11. - 15. Oktober 2021 - Erster Waldjäger-Lehrgang in Arnsberg

Nächstes Jahr werden wir mehrere Waldjäger- Lehrgänge in NRW anbieten. Wir werden die Seminarorte und Termine bis Dezember auf dieser Seite mitteilen.

 

1.10.2021 - Kolumne Jagd Heute

Ökovieh und Hirschherden

 

Ich habe einen Bekannten, der ist „Bio“- Bauer. Er achtet auf einen geschlossenen Kreislauf im Betrieb und darauf, dass er nur so viele Tiere hält, wie sein Land ernähren kann. Seine Weiden machen pro Hektar Fläche gut zwei Rinder satt – zu Nahrungsengpässen kommt es nicht. Nun ist es aus ökonomischer Sicht immer verlockend, „mehr“ zu machen (Wachstum!). Für meinen Bekannten würden mehr Tiere mehr Geld einbringen. Aber er käme nicht einmal im Traum auf die Idee, auf seinen zehn Hektar Wiesen anstatt seinen 20 Rindern 30 oder gar 40 grasen zu lassen. Weil das Gras nicht ausreichen würde. Seine Tiere müssten hungern. Und keine Maßnahme dieser Welt könnte die Nahrungsknappheit kompensieren (Besucherlenkung? Ruhezonen? Ablenkfütterungen? Gar ein Lebensraumgutachten?). Mehr Kühe würden das Ökosystem Weide durch Fraß und Tritt zerstören. Die Tiere würden sich ihrer eigenen Lebensgrundlage berauben. Schon ein Rind mehr pro Hektar würde das Gleichgewicht des geschlossenen Kreislaufs ins Wanken bringen.

 

Für unsere Rehe und Hirsche haben die Wildbiologen einst „tragbare“ Wilddichten ermittelt, die noch heute in der Jungjägerausbildung gelehrt werden. Für Rehe galten, je nach Standort, 3 bis 12 Rehe pro 100 Hektar Wald als verträglich. Hirsche sollten es nicht mehr als 1 bis 3 sein. Niemand hat diese Zahlen, die sich die Jagd selbst als „Obergrenze“ auferlegt hat, angezweifelt. Doch nachdem man gemerkt hatte, dass man (Jäger in der Praxis) Rehe und Hirsche nicht zählen kann, machten die nackten Zahlen nur noch wenig Sinn für die Jagdpraxis. Heute sind diese „Obergrenzen“ Schnee von gestern. Und es ist auch wahrscheinlich, dass die Rehdichte aufgrund von Eutrophierung und Klimawandel heutzutage etwas höher sein kann, ohne gleich Schäden zu verursachen.

 

Doch in unseren Revieren tummeln sich mittlerweile regelmäßig nicht 20, sondern 30 bis 40, oft auch 50 bis 60 und manchmal sogar 70 bis 100 Rehe auf 100 Hektar Wald! In vielen Rotwildgebieten streifen mittlerweile 20 bis 30 Hirsche durch 100 Hektar. Bei einem Gemeinschaftsansitz in einem Rotwild- Hotspot im Siegerland konnten wir im Mai gleichzeitig Rudel beobachten, die auf eine Dichte von 40 bis 50 Hirschen hinweisen. Dichten, die nicht doppelt so hoch sind wie verträglich wäre (was ja schon viel wäre), sondern teils zehn- bis zwanzigmal höher sind als für Wald und Wild verträglich sind. Übrigens gibt es bis heute kein einziges Beispiel dafür, dass bei überhöhten Schalenwildbeständen Hegemaßnahmen wie Ruhezonen, Wildäsungsflächen im Wald oder Besucherlenkung zu einer wirklich artenreichen Waldverjüngung geführt hätten. Genauso wenig (also nullkommanull) werden Lebensraumgutachten dazu beitragen, diverse, klimastabile Wälder aufzubauen, solange die Schalenwilddichten derart hoch sind.

 

In der Jungjägerausbildung haben wir gelernt, dass wir das Wild regulieren sollen. Doch wer heute wirklich ernsthaft mit der Regulierung beginnt, wird immer noch häufig als „Schädlingsbekämpfer“ diffamiert - von denjenigen, die den Schuss noch immer nicht gehört haben.  

"Grünland" soll Vieh ernähren. Doch wo Rotwildherden von bis zu 80 Stück auf von Sauen zerstörter Grasnarbe weiden, gibt es für Rinder nichts mehr zu futtern. Realität im Siegerland 2021.

Bild: Manderbach 

 

7.8.2021 - Kolumne Jagd-Heute

 

Ökologie – Schimpfwort oder Wissenschaft?

 

Es gibt wohl kaum einen Begriff, der in der Politik so schamlos missbraucht und missverstanden oder gar von skrupellosen Lobbyisten gekapert wurde wie die Ökologie. Diese ist die Wissenschaft von den Wechselbeziehungen zwischen den Lebewesen und ihrer Umwelt. Und die Jagd damit mittendrin. Doch in der schwarz-weißen Gut-Böse-Welt der klassischen Hegejagd war alles „Ökologische“ per se böse. Wer oder was „ökologisch“ war, wurde in den traditionellen Reihen der Hegeringe als „natürlicher Feind“ abgestempelt und nicht selten diffamiert. Das gut gepflegte, undifferenzierte Feindbild der Jäger ließ sich in einer Stammtischstimmung aus gefährlichem Halbwissen und Marschrichtung des Jagdverbandes leicht aufrechterhalten. Denn jahrzehntelang ist den Jägern eingetrichtert worden, der größte Feind der deutschen Jagd seien die „Ökos“.  

