seuchengründen in vielen Revieren auf jedes Reh und jede Sau an, die erlegt werden können.

 

Oft steht man sich zunächst aber wechselseitig ablehnend gegenüber. Die „Neuen“ misstrauen den alten Jagdhelfern, weil sie Teil des gescheiterten Systems waren. Man will den kompletten Neuanfang – ohne den (vermeintlichen) Schlaumeier von früher. Die Jagdhelfer wiederum hatten sich über die Jahre in ihrer Rolle als Revierknecht eingefunden, nicht selten in devoter Dankbarkeit gegenüber den mächtigen „Beständern“. Einen Strategiewechsel zu einer konsequenten Schalenwildbejagung empfinden sie zunächst oft als übertrieben und überflüssig. Zumindest – der Loyalität halber – nach außen. Denn eigentlich waren viele von ihnen schon lange bereit für zeitgemäßere Wege in der Bejagung, wurden aber von den Jagdpächtern jahrelang gegängelt.

 

Bedingung bei der Übernahme der früheren Helfer ist, dass diese die neue Jagdstrategie voll unterstützen. In vielen Fällen bedeutet dies Abschied nehmen von lieb gewonnenen Traditionen – aber nicht den Untergang des Abendlandes. Im Gegenteil: Ehemalige Jagdhelfer, die vorher als Belohnung ihrer täglichen Arbeit (kirren!) jährlich einen Knopfbock schießen durften, leben in neuen Jagdteams mit flachen Hierarchien auf. Plötzlich selbst tatkräftig an einer möglichst guten Strecke mitwirken zu können und auch den „großen“ Bock schießen zu dürfen, katapultiert die über Jahre ausgebeuteten Hiwis plötzlich auf Augenhöhe mit der Jagdleitung. Sie zahlen es i. d. R. mit großem Engagement, auch bei den Revierarbeiten, zurück. Darauf sollte kein neuer Jagdleiter oder Pächter verzichten!    

 

Waldjäger-Lehrgang

 

Ankündigung:

Lehrgang in Hardehausen/ Ostwestfalen

Sept/ Okt 22

 

Infos zum Waldjäger- Lehrgang gibt es hier.

 

15.4.2022: ÖJV-NRW Film

15.4.2022: Bericht "Rehwildprojekt NRW"

Das fünfjährige Forschungsprojekt "Auswirkungen veränderter Bejagungsstrategien auf Rehwild" ("Rehwildprojekt NRW") wurde mit Ende des Jagdjahres abgeschlossen.
 
Jetzt liegt der Abschlussbericht vor und kann hier heruntergeladen werden:
 
 
Das Projekt konnte aufzeigen, wie positiv sich eine konsequentere Rehwildbejagung auf die Waldverjüngung auswirkt.
 

1.4.22: Kolumne Jagd-Heute

Zehn Hektar Reviere – Ein Zukunftsmodell?

 

Die in Brandenburg geplante Novellierung des Landesjagdgesetzes sieht die tiefgreifendsten Veränderungen im Jagdrecht seit 1934 vor. Da wundert es erstmal kaum, dass traditionelle Jäger und Verbände Alarm schlagen ob dieser geplanten Jagdrevolution. Vor allem die Herabsetzung der Mindestgröße von Eigenjagden auf zehn Hektar und die Abschaffung der Abschusspläne treiben die Funktionäre und Jagdpächter zur Weißglut. Doch bedeuten die Pläne der rot-schwarz-grünen brandenburgischen Landesregierung nun den Untergang der „deutschen Jagdkultur“?

