Ankündigung Fachtagung "Wald und Jagd"

Achtung: Neuer Veranstaltungsort!

22.10.2022

Wipperfürth

 

Referenten

Prof. Dr. Manfred Schölch | Dr. Franz Straubinger |

Frank Christian Heute I European Forest Institute |

Landesbetrieb Wald und Holz NRW

1.8.2022  Kolumne Jagd-Heute

Jäger oder Wildschadenmanager?

Über den Spagat zwischen Jagdfreuden und ernsthafter Wildschadenabwehr

Wir Jäger/innen befinden uns in einer Sinnkrise, könnte man meinen. Die meisten haben einst den Jagdschein gemacht, um Jagderlebnisse zu genießen. Kaum jemand hat sich zur teuren Jungjägerausbildung angemeldet, weil er heiß darauf ist, Wildschäden in Wald und Feld abzuwenden. Doch die Zeiten haben sich geändert. In den letzten Jahren ist offensichtlich geworden, dass die herkömmliche Jagd nicht mehr ausreicht. Noch nie waren die Jäger/innen so gefordert, Wildschäden zu verhindern, die Sauen in den Feldern und Rehe in den Wäldern verursachen. Der Aufwand, der betrieben werden müsste, um wirklich effektive Wildschadenprävention zu betreiben, überfordert derzeit jedoch viele Jäger/innen in den Revieren. Viele von uns - ob Jagdaufseher, „Jagdhelfer“ und vor allem wildschadenpflichtige Jagdpächter - fragen sich mittlerweile: „Sind wir eigentlich noch Jäger oder nur noch Wildschadenmanager?“

 

In Revieren mit Schwarzwild und Mais (Raps, Weizen, Wiesen…) wird die Situation oft belastend, weil dem Jagdpächter extrem hohe Ersatzkosten blühen. Neulich hörte ich von einem Jagdpächter, der nachts regelmäßig von Albträumen heimgesucht wird. Vornehmlich im September, wenn sich die Lage im Maisrevier zuspitzt. Wiederholt träumte der Pächter, der keine Wildschadendeckelung im Vertrag hat, er stünde weinend in einer großen, von Sauen zerstörten Fläche inmitten der riesigen Maisschläge. Um ihn herum tobt der Bauer wie das wütende Rumpelstilzchen und fordert, fordert, fordert.. .

 

Selbst wenn man als Jagdpächter mit seinem Team alles Menschenmögliche (Arbeit, Zeit, Geld) in die Prävention von Sauenschäden investiert: Wildschäden durch Schwarzwild - auch größere - sind in einem einzelnen Revier nicht komplett zu verhindern. Schäden durch Schwarzwild in der Landwirtschaft sind systemimmanent. Den Sauen wird immer mehr Futter vor die Nase gepflanzt und sie nehmen es gerne an. Andere „Schädlinge“, wie zum Beispiel Läuse im Weizen, werden von Landwirten einfach weggespritzt. Der Pestizideinsatz gegen Wildschweine ist jedoch nicht erlaubt. Also soll es der Jagdpächter richten. Oder zahlen. Dass ein Jagdpächter den Versicherer für subventionierte Landwirte spielen muss, womöglich ohne Unterstützung von Jagdgenossenschaft und Landwirten, ist nicht mehr zeitgemäß. Über diesbezügliche jagdrechtliche Änderungen darf gerne mal nachgedacht werden. Zum Beispiel sollten Landwirte - als mitverantwortliche Verursacher des Problems - grundsätzlich mit in die Pflicht genommen werden. Unterstützung darf allerdings nur derjenige Jagdpächter erwarten, der wirklich ernsthaft an der Reduktion der Schwarzwildbestände mitwirkt. Pächter von Revieren, in denen Sauen mehr gekirrt als gejagt werden, müssen auch weiterhin für Schäden in ihren Revieren geradestehen. (https://www.wildoekologie-heute.de/themen/schwarzwild/zeitgem%C3%A4%C3%9Fe-schwarzwildbejagung/)

 