 

Doch das gesellschaftliche Klima hat sich gewandelt, Umwelt- und Klimaschutz sind mehrheitsfähig geworden. Ökologische Zusammenhänge zu begreifen ist notwendiger denn je. Denn wir befinden uns in einer existentiellen Naturkrise, die auch für den letzten Ignoranten sichtbar geworden ist. Dabei sind Hochwasser und Fichtensterben, so steht es zu befürchten, erst der Anfang der Krise. In der uns eine junge, kritische Generation rund um Fridays for Future weiterhin regelmäßig den Spiegel vorhalten wird. Gerade wir Jäger/innen sollten unser Naturverständnis und unsere Haltung gegenüber Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft daher grundlegend überdenken. Ist Jagd Naturschutz, weil im Revier ein (Enten-) Teich angelegt wurde? Oder kann die Jagd viel mehr, in dem sie das Schalenwild reguliert und die Wiederbewaldung tatsächlich ermöglicht?

 

Noch immer eifern selbst jüngere Jäger/innen unbeirrt den alten Idealen – Trophäen und Rekordstrecken – nach, wie sie es in Blogs und Jagd-Kanälen im Netz eindrucksvoll hinterlegen. Doch das Spektrum der Jäger/innen ist in den letzten Jahren viel breiter geworden - die Jägerschaft hat sich verändert. Zwar war der Prozess der Öffnung zeitversetzt und schleichend, da man aus einer in sich geschlossenen Welt aus vermeintlichen Traditionen mit einer eigenen Sprache stammt. Doch große Teile der weiblicher und städtischer gewordenen Jägerschaft haben sich emanzipiert. Diese Generation ist grundsätzlich aufgeschlossener und empfindet auch „Öko“ nicht mehr als Schimpfwort, sondern als vernünftige, weil umwelt- und klimaschonende Haltung. „Ökologisch“ ist also nicht der Verein ÖJV, sondern die Attitüde der Jäger/innen in ihrem Mensch-Natur-Verständnis. Bezogen auf die Jagd bedeutet das, sich eben nicht als Herrscher und Bestimmer über eine Handvoll jagdbarer Tierarten zu verstehen, wie der anthropozentrische Jagdpächter, der die Jagd als reinen Selbstzweck ausübt und die Natur dabei als Jagdkulisse gebraucht.

 

Bei modernen Jäger/innen ist das Mensch-Natur-Verständnis bereits etwas ganzheitlicher geworden. Es ist von dem Wissen geprägt, dass die Klimafrage existentiell ist. Dass Umwelt und Natur dringend geschützt werden müssen. Denn nicht der Hirsch oder das Reh sind bedroht. Es sind unsere Lebensgrundlagen, die bedroht sind.

 

Die Jagd in Deutschland kann einen kleinen Beitrag im Kampf um die Zukunft leisten. Sofern sie „ökologischer“ wird. Denn um „vor die Krise zu kommen“ (Ausdruck von Norbert Röttgen im Zusammenhang mit Corona), bedarf es in den meisten Revieren eines Paradigmenwechsels. Beim Blick auf die Uhr besser heute als morgen. Und auch im Hinblick auf die Zukunft der Jagd als solche sind wir Jäger/innen gut beraten, den Einklang mit der ethischen Grundhaltung der Gesellschaft zu suchen.

Der Klimawandel rückt uns auf die Pelle. Förster und Ökologen ringen um den richtigen Umgang mit dem Wald von morgen. Und die Jagd? Wäre gut beraten, ihre Grundfeste aus ökologischer Sicht zu überdenken. Endlich den Lebensraum in den Mittelpunkt stellen und wissenschaftsbasiert handeln.

 

Bild: Ehemaliger Fichtenforst im Bergischen Land.

4.7.21 Jagdpächter raus?

Der Artikel "Die Zeit des Jagdpächters läuft ab - Malborn setzt auf neues Konzept" im Volksfreund vom 4.7.21 erhitzt die Gemüter unter Jägerinnen und Jägern. Während Jagdpächter sorgenvoll auf die Entwicklung "ihrer" Jagdreviere blicken, verknüpfen viele Jäger/innen, die kein eigenes Revier bejagen dürfen, den Trend zur Regiejagd mit der Hoffnung auf die lang ersehnte Jagdmöglichkeit.

 

Was hinter diesem hochaktuellen und für die Zukunft der Jagd grundlegendem Thema steckt, lesen Sie in den folgenden Artikeln:

Jagdpacht versus Wald
Über den Zusammenhang zwischen Jagdpachtpreis und der Zukunft unserer Wälder (Juni 2016)
Ökojagd 2-2016_Jagdpacht versus Wald.pdf
PDF-Dokument [2.2 MB]
Der große Reibach - oder: Wie die Heuschrecken
Das Geschäft mit dem Wild...
ÖKOJAGD 2-2018 Der große Reibach.pdf
PDF-Dokument [467.8 KB]

22.6.21 - Wald-WIKI

Das WALD-WIKI wird herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V. (AGDW – Die Waldeigentümer). Mit dem Online-Angebot möchten die Waldbesitzende und Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse in Deutschland gezielt dabei unterstützen, ihre Wälder zu schützen und deren Leistungsfähigkeit dauerhaft zu erhalten - jetzt und im Klima der Zukunft. Dazu werden neue Möglichkeiten eines breiten Austausches von Wissen und Erfahrungen im Privatwald bereitgestellt. Link: Wald-WIKI

 

1.6.2021 - Kolumne Jagd-Heute

 

Einseitig gut!