 

Die Empörung darüber, Eigentümer- und Gemeinwohlinteressen über die Interessen der Jagdpächter zu stellen, erinnert an ein jähzorniges Kind, dem man ein gefährliches Spielzeug wegnimmt, das andere verletzten könnte. Das Revier- und Jagdpachtsystem hat - in fruchtbarer Kombination mit einem ausgeprägten Hege- und Trophäenhype - dafür gesorgt, dass in Deutschlands Wäldern zehn- bis zwanzigmal mehr Paarhufer leben als in natürlichen Wäldern. Mit Folgewirkungen, die in der jetzigen Waldkrise existentiell sind. Landauf, landab sind bislang fast alle Versuche gescheitert, Monokuklturen aus Fichten und Kiefern in artenreiche Mischwälder zu überführen. Und das nur wegen des extremen Fressdruckes der Rehe und Hirsche. Es ist Aufgabe der Politik, derartigen Missständen entgegen zu wirken und wirksame Gesetze zu verabschieden. Partikularinteressen, in diesem Fall der Jagdpächter, müssen dabei dem Gemeinwohl untergeordnet werden.    

 

Sollten künftig in Brandenburg Eigenjagdbezirke mit einer Größe von zehn Hektar möglich werden, bedeutet das nicht das Ende des Reviersystems. Im Gegenteil: Es werden mehr Reviere geschaffen, in denen endlich viel mehr Jäger/innen eigenverantwortlich jagen dürfen. Viele von ihnen, die bislang als Jagdaufseher oder Gast in Pachtrevieren den Weisungen des mächtigen Jagdpächters unterworfen waren, dürfen nun davon träumen, bald selbst ein kleines Revier zu bejagen. Im Interesse der Eigentümer, eines klimastabilen Waldes und somit zum Wohle aller!       

 

 

 

 

 

 

Große Reviere,

sehr viel Wild,

aber nur wenig Jäger auf der Fläche. Die aktuelle Krise mit den extremen Wald- und Wildschäden werden wir so nicht meistern.

2.2.2022 - Kolumne Jagd Heute

Gesucht: Jagdpächter fürs Waldrevier

 

Derzeit stehen wieder Reviere zur Neuverpachtung an. In NRW ist die Nachfrage so groß, dass nicht selten 20 und mehr Interessenten um die künftige Jagderlaubnis buhlen. Paradiesische Zeiten für Verpächter, sollte man meinen. Doch bei Eigenjagdbesitzern und Jagdgenossenschaften hat sich herumgesprochen, dass die Wiederbewaldung nicht funktionieren wird, wenn Rehe und Hirsche nicht ab sofort „anders“ bejagt werden. Doch wie eine „andere“, sprich intensivere Bejagung genau aussehen soll und auch funktioniert, darüber gibt es in den Jagdgenossenschaften meist keine konkreten Vorstellungen. Bei den Jäger/innen übrigens oft auch nicht. Die meisten gehen davon aus, dass sie für die waldorientierte Jagd geeignet sind, weil sie

  1. den Jagdschein haben und
  2. bereit sind, mehr Rehe zu schießen als der Vorgänger.

Was alleine nicht ausreicht. Know-how, viel Zeit und Arbeit, (jagd-) handwerkliches Geschick, viele gute Stöberhunde sowie die Bereitschaft, auch andere im „eigenen“ Revier auf Augenhöhe und ohne Jagdneid mitschießen zu lassen, sind wichtige Bausteine der waldorientierten Jagd.  

 

Bei vielen Verpächtern ist mittlerweile durchgesickert, dass man sein Revier nicht mehr unbedingt an den Höchstbietenden verhökern sollte, wenn man eine Gegenleistung beziehen will. Also gehen viele Jagdgenossenschaften und Verpächter her und verpachten ihren Jagdbezirk für – sagen wir mal 20 € anstatt 30 € pro Hektar und Jahr. Als Gegenleistung (um nicht das böse Wort Dienstleistung zu gebrauchen) für diesen Rabatt muss der künftige Pächter – sagen wir 12 Rehe anstatt 8 Rehe pro 100 Hektar – schießen. Ein schöner Kompromiss, denkt man sich auf der Jagdgenossenschaftsversammlung und auch der neue Jagdpächter reibt sich in Vorfreude die Hände. Er braucht nun deutlich weniger zu zahlen als der Vorgänger und soll ein bisschen mehr schießen – warum nicht?