Vollkommen anders ist die Situation im Wald. Hier droht dem Jagdpächter nicht wirklich das finanzielle Horrorszenario wie dem Pächter des Sauen-Mais-Revieres. Nicht, weil der Schaden nicht auch sehr groß - meist höher als die Maisschäden - wäre, sondern weil es für Waldbesitzer nicht möglich ist, die Schäden der verschwundenen Eichen und Eschen geltend zu machen. Die Jagdpächter sind derzeit aber gut beraten, die Bejagung der Rehe und Hirsche sehr ernst zu nehmen. Das Gute ist: Wir wissen, wie es geht. Ein Absenken der Verbissschäden funktioniert, wissenschaftlich nachgewiesen, durch entsprechende Eingriffe beim Reh- und Rotwild (u. a. Heute 2022). Die sehr hohen Bestände müssen an den Lebensraum Wald angepasst werden.

 

Jetzt wird sich wieder der eine oder andere Jäger aufregen. Doch das Narrativ vom „letzten Reh“, dass bei intensiver Rehwildbejagung geschossen würde, ist obsolet. Es ist zigfach widerlegt in Revieren „des Forsts“, in denen eine „scharfe“ Rehbejagung nirgends zu nachhaltigen Einbrüchen der Rehpopulationen geführt hätte. Jeder Jäger, der in „seinem“ Revier mal unselektiv viele Rehe geschossen hat, wundert sich, wie viele Rehe im nächsten Jahr immer noch/ wieder da sind. Allerdings: Das Heranhegen eines alten Bockes funktioniert bei einer intensiven Rehbejagung natürlich nicht mehr. Ansprüche und Wirklichkeit müssen daher in vielen Revieren angepasst und neu austariert werden. Das klappt nur, wenn die Jagdpächter ehrlich dazu bereit sind, Schalenwildbestände anzupassen. Und Verpächter auf Einnahmen aus der Jagdpacht und auf Teile des Wildschadenersatzes verzichten. Die Probleme in den Revieren sind derart groß, dass künftig nur sehr klare Pachtmodelle erfolgreich sein werden. Kompromisse werden nicht zum Ziel führen, denn: „In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod“ (Friedrich von Logau - 17. Jahrhundert). 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jagdpächter allein im Feld.

9.6.2022

Aktueller denn je: Jagd in der Waldkrise

Die "Waldkrise" besorgt uns alle - ob Waldbesitzer, Ökologen, Förster oder "normale" Bürger. Für unseren Wald ist es der größte "Stresstest" den es für ihn in seiner etwa 7000-jährigen Geschichte je gab. Umso wichtiger ist es nun, die richtigen Lehren aus den Folgen "Kyrills" zu ziehen. Auch damals, vor 15 Jahren, waren auf über 50.000 Hektar Waldfläche (NRW) Kahlschlägen entstanden. Auf den allermeisten dieser Flächen sind artenarme Wälder entstanden, da die sehr hohen Reh- und Hirschbestände den nachwachsenden Wald massiv durch Selektion entmischt haben. Diese Kyrillflächen bestehen heute aus sehr wenigen Baumarten (meist Fichte, Birke, Buche) und sehr viel Brombeere und Holunder.

Es gibt aber auch einige wenige Kyrillflächen, auf denen artenreiche Wälder mit über 15 verschiedenen Baumarten wachsen. Diese finden sich aber ausschließlich in Jagdrevieren, in denen schon damals "anders" gejagt wurde. Mit dem Fokus auf Rehbestände, die an die Anforderungen der Wiederbewaldung angepasst werden mussten.

Innerhalb des gerade abgeschlossenen "Rehwildprojektes" stellen wir Reviere vor, in denen artenreiche Wiederbewaldung funktioniert - und eine entsprechende Jagd.

 

Der Artikel "10 Jahrfe nach Kyrill" (ÖKOJAGD 1/17) behandelt wichtige waldökologische Zusammenhänge im Bezug auf Wiederbewaldung und zeigt die Fehler auf, die in vielen Revieren nach 2007 gemacht wurden. 