 

In einem Online-Seminar vor Naturschützern hörte ich letzte Woche einen eingesessenen Wildbiologen reden. Es ging - wieder einmal - um die Wald-Wild-Problematik. Alle Vertreter des Waldbaus und der Ökologie waren sich einig, dass eine akute Anpassung der Reh- und Hirschbestände an den Lebensraum erfolgen muss. Es wurden zahlreiche Beispielreviere aus der Praxis aufgeführt, in denen eine Intensivierung der Rehjagd zu erfreulichen Ergebnissen geführt hat: Eine artenreiche (!) Wiederbewaldung, gesunde Rehe und wenig Verkehrsverluste. Einzig der Wildbiologe haderte: Die bloße Forderung nach einer Anpassung der Wildbestände an den Lebensraum – sprich: Reduzierung – sei „zu einseitig“. Dieses (Totschlag-) Argument ist häufig zu hören von Wild- und Jagd- „Experten“, die eher in der Theorie als in der Jagdpraxis zu Hause sind. Die Problematik sei zu komplex, als dass es durch die bloße Erhöhung der Abschüsse funktionieren könne. Selbstredend hatte der Wildbiologe auch die Lösung des Wald-Wild-Problems im Gepäck (die Wildbiologen begründen und erklären den "Hobbyjägern" seit jeher ihr Handwerk). Und wie immer im Werkzeugkasten: Runde Tische, Berücksichtigung aller Interessen, Konzepte, Wildruhezonen, Wildäsungsflächen, Touristenlenkung und Kommunikation! Ganz wichtig! Man müsse der entfremdeten (Stadt-) Bevölkerung den Wald wieder näherbringen. Zum Beispiel – jetzt kommt’s – indem man das Rotwild wieder tagsüber erlebbar macht für die Bevölkerung! Hirsche als umweltpädagogische Leitart für die Rettung des deutschen Waldes! So etwas kann man sich fast nicht besser ausdenken!

 

Denn in der Tat hat der Wald ein erhebliches Problem mit dem Rotwild. Warum? Weil es gar keine Waldart ist. Hirsche kommen natürlicherweise im Wald gar nicht vor. So wenig wie Steppenantilopen oder Eisbären. Natürliche Offenland-Lebensräume für Rotwild gibt es in Deutschland kaum noch – als geeignete Ersatzlebensräume fungieren allenfalls (ehemalige) Truppenübungsplätze. Die intensiv genutzte Agrarlandschaft fällt als Lebensraum für die großen Rudeltiere per se aus. In unseren Wäldern werden Hirsche gehegt, weil der „König des Waldes“ die größte Sehnsucht der Trophäenjäger ist. Und diese Tierart, die im Wald - in den es gar nicht „gehört“ - teils extreme Wildschäden verursacht, benutzt nun die Wildbiologie, um den Menschen den Wald zu erklären. Verrückt? Wohl eher Kalkül. Denn durch die Pflege des Bambi-Syndroms werden weder das Verständnis für die Ökologie des Waldes, noch die Einsicht der Bevölkerung für die dringend erforderlichen Reduktionsabschüsse größer. Wollte man den Menschen das Ökosystem Wald wirklich ernsthaft erklären, stellte man typische Charakterarten in den Mittelpunkt. Zum Beispiel Hirschkäfer, Mittelspecht oder Eichenzipfelfalter für intakte Eichenwälder. Ob der Wildbiologe diese bedrohten Arten kennt? Vielleicht. Aber es war ihm - einmal mehr - wichtiger, den Rothirsch zu betonen. Wie einseitig.

Der Blaue Eichenzipfelfalter (Neozephyrus quercus) ist - im Gegensatz zum Rotwild - eine der typischen Arten intakter, alter Eichenwälder. Der eher seltene Schmetterling ist eine von 25.000 Insektenarten NRWs, die als Bestäuber wichtige Funktionen im Ökosystem Wald erfüllen. Heute gibt es nur noch ein Viertel der Insekten (in Bezug auf die Biomasse), die es vor 30 Jahren gab. Doch die Wildbiologie feiert weiterhin „ihre“ Leitart Hirsch…!

 

1.4.2021 - Kolumne Jagd-Heute

Lobby von Rebhuhn und Reh

 

Ein Teil der Jägerschaft, besonders der um Bewahrung junger Traditionen bangende konservative Flügel, protestiert vehement gegen das geplante BJagdG. Unterstützt wurden die Protestler – selbstredend – vom Jagdboulevard und einer Handvoll alter weißer Männer (und noch weniger instrumentalisierter Frauen), die akademische Titel tragen und den Jagdverbänden seit Jahren brav zur Seite springen, wann immer sie sollen.

 

Was nun passiert ist, hat sich seit Jahren abgezeichnet: Die wütenden Jäger haben sich unbemerkt mit dem radikalen Tierschutz verbündet! Schon seit Jahren ziehen Rotwild-Fans mit Revieren in den Kerngebieten gegen mutmaßlich nicht weidgerecht jagende Reviernachbarn - gerne aus dem Forst - vor Gericht, um diese wegen Tierschutzvergehen verurteilen zu lassen. Zwar erfolglos, wie in fast allen Fällen in NRW, aber die Denunziationen erzielen dennoch Wirkung. Denn mit jeder Anzeige wird der Eindruck erhärtet, dass „der Forst“ die Bösen sind, weil ihm Tierschutz ja schnuppe ist. In die Hochphase des „Rotwild-Krieges“ (vom Jagdverband ausgerufen, vor Gericht gebracht und dort verloren...; RWJ 09/2015) fällt auch das letzte Aufflackern des Leitbachen-Paradigmas. Kein Zufall. Den mit der permanenten Überbetonung des Selbstverständlichen – des Muttertierschutzes – erreichten die besorgt wütenden Hegebeauftragten, dass „der“ Tierschutz immer aufmerksamer auf das Thema gemacht wurde. Vielleicht wurde deshalb allmählich wieder von der Strategie „Totaler Muttertierschutz“ abgelassen. Diese hatte offensichtlich zum Ziel, Alttiere und Bachen möglichst komplett vor Abschüssen zu verschonen, um so die sprudelnden Quellen der Reproduktion zu sichern. Jetzt also ist dieser Irrsinn den Strategen von damals auf die Füße gefallen. „Der“ Tierschutz ruft in einer Petition gegen das BJagdG und einen „Wald ohne Jäger“ auf – und zehntausend Jäger unterschreiben! (DJZ-online am 11.3.2012).