 

Leider werden Reviere mit solch halbgaren Jagdpachtbedingungen nicht zum erwünschten Wiederbewaldungserfolg gelangen. Schön wäre es, wenn es so einfach ginge! Aber die Rehwildbestände sind in den meisten Waldregionen derart hoch und der Verbissdruck so gewaltig, dass die vier Rehe pro 100 ha, die nun mehr geschossen werden, in der Verjüngung nicht mehr als der Tropfen auf den heißen Stein bewirken. Von Revieren, in denen durch eine intensivierte Jagd artenreiche Naturverjüngungen entstehen konnten, ist bekannt, dass mitunter vier- oder fünfmal mehr Rehe geschossen werden mussten als zuvor. Zumindest für einige Jahre. Viele der Reviere mussten deutlich mehr als 20 Rehe pro 100 ha Wald schießen, um den Verbissdruck auf die Krautschicht des Waldes endlich zu mildern. Übrigens, ohne dass die Rehbestände dadurch erheblich reduziert worden wären.

 

Verpächtern und Jäger/ innen muss bei Jagdverpachtungen klar sein, dass die erfolgreiche Bejagung eines Waldrevieres einen extrem hohen Aufwand voraussetzt, der mit der herkömmlichen Hegejagd nicht zu vergleichen ist. Und wer ein Revier tatsächlich so bejagt, dass der Wald in seiner ganzen Artenvielfalt ohne jeden Zaun wachsen kann, der hat einen tollen Job gemacht. Der bezahlt werden müsste!

Mit der Übernahme einer Waldjagd kommt viel Arbeit auf die verantwortlichen

Jäger/innen zu, besonders beim Bau der Ansitzeinrichtungen.

 

11. - 15. Oktober 2021 - Erster Waldjäger-Lehrgang in Arnsberg

4.7.21 Jagdpächter raus?

Der Artikel "Die Zeit des Jagdpächters läuft ab - Malborn setzt auf neues Konzept" im Volksfreund vom 4.7.21 erhitzt die Gemüter unter Jägerinnen und Jägern. Während Jagdpächter sorgenvoll auf die Entwicklung "ihrer" Jagdreviere blicken, verknüpfen viele Jäger/innen, die kein eigenes Revier bejagen dürfen, den Trend zur Regiejagd mit der Hoffnung auf die lang ersehnte Jagdmöglichkeit.

 

Was hinter diesem hochaktuellen und für die Zukunft der Jagd grundlegendem Thema steckt, lesen Sie in den folgenden Artikeln:

Jagdpacht versus Wald
Über den Zusammenhang zwischen Jagdpachtpreis und der Zukunft unserer Wälder (Juni 2016)
Ökojagd 2-2016_Jagdpacht versus Wald.pdf
PDF-Dokument [2.2 MB]
Der große Reibach - oder: Wie die Heuschrecken
Das Geschäft mit dem Wild...
ÖKOJAGD 2-2018 Der große Reibach.pdf
PDF-Dokument [467.8 KB]

22.6.21 - Wald-WIKI

Das WALD-WIKI wird herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V. (AGDW – Die Waldeigentümer). Mit dem Online-Angebot möchten die Waldbesitzende und Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse in Deutschland gezielt dabei unterstützen, ihre Wälder zu schützen und deren Leistungsfähigkeit dauerhaft zu erhalten - jetzt und im Klima der Zukunft. Dazu werden neue Möglichkeiten eines breiten Austausches von Wissen und Erfahrungen im Privatwald bereitgestellt. Link: Wald-WIKI

 

22.3.21 EU-Agrarpolitik: Warum Wissenschaftler einen Systemwechsel fordern

21.3.21 Bundesregierung: Weitere Muffelwild-Populationen werden erlöschen

28.2.21 - Streitthema Fuchsjagd

Das Aktionsbündnis Fuchs, ein Bündnis aus zahlreichen Tierschutzvereinen und NGO's, fordert die Abschaffung der Fuchsjagd. Lesen Sie hier den aktuellen GEO-Artikel von Peter Carstens: Streitthema Fuchsjagd: ökologisch sinnvoll oder reine Tierquälerei?