1.6.22: Kolumne Jagd-Heute

Plädoyer für „alte“ Jagdaufseher

 

Derzeit werden viele Reviere von neuen Jagdpächtern oder Revierleitern bejagt. Die Tendenz, dass es aufgrund der „Waldkrise“ neue Jagdausübungsberechtigte richten sollen und den langjährigen Jagdpächtern gekündigt wird, dürfte sich in den nächsten Jahren fortsetzen, wenn Verpächter (endlich) merken, dass es mit den etablierten Pächtern nicht funktioniert. Auf der Strecke bleiben bei Pächterwechseln – oder der Umstellung von Pacht- auf Regiejagd – oft die bisherigen Jagdaufseher und „-helfer“ des Revieres. Nach dem Motto: Alle man raus, jetzt kommen wir! So verständlich und richtig es in den meisten Fällen auch ist, alte Zöpfe abzuschneiden und einen Neuanfang in der Bejagungsstrategie zu starten: Die „alten Jagdhelfer“ können unter Umständen bei der Umsetzung des neuen Jagdkonzeptes sehr hilfreich sein. Sie haben beste Revierkenntnisse und verfügen oft nicht nur über jagdliches und handwerkliches Geschick, sondern auch über wertvolle Erfahrungen, die die „Neuen“ am Anfang der Jagdpacht überhaupt nicht haben können. Sie besitzen die Kontakte zu den Jagdgenossen und Bewirtschaftern, kennen die Wechsel, Suhlen und „fängische“ Stellen. Diese Erfahrungen der eingesessenen Jäger nicht zu „nutzen“, wäre fahrlässig. Die Tipps dieser Jäger können anfangs dazu führen, dass das eine oder andere Reh oder Schwein mehr auf der Strecke liegt. Und im Moment kommt es aus Waldschutz- und Seuchengründen in vielen Revieren auf jedes Reh und jede Sau an, die erlegt werden können.

 

Oft steht man sich zunächst aber wechselseitig ablehnend gegenüber. Die „Neuen“ misstrauen den alten Jagdhelfern, weil sie Teil des gescheiterten Systems waren. Man will den kompletten Neuanfang – ohne den (vermeintlichen) Schlaumeier von früher. Die Jagdhelfer wiederum hatten sich über die Jahre in ihrer Rolle als Revierknecht eingefunden, nicht selten in devoter Dankbarkeit gegenüber den mächtigen „Beständern“. Einen Strategiewechsel zu einer konsequenten Schalenwildbejagung empfinden sie zunächst oft als übertrieben und überflüssig. Zumindest – der Loyalität halber – nach außen. Denn eigentlich waren viele von ihnen schon lange bereit für zeitgemäßere Wege in der Bejagung, wurden aber von den Jagdpächtern jahrelang gegängelt.

 

Bedingung bei der Übernahme der früheren Helfer ist, dass diese die neue Jagdstrategie voll unterstützen. In vielen Fällen bedeutet dies Abschied nehmen von lieb gewonnenen Traditionen – aber nicht den Untergang des Abendlandes. Im Gegenteil: Ehemalige Jagdhelfer, die vorher als Belohnung ihrer täglichen Arbeit (kirren!) jährlich einen Knopfbock schießen durften, leben in neuen Jagdteams mit flachen Hierarchien auf. Plötzlich selbst tatkräftig an einer möglichst guten Strecke mitwirken zu können und auch den „großen“ Bock schießen zu dürfen, katapultiert die über Jahre ausgebeuteten Hiwis plötzlich auf Augenhöhe mit der Jagdleitung. Sie zahlen es i. d. R. mit großem Engagement, auch bei den Revierarbeiten, zurück. Darauf sollte kein neuer Jagdleiter oder Pächter verzichten!    

 

15.4.2022: Bericht "Rehwildprojekt NRW"

Das fünfjährige Forschungsprojekt "Auswirkungen veränderter Bejagungsstrategien auf Rehwild" ("Rehwildprojekt NRW") wurde mit Ende des Jagdjahres abgeschlossen.
 
Jetzt liegt der Abschlussbericht vor und kann hier heruntergeladen werden:
 
 
Das Projekt konnte aufzeigen, wie positiv sich eine konsequentere Rehwildbejagung auf die Waldverjüngung auswirkt.
 