Der Keil, den Jagdverbände und Boulevardpresse in die Jägerschaft getrieben haben, sitzt offenbar so tief, dass an dessen Ende die (ehemaligen) Jäger lieber zum Tierschutz wechseln, als auf der Drückjagd auf Rehe zu schießen, von denen es in Deutschland mehr gibt als jemals zuvor! Oder haben die Unterzeichner die Petition gar reflexhaft und ganz und gar unreflektiert unterzeichnet? Ganz nach dem Motto: Hauptsache kein waldfreundliches Gesetz? So oder so, es ist ein Armutszeugnis für den Zustand der Jägerschaft, wenn sie sich über Jahre so sehr von alten weißen Männern fehlleiten lässt, dass sie am Ende eine Petition des radikalen Tierschutzes unterstützt.

 

Themenwechsel: Nach Jahren war ich im März mal wieder zu einer Brutvogelkartierung in der münsterländischen Agrarlandschaft. Bis 2015 hatte ich in einem zehnjährigen Forschungsprojekt den Niedergang der Rebhühner in den einst besten Revieren des Münsterlandes dokumentieren müssen. Glücklicherweise konnten sich in diesen Feldfluren mit extensiver Landwirtschaft und Brachflächen Restbesätze der Rebhühner halten. Noch. Denn in der herkömmlich bewirtschafteten Ackerlandschaft mit intensivstem Wintergerste-, Triticale- und Maisanbau ist der Artenschwund unentwegt fortgeschritten. Grauammer, Ortolan und Bluthänfling brüten hier längst nicht mehr. In den letzten Jahren sind nun Rebhühner und Kiebitze vielerorts lokal verschwunden – um nicht zu sagen ausgestorben. Und mit ihnen etliche Insektenarten. Und wo man (fast) kein tierisches Leben mehr in der Agrarlandschaft findet, werden Landwirte nun mit der Genehmigung von Windkraftanlagen „belohnt“. Hier kann man ja keine Natur mehr zerstören. Die bäuerliche Kulturlandschaft ist fast vollends zur Energiegewinnungs- und Futterfläche für die Massentierhaltung mutiert. Mit Ansage! Ohne dass Politik und Bauernverbände je wirksame Maßnahmen zum Schutz der Restnatur umgesetzt haben. Derzeit steht die EU-Agrarpolitik vor einer grundlegenden Weichenstellung. Doch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft möchte seine Groß-Agrarier nicht zu viel Naturschutz „zumuten“. Daher wird es auch keinen Systemwechsel in der Landwirtschaft geben, wie von Ministerin Klöckner vollmundig angekündigt. Für die Rebhühner und Kiebitze in den Revieren, in denen ich in den letzten Wochen unterwegs war, kommt so oder so jede Hilfe zu spät.

 

 

 

 

 

 

 

Kaum noch Insekten – Rebhuhn und Kiebitz ausgestorben. Stattdessen „Bioenergie“ und Bestäubung aus der Kiste.

Bienenwagen samt Königinnen im Münsterland.

22.3.21 EU-Agrarpolitik: Warum Wissenschaftler einen Systemwechsel fordern

21.3.21 Bundesregierung: Weitere Muffelwild-Populationen werden erlöschen

28.2.21 - Streitthema Fuchsjagd

Das Aktionsbündnis Fuchs, ein Bündnis aus zahlreichen Tierschutzvereinen und NGO's, fordert die Abschaffung der Fuchsjagd. Lesen Sie hier den aktuellen GEO-Artikel von Peter Carstens: Streitthema Fuchsjagd: ökologisch sinnvoll oder reine Tierquälerei?

Einen differenzierten Blick auf die Fuchsjagd bietet der Artikel "Ökologisch jagen auch auf den Fuchs?" (ÖKOJAGD 4/11)

Ökologisch jagen auch auf den Fuchs? (Dez. 2011)
ÖKOJAGD_Grundsätzliches zum Fuchs_Oeko-J[...]
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23.2.21 - Zu wenig Wildnis in Deutschland

Die Bundesregierung hat 2007 die unter Federführung des Bundesumweltministeriums erarbeitete Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) beschlossen. Die NBS ist eine Strategie zur Umsetzung des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt. Eines der Kernziele: 2% der Fläche Deutschlands sollten bis 2020 Wildnisgebiete werden, die sich zu Hotspots der Biodiversität entwickeln sollten. Doch die ernüchternde Bilanz lautet: Nur 0,6% der bundesdeutschen Fläche wurden als Wildnis gesichert (Der Spiegel vom 23.2.21). Besonders wenig Fläche (0,19%) hat NRW zur Verfügung gestellt. Neben den Kernzonen des Nationalparks Eifel sind dies einige Wildnisentwicklungsgebiete sowie Naturwaldzellen im Landeswald. 

Eines der größten Gebiete ist die Mennekes-Wildnis im Heiligenborner Wald. Der 2020 verstorbene Naturschützer und Stifer Dieter Mennekes hatte 2014 340 Hektar seines Waldbesitzes zum Wildnisgebiet erklären lassen und hatte auf weitere private Nachahmer gehofft. Bis heute ist es das größte private Wildnisgebiet in Deutschland!

Bund und Länder haben versagt und ihren vollmundigen Ankündigungen von 2007 wenig Taten folgen lassen.

Die  äußerst schwache Bilanz der NBS verdeutlicht dagegen die herausragende Leistung des Naturschützers Dieter Mennekes.

 

Die Mennekes-Wildnis im siegerländischen Heiligenborn.

 

12.2.21 - ARTE-Reportage "Die neuen Jägerinnen - Abschied vom Lodenfilz"

In der Reportage wird ein erfrischendes Bild der neuen Jäger/innen-Generation gezeichnet, deren Motivation Fleischgewinnung und Naturerleben ist und nicht die Trophäenjagd. Der Film wurde in der Jagd- und Wildnisschule von Tim Taeger (Bild) gedreht, der den Jungjäger/innen schon in der Ausbildung respektvolles Jagen praxisnah näher bringt. Der Film zeigt eindrucksvoll, dass Jagd auch "anders" geht!