Einen differenzierten Blick auf die Fuchsjagd bietet der Artikel "Ökologisch jagen auch auf den Fuchs?" (ÖKOJAGD 4/11)

Ökologisch jagen auch auf den Fuchs? (Dez. 2011)
ÖKOJAGD_Grundsätzliches zum Fuchs_Oeko-J[...]
PDF-Dokument [609.7 KB]

23.2.21 - Zu wenig Wildnis in Deutschland

Die Bundesregierung hat 2007 die unter Federführung des Bundesumweltministeriums erarbeitete Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) beschlossen. Die NBS ist eine Strategie zur Umsetzung des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt. Eines der Kernziele: 2% der Fläche Deutschlands sollten bis 2020 Wildnisgebiete werden, die sich zu Hotspots der Biodiversität entwickeln sollten. Doch die ernüchternde Bilanz lautet: Nur 0,6% der bundesdeutschen Fläche wurden als Wildnis gesichert (Der Spiegel vom 23.2.21). Besonders wenig Fläche (0,19%) hat NRW zur Verfügung gestellt. Neben den Kernzonen des Nationalparks Eifel sind dies einige Wildnisentwicklungsgebiete sowie Naturwaldzellen im Landeswald. 

Eines der größten Gebiete ist die Mennekes-Wildnis im Heiligenborner Wald. Der 2020 verstorbene Naturschützer und Stifer Dieter Mennekes hatte 2014 340 Hektar seines Waldbesitzes zum Wildnisgebiet erklären lassen und hatte auf weitere private Nachahmer gehofft. Bis heute ist es das größte private Wildnisgebiet in Deutschland!

Bund und Länder haben versagt und ihren vollmundigen Ankündigungen von 2007 wenig Taten folgen lassen.

Die  äußerst schwache Bilanz der NBS verdeutlicht dagegen die herausragende Leistung des Naturschützers Dieter Mennekes.

 

Die Mennekes-Wildnis im siegerländischen Heiligenborn.

 

12.2.21 - ARTE-Reportage "Die neuen Jägerinnen - Abschied vom Lodenfilz"

In der Reportage wird ein erfrischendes Bild der neuen Jäger/innen-Generation gezeichnet, deren Motivation Fleischgewinnung und Naturerleben ist und nicht die Trophäenjagd. Der Film wurde in der Jagd- und Wildnisschule von Tim Taeger (Bild) gedreht, der den Jungjäger/innen schon in der Ausbildung respektvolles Jagen praxisnah näher bringt. Der Film zeigt eindrucksvoll, dass Jagd auch "anders" geht!

Wölfe: Die Super-Ökologen des Yellowstone

Vor 25 Jahren kehrten Wölfe zurück in den Nationalpark. Dank ihnen sind die Hirschbestände im Yellowstone heute wieder stabil und gesund.

Jagd/ Wildmanagement in Wildnisgebieten?

Wildnisgebiete  i. S. der Nationalen Biodiversitätsstrategie sind ausreichend große, weitgehend unzerschnittene, nutzungsfreie Gebiete, die dazu dienen, einen vom

Menschen unbeeinflussten Ablauf natürlicher Prozesse dauerhaft zu gewährleisten.

In Deutschland gibt es nur sehr wenige große Wildnisgebiete im engeren Sinne, aber viele kleinere Wildnis- oder Wildnisentwicklungsgebiete. In der Skriptenreihe des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) ist nun das BfN-Skript 557 erschienen: Wildnis im Dialog. Aktuelle Beiträge zur Wildnisentwicklung in Deutschland.