Jagdpacht versus Wald
Über den Zusammenhang zwischen Jagdpachtpreis und der Zukunft unserer Wälder (Juni 2016)
Ökojagd 2-2016_Jagdpacht versus Wald.pdf
PDF-Dokument [2.2 MB]

4.7.21 Jagdpächter raus?

Der Artikel "Die Zeit des Jagdpächters läuft ab - Malborn setzt auf neues Konzept" im Volksfreund vom 4.7.21 erhitzt die Gemüter unter Jägerinnen und Jägern. Während Jagdpächter sorgenvoll auf die Entwicklung "ihrer" Jagdreviere blicken, verknüpfen viele Jäger/innen, die kein eigenes Revier bejagen dürfen, den Trend zur Regiejagd mit der Hoffnung auf die lang ersehnte Jagdmöglichkeit.

 

Was hinter diesem hochaktuellen und für die Zukunft der Jagd grundlegendem Thema steckt, lesen Sie in den folgenden Artikeln:

Der große Reibach - oder: Wie die Heuschrecken
Das Geschäft mit dem Wild...
ÖKOJAGD 2-2018 Der große Reibach.pdf
PDF-Dokument [467.8 KB]

22.6.21 - Wald-WIKI

Das WALD-WIKI wird herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V. (AGDW – Die Waldeigentümer). Mit dem Online-Angebot möchten die Waldbesitzende und Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse in Deutschland gezielt dabei unterstützen, ihre Wälder zu schützen und deren Leistungsfähigkeit dauerhaft zu erhalten - jetzt und im Klima der Zukunft. Dazu werden neue Möglichkeiten eines breiten Austausches von Wissen und Erfahrungen im Privatwald bereitgestellt. Link: Wald-WIKI

 

22.3.21 EU-Agrarpolitik: Warum Wissenschaftler einen Systemwechsel fordern

21.3.21 Bundesregierung: Weitere Muffelwild-Populationen werden erlöschen

28.2.21 - Streitthema Fuchsjagd

Das Aktionsbündnis Fuchs, ein Bündnis aus zahlreichen Tierschutzvereinen und NGO's, fordert die Abschaffung der Fuchsjagd. Lesen Sie hier den aktuellen GEO-Artikel von Peter Carstens: Streitthema Fuchsjagd: ökologisch sinnvoll oder reine Tierquälerei?

Einen differenzierten Blick auf die Fuchsjagd bietet der Artikel "Ökologisch jagen auch auf den Fuchs?" (ÖKOJAGD 4/11)

Ökologisch jagen auch auf den Fuchs? (Dez. 2011)
ÖKOJAGD_Grundsätzliches zum Fuchs_Oeko-J[...]
PDF-Dokument [609.7 KB]

23.2.21 - Zu wenig Wildnis in Deutschland

Die Bundesregierung hat 2007 die unter Federführung des Bundesumweltministeriums erarbeitete Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) beschlossen. Die NBS ist eine Strategie zur Umsetzung des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt. Eines der Kernziele: 2% der Fläche Deutschlands sollten bis 2020 Wildnisgebiete werden, die sich zu Hotspots der Biodiversität entwickeln sollten. Doch die ernüchternde Bilanz lautet: Nur 0,6% der bundesdeutschen Fläche wurden als Wildnis gesichert (Der Spiegel vom 23.2.21). Besonders wenig Fläche (0,19%) hat NRW zur Verfügung gestellt. Neben den Kernzonen des Nationalparks Eifel sind dies einige Wildnisentwicklungsgebiete sowie Naturwaldzellen im Landeswald. 

Eines der größten Gebiete ist die Mennekes-Wildnis im Heiligenborner Wald. Der 2020 verstorbene Naturschützer und Stifer Dieter Mennekes hatte 2014 340 Hektar seines Waldbesitzes zum Wildnisgebiet erklären lassen und hatte auf weitere private Nachahmer gehofft. Bis heute ist es das größte private Wildnisgebiet in Deutschland!

Bund und Länder haben versagt und ihren vollmundigen Ankündigungen von 2007 wenig Taten folgen lassen.

Die  äußerst schwache Bilanz der NBS verdeutlicht dagegen die herausragende Leistung des Naturschützers Dieter Mennekes.

 

Die Mennekes-Wildnis im siegerländischen Heiligenborn.