1.2.21 - Kolumne Jagd-Heute

Berlin, Berlin - Wir schauen nach Berlin

 

Jagd und Landwirtschaft sind in den letzten Tagen mediales Thema gewesen. Die digitale Grüne Woche in Berlin ist – wie seit Jahren – Anlass für Treckerfahrer und Kritiker der industriellen Landwirtschaft, auf die Straße zu gehen, bzw. zu fahren. Und im Bundestag wurde der Entwurf des neuen Jagdgesetzes debattiert. Beides – Proteste der Landwirte wie das Agieren der Politiker – offenbaren, dass im jagdlich-bäuerlichen Umfeld dieselben Probleme mit Populismus und Wissenschaftstrotz grassieren wie in unserer Gesamtgesellschaft.

 

Die nicht enden wollenden Proteste der Landwirte gegen niedrige Lebensmittelpreise in den Geschäften verschleiern den Blick auf die grundlegenden Probleme der deutschen Landwirtschaft. Es wird zu viel Masse produziert – auf Kosten von „kleineren“ Bauern, Qualität und vor allem der Umwelt. In seinem aktuellen „Bodenreport“ belegt das Bundesamt für Naturschutz, dass nicht nur die sichtbare Artenvielfalt der intensiv genutzten Feldflur rapide Schaden nimmt, sondern auch die Artengemeinschaften der Bodenlebewesen in Acker- und Wiesenböden. „Wir müssen (…) den Schutz des Bodenlebens stärker in den Blick nehmen. Denn sollten Arten in unseren Böden aussterben, die uns teilweise noch gar nicht bekannt sind, so sind die Folgen für die Ökosysteme, aber auch für die Landwirtschaft in ihrer Tragweite noch gar nicht abzusehen“, mahnt daher BfN-Präsidentin Beate Jessel. Für die in der Gesellschaft so angezählte Landwirtschaft wäre es wünschenswert, wenn die Intensivlandwirte sich endlich zur Selbstreflexion besännen. Indem Sie zunächst mal vor der eigenen Verbandshaustür kräftig kehren. Eine Läuterung von innen heraus und aus eigenem Antrieb könnte zu einem guten Ergebnis führen. Andauernde Schuldzuweisungen und Meckern über zu hohe Umweltstandards wird die Akzeptanz dieser Landwirtschaft jedenfalls nicht fördern. Ins absolute Abseits schießen sich darüber hinaus Wutbürger-Bauern des „Landvolks“, die mit rechtsradikalen „Pflug und Schwert“-Fahnen einer völkisch-nationalistischen Bewegung an ihren subventionierten Treckern durch die Hauptstadt ballern.

 

Selbstreinigungskräfte und Vertrauen in die Wissenschaft möchte man auch den traditionellen Jagdverbänden wünschen, die einen Richtungswechsel in der Jagdpolitik befürchten. Eine Phalanx aus konservativen Jagdfunktionären und willfährigen Wildbiologen hat sich in der Kontroverse ums Jagdgesetz in eine Art „konservative Esoterik“ verstrickt. Wissenschaftlichen Ergebnisse werden von den alten, weißen Männern negiert, indem man „eigene Fakten“ schafft, die eher einem Bauchgefühl entspringen als wissenschaftlicher Erkenntnis. Nach dem Motto „es kann nicht sein, was nicht sein darf“ (Bezeichnenderweise nach dem Gedicht von Christian Morgenstern „Die unmögliche Tatsache“). Sascha Lobo, Kolumnist des Spiegels, definiert konservative Esoterik so: „Konservative Esoterik, die das längst nicht mehr Tragbare mithilfe von Täuschungen, Torheiten und Taschenspielertricks bewahren möchte, ist auf dem Vormarsch. (…). Das liegt erstens an der Unerträglichkeit, dass hier Männer einer längst verblichenen Selbstverständlichkeit anhängen, der Bühnenzote, der Herstellung infamer Zusammenhänge, der offenen Faktenleugnung, dem "das existiert nicht, weil es verboten ist". (…) Viele Konservative vertragen nicht gut, dass sich in den letzten zwanzig Jahren eine größere Zahl konservativer Grundannahmen über Welt und Gesellschaft als mittelstark gequirlter Quark herausgestellt haben. (…) Der Atomausstieg, das Versagen des Konzepts schwarze Null, die Wucht der Digitalisierung, die Fliehkräfte der EU, die ungeheure Dringlichkeit des Klimawandels, so geht es immer weiter. Die Welt hat sich einfach substanziell anders entwickelt, als konservative Köpfe glaubten. Wenn man in solchen Situationen trotzdem noch auf den gleichen Weg bleiben möchte wie vor dem Wandel, mit den gleichen Instrumenten, den gleichen Sprüchen, den gleichen Überzeugungen - dann hilft eben nur noch konservative Esoterik“ (Sascha Lobo 2020).

 

Dass es die konservative Esoterik auch in die Debatte über das Jagdgesetz (am 27.1.) in den Bundestag geschafft hat, verwundert kaum. Einer völlig am Thema und wissenschaftlichen Fakten vorbei schwadronierenden AfD folgte ein Musterbeispiel konservativer Esoterik. Hier wurde von einem FDP-Abgeordneten - unter anderem - ernsthaft behauptet, die Reduktion des Rehwildes allein sei kein geeignetes Mittel, um die Waldregeneration zu garantieren. Offensichtlich schaut die FDP da seit vielen Jahren an der jagdlichen Realität und, noch schlimmer, an eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen vorbei. Solch hanebüchenen Auftritte von AfD und FDP im deutschen Bundestag können einen schon nervös stimmen, wenn man sich ausmalt, was unverantwortliche Lobby-Politiker im deutschen Bundestag mit hetzerischen Reden anrichten könnten, wenn es mal um wichtigere Dinge als das deutsche Weidwerk geht.