Ob in Wildnisgebieten ein Wildmanagement stattfindet, im Gebiet Jagdruhezonen eingerichtet werden oder ob das ganze Gebiet jagdfrei sein kann, wird in unserem Beitrag "Jagdruhezonen in Wildnisgebieten - Möglichkeiten und Grenzen" erläutert.

Das "Rehwildprojekt" im Forschungsrevier Hagen

Ein WDR-Beitrag vom 31.5.2019 über unser "Rehwildprojekt" im Forschungsrevier Hagen, das wir gemeinsam mit dem RVR Ruhr Grün betreiben. Es werden zeitgemäße Jagdstrategien auf Rehe erprobt und die Auswirkungen auf Waldwildschäden wissenschaftlich untersucht.

Jagd - Wildbiologie - Wildmanagement

Etwa 45.000 heimische Tierarten gibt es in Deutschland, wovon ca. 16.000 Arten extrem selten oder gefährdet sind. 99% der gefährdeten Arten genießen keinen spezifischen Artenschutz durch den Menschen. Über 95% aller Tierarten werden in keiner Form vom Menschen „gemanagt“, bejagt oder „bekämpft“. Dies betrifft nur

  • Arten von besonderem Interesse wie seltene oder bedrohte Arten, z.B. Großer Brachvogel, oder solche mit besonderer (Trophäen-) Eigenart, z.B. Rotwild
  • Arten von Interesse für den menschlichen Nutzen, z.B. wildbretliefernde Arten oder Honigbienen
  • Arten, die eine Gefahr für Menschen sein können wie z.B. Bird-Control an Flughäfen oder Eichenprozessionsspinner etc. (Abb.)

Eine zeitgemäße Jagd bzw. gute jagdliche Praxis ist heute wichtiger denn je, da sie ein wichtiges Instrument ist, um den gesellschaftlich eingeforderten Waldumbau zu realisieren oder auch um Tierseuchen einzudämmen. Diese zielorientierte Jagd resultiert aus einer permanenten Weiterentwicklung des Jagdwesens. Dem zügigen Tempo der gestiegenen Anforderungen an unseren Umgang mit Wildtieren konnte die klassische Wildbiologie allerdings nicht folgen. Diese stellt einzelne Wildtiere von besonderem Jägerinteresse in den Mittelpunkt und stützt weiterhin die Hegejagd mit ihren Bewirtschaftungsprinzipien. Eine zeitgemäße, ökologisch orientierte Jagd dagegen stellt prinzipiell die Ökosysteme in den Mittelpunkt und die Wildarten in den ökologischen Zusammenhang.

 

Lesen Sie zu dem Thema  den Beitrag "Survival of the fittest - Wie sich die Wildbiologie immer weiter von der guten jagdlichen Praxis entfremdet" (Publikationen).

Der Wolf in NRW

In NRW häufen sich die Nachweise von Wölfen seit 2019 deutlich. Erstmals wurde in diesem Sommer Wolfsnachwuchs nachgewiesen - im Rhein-Sieg-Kreis. Zur Schermbecker Wölfin GW954f hat sich nun dauergaft ein männlicher Wolf gesellt. Aktuelle Informationen liefert stes das Lanuv.

Das "Zeitalter des Schalenwilds"

Mit dem Rückgang des Niederwilds in den Feldrevieren in den 1980-er Jahren setzte zeitgleich eine stete Zunahme von Rehen und Wildschweinen, später auch von Hirschen ein. Spätestens seit der Jahrtausendwende kann wohl vom "Zeitalter des Schalenwilds" gesprochen werden. Obwohl der Druck auf Landschaft und Wälder nie größer war (Verkehr, Erholung), kommt in den Wäldern mehr Schalenwild vor als jemals zuvor! Und Wildschweine erobern weitere, auch waldarme Areale, in denen sie dauerhaft siedeln. Daraus ergeben sich zwangsläufig Konflikte: Tierseuchengefahr, erhöhtes Wildunfallrisiko und zunehmende Wildschäden in Wald und Flur.