 

Wie beruhigend war es dagegen, die Redner von CDU, CSU, SPD, Grünen und LINKE zu verfolgen. Politiker/innen, die allesamt sachlich und vernünftig über akzeptierte Fakten debattieren, um sich einer sinnvollen politischen Lösung anzunähern. Auch wenn das Jagdgesetz den Erwartungen vieler Ökologen, Naturschützer und „Waldmenschen“ am Ende nicht entsprechen sollte: Die Debatte hat gezeigt, dass die Notwendigkeit einer zeitgemäßen Jagdreform parteiübergreifenden, ernsthaften Zuspruch findet. Die Deutungshoheit über die Jagd in Deutschland ist auch im Bundestag gekippt. Wir Jäger sollten dankbar sein, dass das Jagdgesetz in einem demokratischen Prozess entwickelt wird, in dem extreme Parteien und Einflüsse konservativer Esoteriker hoffentlich keinen Einfluss finden.

Qualität oder Quantität? "Bauernhof" in Mecklenburg samt ausgelaugter Ackerscholle

 

1.12.20 - Kolumne Jagd-Heute

Wochen der Wahrheit

 

Es sind bewegende Wochen für Jäger. Der Ausbruch der ASP hält uns in Atem, Corona erschwert die Bewegungsjagden und das Bundesjagdgesetz wird erstmals seit 44 Jahren umfassend novelliert. Und über all dem schwebt die Frage, was „die“ Jäger wirklich leisten können – oder überhaupt wollen. Und welche Art von Jagd tatsächlich systemrelevant ist.

 

Wie wenig fortschrittlich die längst überfällige Novellierung des Bundesjagdgesetzes geraten ist, zeigt ein Blick auf einige Bundesländer, die teils schon vor Jahren deutlich zielstrebigere Landesgesetze auf den Weg gebracht haben (NRW, BW, Thüringen). Der Entwurf wurde bereits in der August-Kolumne kritisiert: „Inhaltlich bleiben … etliche Themen unberührt, die dringend einer Anpassung bedürfen, u.a. die Liste der jagdbaren Tierarten, die Jagdpachtdauer, Mindestgröße von Eigenjagden oder die Synchronisation der Jagdzeiten - um nur sehr wenige zu nennen. Darüber hinaus wäre es im Jahr 2020 an der Zeit, die jagdlichen Paradigmen des vergangenen Jahrhunderts zu bereinigen und Begriffe wie Hege, Hochwild, Jagdschutz, Weidgerechtigkeit oder Wildbewirtschaftung neu zu definieren.“ Dass in den Revieren nun „Abschusskorridore“ anstatt Mindestabschüsse für Rehe verhandelt werden sollen, ist ein albernes Zugeständnis an die Hegejagd, denn man kann mit jagdlichen Mitteln gar nicht „zu viele“ Rehe in einem Revier schießen.    

 

Spannend wird die Entwicklung der Jungjägerausbildung werden, da die Länder nun verbindliche Regeln für die Jagdschulen erarbeiten müssen. 14 Tage Intensivkurse wird es nun nicht mehr geben können. Außerdem müssen in neuen Fachgebieten jetzt diese Themen ausgebildet werden:

  • Wildschäden, insbesondere ihre Erkennung und Vermeidung, sowie die Grundsätze der Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern oder Bewirtschafterinnen der betreffenden Flächen sowie
  • … Erfordernisse einer Verjüngung des Waldes, insbesondere hinsichtlich ihrer jeweiligen Wechselwirkung mit Wildbeständen und Jagdausübung, sowie des Natur- und des Tierschutzes.

Doch wer soll diese anspruchsvollen Fächer überhaupt lehren? Die Länder werden vorgeben, welche Qualifikation die Ausbilder in den einzelnen Fächern künftig aufweisen müssen. Für NRW ist eine entsprechende Verordnung in spätestens 1,5 Jahren zu erwarten. Sie könnte die Welt der Hochleistungs-Jagdschulen auf den Kopf stellen.

 

Dass die Politik trotz der hochdynamischen Zeit hinter dem jagdlichen Handlungsbedarf herhinkt, zeigen auch das jüngst veröffentlichte Wiederbewaldungskonzept für NRW und die Richtlinie zur Förderung der Waldbesitzer. Während man sich im Forst alle paar Jahre neu erfindet und ein Konzept nach dem nächsten erfindet, bleibt man beim Thema Jagd beim Alten – ganz zur Befriedigung von Wildbiologie und Hegejagd. Allen Ernstes wird den Jägern für eine erfolgreiche Wiederbewaldung empfohlen, Prossholzflächen anzulegen und im Wald 2-3 % der Holzbodenfläche zu Wildwiesen zu machen (wie seit 40 Jahren…)! Es ist nicht nachzuvollziehen, dass solche obsoleten Hegemaßnahmen im Jahr 2020 noch immer in einem Konzept der Fachbehörden erscheinen. Damit wird bloß von der Hauptaufgabe der Jagd - der Reduktion der Bestände - abgelenkt. Welche Maßnahmen wirklich notwendig sind, wird im Konzept nicht erwähnt.

 

Dass die Traditionsjäger in den letzten Monaten mit einem dicken blauen Auge davon gekommen sind, belegt auch die neue Förderrichtlinie für NRW. Steuerzahler werden weiter für die Wildhege und Verweigerungshaltung der Jagdpächter bezahlen müssen – in Form von Zuschüssen für Großpflanzen, Plastikhüllen als Verbissschutz oder 3000 qm großen Gattern. Die Jagdpächter können sich getrost auf der Kanzel zurücklehnen – der Staat bezahlt im Voraus. Leider wird hier mal wieder überdeutlich, dass die Jagd im Land NRW noch immer nicht als DIE entscheidende Stellschraube für einen erfolgreichen Wald(auf)bau gesehen wird. Anstatt weiterhin mit der Gießkanne den Flächenbrand löschen zu wollen und Steuergeld für Reh- und Hirschfutter zu verbrennen, hätte die Förderung einer ökologisch orientierten Jagd Anreize schaffen können, so dass mehr Reviere waldorientiert bejagt würden. Die Förderung zertifizierter Reviere, z. B. von Ansitzeinrichtungen und Jagdhunden, wäre gerecht und zielführend!