Während die Niederwildjagd eine "Kann-Jagd" ist (wenn die Niederwildbesätze des Revieres es hergeben, kann man auf der Treibjagd "ernten"), ist die Jagd auf Schalenwild ein "Muss"! In den letzten Jahren zeigte sich allerdings immer deutlicher, dass die Jagd, so wie sie traditionell ausgeübt wurde, den Anforderungen an eine wirksame Regulierung der Bestände nicht gerecht wurde. Revierbezogene "Hege", selektives Jagen und Trophäenorientierung führten dazu, dass die Jagd im rein kompensatorsichen Bereich stattfand. Das heißt, es wurde andauernd weniger erlegt (plus sonstige Mortalität!) als jährlich "nachreproduziert" wurde. Die stetig anwachsenden Bestände sind der Beleg - die ausufernden Wildschäden die Folge.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Jagd zeitgemäße, praxisnahe Lösungen findet, die teils sehr hohen Schalenwilddichten abzusenken.         

 

Kaum bejagtes Rehwild - Problem nicht nur für den Verkehr...

Landwirtschaft und Artenvielfalt

Mit den Bauern verschwinden auch die Tiere der Feldflur

Seit drei Jahrzehnten schaut "die Gesellschaft" dem "Höfesterben" in der Landwirtschaft zu. Die Menschen auf dem Land schauen fassungslos zu, wie die bäuerliche Kulturlandschaft verschwindet. Und die Jäger schauen machtlos zu, wie das Rebhuhn, die Charakterart der bäuerlichen Kulturlandschaft, nach und nach ausstirbt.

Und mit ihm - von den meisten unbemerkt - zahlreiche andere Pflanzen-, Insekten- und Vogelarten. Die einst artenreiche Lebensgemeinschaft der Feldflur ist nur noch in Fragmenten vorhanden. Ohne "Wildkräuter" und "Pflanzenvielfalt" sterben die Tierarten aus. Wann haben Sie zuletzt einen Schmetterlng über ein Weizen- oder Maisfeld fliegen sehen?

Dieses Rebhuhn sitzt in intensiv genutzter Mähwiese und sucht seinen ausgemähten "Anhang". Es ist eines der letzten Rebhühner in einer Region im Münsterland, in der es  vor dreizehn Jahren noch zahlreiche Rebhühner gab.   

Die Jäger/innen in den Niederwildregionen sind heute mehr denn je als als "Heger" gefordert - wobei der Erhalt der Rest-Lebensräume und die Schaffung neuer Lebensräume die zentrale Aufgabe beim Erhalt der Lebensgemeinschaft Feldflur ist. Einseitige Fokussierung auf wenige Wildarten (Fasan!) und die bloße "Bekämpfung" der Konkurrenz ist nicht mehr zeitgemäß und hilft nicht weiter. Der Rückgang der Hasen- und Fasanenstrecken ist kaum noch durch verstärkte Raubwildbejagung zu kompensieren. Viele Jäger und Landwirte setzen sich daher für den Erhalt der Lebensräume ein. Doch gegen die politisch gewollte Industriealsierung der Landwirtschaft ist offenbar und sprichwörtlich kein Kraut gewachsen (s. weitere Glyphosat- Verwendung..).  

Ohne eine grundsätzliche Änderung hin zu einer naturverträglichen Landwirtschaft wird das Artensterben in der Agrarlandschaft ungebremst fortgeführt.

 

Die Probleme sind seit 30 Jahren bekannt.

 

Am 6.5.2019 hat der UN-Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES auf die dramatische Situation aufmerksam gemacht. Ob sich dieser bei der Ausgestaltung der EU-Agrarpolitik auswirkt - oder diese doch wieder von der Agrarindustrielobby diktiert wird?

 

Themen: Landwirtschaft und Umweltschutz, Niederwild und Landwirtschaft

 


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