 

Ach ja: Ist die Jagd denn nun systemrelevant? Haben wir Jäger das Privileg verdient, das uns das Recht gibt, im Shutdown mit großer Mannschaft zur Drückjagd zu schreiten? Die Antwort habe ich in den letzten Wochen deutlich erhalten: Jein. Der größte Teil der Jagdpachtreviere verzichtet derzeit gänzlich auf die Durchführung von Drückjagden, da sich ohne geselliges Schüsseltreiben der Aufwand „nicht lohnt“ und die Jagd „keinen Spaß“ macht. Oder man bimmelt bei der Drückjagd mit drei Hunden und fünf Schützen durchs Revier. Der Vergleich der Streckendaten der Revier übergreifenden Drückjagden aus den Vorjahren mit diesem Jahr werden die fahrlässige Untätigkeit der Jagdpachtreviere aufzeigen.

Im Gegensatz dazu haben die vielen professionell organisierten Bewegungsjagden (im Forst) mit vorbildlichen Hygienekonzepten und disziplinierten Jäger/innen gezeigt, was man erreichen kann, wenn man es wirklich ernst meint mit der Jagd. Dann ist man auch systemrelevant!   

4.11.20 Kabinett billigt Entwurf des neuen Bundesjagdgesetzes

15.10.20 - Lesenswert

Passend zu den Themen der Kolumne vom 1.10. sind zwei lesenswerte Artikel erschienen:

 

Maurin: Staatsknete für Bonzen statt Bauern (taz)

 

Willinger: Zukunft des Waldes: Runter vom Holzweg (Spektrum.de)

 

17.9.2020 -  Schweinepest und Zucht: Katastrophe mit Ansage

Ein Beitrag von Maike Rademaker in Die Zeit.

 

Volksinitiative für Artenvielfalt in NRW gestartet

Die Volksinitiative Artenvielfalt wurde durch die NRW-Landesverbände des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW (LNU) und des Naturschutzbund Deutschland (NABU) ins Leben gerufen, um eine landesweite Kampagne zum Erhalt der Artenvielfalt in NRW durchzuführen. Ziel der Initiative unter dem Motto „Insekten retten – Artenschwund stoppen“ ist es, konkrete Handlungsvorschläge zur Verbesserung der biologischen Vielfalt in den NRW-Landtag einzubringen und das Land so zu mehr Natur- und Artenschutz zu bewegen. Hier der Unterschriftenbogen zum ausdrucken:

Wölfe: Die Super-Ökologen des Yellowstone

Vor 25 Jahren kehrten Wölfe zurück in den Nationalpark. Dank ihnen sind die Hirschbestände im Yellowstone heute wieder stabil und gesund.

Jagd/ Wildmanagement in Wildnisgebieten?

Wildnisgebiete  i. S. der Nationalen Biodiversitätsstrategie sind ausreichend große, weitgehend unzerschnittene, nutzungsfreie Gebiete, die dazu dienen, einen vom

Menschen unbeeinflussten Ablauf natürlicher Prozesse dauerhaft zu gewährleisten.

In Deutschland gibt es nur sehr wenige große Wildnisgebiete im engeren Sinne, aber viele kleinere Wildnis- oder Wildnisentwicklungsgebiete. In der Skriptenreihe des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) ist nun das BfN-Skript 557 erschienen: Wildnis im Dialog. Aktuelle Beiträge zur Wildnisentwicklung in Deutschland.

Ob in Wildnisgebieten ein Wildmanagement stattfindet, im Gebiet Jagdruhezonen eingerichtet werden oder ob das ganze Gebiet jagdfrei sein kann, wird in unserem Beitrag "Jagdruhezonen in Wildnisgebieten - Möglichkeiten und Grenzen" erläutert.

Das "Rehwildprojekt" im Forschungsrevier Hagen

Ein WDR-Beitrag vom 31.5.2019 über unser "Rehwildprojekt" im Forschungsrevier Hagen, das wir gemeinsam mit dem RVR Ruhr Grün betreiben. Es werden zeitgemäße Jagdstrategien auf Rehe erprobt und die Auswirkungen auf Waldwildschäden wissenschaftlich untersucht.

Jagd - Wildbiologie - Wildmanagement

Etwa 45.000 heimische Tierarten gibt es in Deutschland, wovon ca. 16.000 Arten extrem selten oder gefährdet sind. 99% der gefährdeten Arten genießen keinen spezifischen Artenschutz durch den Menschen. Über 95% aller Tierarten werden in keiner Form vom Menschen „gemanagt“, bejagt oder „bekämpft“. Dies betrifft nur

  • Arten von besonderem Interesse wie seltene oder bedrohte Arten, z.B. Großer Brachvogel, oder solche mit besonderer (Trophäen-) Eigenart, z.B. Rotwild
  • Arten von Interesse für den menschlichen Nutzen, z.B. wildbretliefernde Arten oder Honigbienen
  • Arten, die eine Gefahr für Menschen sein können wie z.B. Bird-Control an Flughäfen oder Eichenprozessionsspinner etc. (Abb.)

Eine zeitgemäße Jagd bzw. gute jagdliche Praxis ist heute wichtiger denn je, da sie ein wichtiges Instrument ist, um den gesellschaftlich eingeforderten Waldumbau zu realisieren oder auch um Tierseuchen einzudämmen. Diese zielorientierte Jagd resultiert aus einer permanenten Weiterentwicklung des Jagdwesens. Dem zügigen Tempo der gestiegenen Anforderungen an unseren Umgang mit Wildtieren konnte die klassische Wildbiologie allerdings nicht folgen. Diese stellt einzelne Wildtiere von besonderem Jägerinteresse in den Mittelpunkt und stützt weiterhin die Hegejagd mit ihren Bewirtschaftungsprinzipien. Eine zeitgemäße, ökologisch orientierte Jagd dagegen stellt prinzipiell die Ökosysteme in den Mittelpunkt und die Wildarten in den ökologischen Zusammenhang.

 

Lesen Sie zu dem Thema  den Beitrag "Survival of the fittest - Wie sich die Wildbiologie immer weiter von der guten jagdlichen Praxis entfremdet" (Publikationen).

Der Wolf in NRW

In NRW häufen sich die Nachweise von Wölfen seit 2019 deutlich. Erstmals wurde in diesem Sommer Wolfsnachwuchs nachgewiesen - im Rhein-Sieg-Kreis. Zur Schermbecker Wölfin GW954f hat sich nun dauergaft ein männlicher Wolf gesellt. Aktuelle Informationen liefert stes das Lanuv.

Das "Zeitalter des Schalenwilds"

Mit dem Rückgang des Niederwilds in den Feldrevieren in den 1980-er Jahren setzte zeitgleich eine stete Zunahme von Rehen und Wildschweinen, später auch von Hirschen ein. Spätestens seit der Jahrtausendwende kann wohl vom "Zeitalter des Schalenwilds" gesprochen werden. Obwohl der Druck auf Landschaft und Wälder nie größer war (Verkehr, Erholung), kommt in den Wäldern mehr Schalenwild vor als jemals zuvor! Und Wildschweine erobern weitere, auch waldarme Areale, in denen sie dauerhaft siedeln. Daraus ergeben sich zwangsläufig Konflikte: Tierseuchengefahr, erhöhtes Wildunfallrisiko und zunehmende Wildschäden in Wald und Flur.

Während die Niederwildjagd eine "Kann-Jagd" ist (wenn die Niederwildbesätze des Revieres es hergeben, kann man auf der Treibjagd "ernten"), ist die Jagd auf Schalenwild ein "Muss"! In den letzten Jahren zeigte sich allerdings immer deutlicher, dass die Jagd, so wie sie traditionell ausgeübt wurde, den Anforderungen an eine wirksame Regulierung der Bestände nicht gerecht wurde. Revierbezogene "Hege", selektives Jagen und Trophäenorientierung führten dazu, dass die Jagd im rein kompensatorsichen Bereich stattfand. Das heißt, es wurde andauernd weniger erlegt (plus sonstige Mortalität!) als jährlich "nachreproduziert" wurde. Die stetig anwachsenden Bestände sind der Beleg - die ausufernden Wildschäden die Folge.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Jagd zeitgemäße, praxisnahe Lösungen findet, die teils sehr hohen Schalenwilddichten abzusenken.         

 

Kaum bejagtes Rehwild - Problem nicht nur für den Verkehr...

Landwirtschaft und Artenvielfalt

Mit den Bauern verschwinden auch die Tiere der Feldflur

Seit drei Jahrzehnten schaut "die Gesellschaft" dem "Höfesterben" in der Landwirtschaft zu. Die Menschen auf dem Land schauen fassungslos zu, wie die bäuerliche Kulturlandschaft verschwindet. Und die Jäger schauen machtlos zu, wie das Rebhuhn, die Charakterart der bäuerlichen Kulturlandschaft, nach und nach ausstirbt.

Und mit ihm - von den meisten unbemerkt - zahlreiche andere Pflanzen-, Insekten- und Vogelarten. Die einst artenreiche Lebensgemeinschaft der Feldflur ist nur noch in Fragmenten vorhanden. Ohne "Wildkräuter" und "Pflanzenvielfalt" sterben die Tierarten aus. Wann haben Sie zuletzt einen Schmetterlng über ein Weizen- oder Maisfeld fliegen sehen?

Dieses Rebhuhn sitzt in intensiv genutzter Mähwiese und sucht seinen ausgemähten "Anhang". Es ist eines der letzten Rebhühner in einer Region im Münsterland, in der es  vor dreizehn Jahren noch zahlreiche Rebhühner gab.   

Die Jäger/innen in den Niederwildregionen sind heute mehr denn je als als "Heger" gefordert - wobei der Erhalt der Rest-Lebensräume und die Schaffung neuer Lebensräume die zentrale Aufgabe beim Erhalt der Lebensgemeinschaft Feldflur ist. Einseitige Fokussierung auf wenige Wildarten (Fasan!) und die bloße "Bekämpfung" der Konkurrenz ist nicht mehr zeitgemäß und hilft nicht weiter. Der Rückgang der Hasen- und Fasanenstrecken ist kaum noch durch verstärkte Raubwildbejagung zu kompensieren. Viele Jäger und Landwirte setzen sich daher für den Erhalt der Lebensräume ein. Doch gegen die politisch gewollte Industriealsierung der Landwirtschaft ist offenbar und sprichwörtlich kein Kraut gewachsen (s. weitere Glyphosat- Verwendung..).  

Ohne eine grundsätzliche Änderung hin zu einer naturverträglichen Landwirtschaft wird das Artensterben in der Agrarlandschaft ungebremst fortgeführt.

 

Die Probleme sind seit 30 Jahren bekannt.

 

Am 6.5.2019 hat der UN-Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES auf die dramatische Situation aufmerksam gemacht. Ob sich dieser bei der Ausgestaltung der EU-Agrarpolitik auswirkt - oder diese doch wieder von der Agrarindustrielobby diktiert wird?

 

Themen: Landwirtschaft und Umweltschutz, Niederwild und Landwirtschaft

 


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