 

12.2.21 - ARTE-Reportage "Die neuen Jägerinnen - Abschied vom Lodenfilz"

In der Reportage wird ein erfrischendes Bild der neuen Jäger/innen-Generation gezeichnet, deren Motivation Fleischgewinnung und Naturerleben ist und nicht die Trophäenjagd. Der Film wurde in der Jagd- und Wildnisschule von Tim Taeger (Bild) gedreht, der den Jungjäger/innen schon in der Ausbildung respektvolles Jagen praxisnah näher bringt. Der Film zeigt eindrucksvoll, dass Jagd auch "anders" geht!

Wölfe: Die Super-Ökologen des Yellowstone

Vor 25 Jahren kehrten Wölfe zurück in den Nationalpark. Dank ihnen sind die Hirschbestände im Yellowstone heute wieder stabil und gesund.

Jagd/ Wildmanagement in Wildnisgebieten?

Wildnisgebiete  i. S. der Nationalen Biodiversitätsstrategie sind ausreichend große, weitgehend unzerschnittene, nutzungsfreie Gebiete, die dazu dienen, einen vom

Menschen unbeeinflussten Ablauf natürlicher Prozesse dauerhaft zu gewährleisten.

In Deutschland gibt es nur sehr wenige große Wildnisgebiete im engeren Sinne, aber viele kleinere Wildnis- oder Wildnisentwicklungsgebiete. In der Skriptenreihe des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) ist nun das BfN-Skript 557 erschienen: Wildnis im Dialog. Aktuelle Beiträge zur Wildnisentwicklung in Deutschland.

Ob in Wildnisgebieten ein Wildmanagement stattfindet, im Gebiet Jagdruhezonen eingerichtet werden oder ob das ganze Gebiet jagdfrei sein kann, wird in unserem Beitrag "Jagdruhezonen in Wildnisgebieten - Möglichkeiten und Grenzen" erläutert.

Das "Rehwildprojekt" im Forschungsrevier Hagen

Ein WDR-Beitrag vom 31.5.2019 über unser "Rehwildprojekt" im Forschungsrevier Hagen, das wir gemeinsam mit dem RVR Ruhr Grün betreiben. Es werden zeitgemäße Jagdstrategien auf Rehe erprobt und die Auswirkungen auf Waldwildschäden wissenschaftlich untersucht.

Jagd - Wildbiologie - Wildmanagement

Etwa 45.000 heimische Tierarten gibt es in Deutschland, wovon ca. 16.000 Arten extrem selten oder gefährdet sind. 99% der gefährdeten Arten genießen keinen spezifischen Artenschutz durch den Menschen. Über 95% aller Tierarten werden in keiner Form vom Menschen „gemanagt“, bejagt oder „bekämpft“. Dies betrifft nur

  • Arten von besonderem Interesse wie seltene oder bedrohte Arten, z.B. Großer Brachvogel, oder solche mit besonderer (Trophäen-) Eigenart, z.B. Rotwild
  • Arten von Interesse für den menschlichen Nutzen, z.B. wildbretliefernde Arten oder Honigbienen
  • Arten, die eine Gefahr für Menschen sein können wie z.B. Bird-Control an Flughäfen oder Eichenprozessionsspinner etc. (Abb.)

Eine zeitgemäße Jagd bzw. gute jagdliche Praxis ist heute wichtiger denn je, da sie ein wichtiges Instrument ist, um den gesellschaftlich eingeforderten Waldumbau zu realisieren oder auch um Tierseuchen einzudämmen. Diese zielorientierte Jagd resultiert aus einer permanenten Weiterentwicklung des Jagdwesens. Dem zügigen Tempo der gestiegenen Anforderungen an unseren Umgang mit Wildtieren konnte die klassische Wildbiologie allerdings nicht folgen. Diese stellt einzelne Wildtiere von besonderem Jägerinteresse in den Mittelpunkt und stützt weiterhin die Hegejagd mit ihren Bewirtschaftungsprinzipien. Eine zeitgemäße, ökologisch orientierte Jagd dagegen stellt prinzipiell die Ökosysteme in den Mittelpunkt und die Wildarten in den ökologischen Zusammenhang.

 

Lesen Sie zu dem Thema  den Beitrag "Survival of the fittest - Wie sich die Wildbiologie immer weiter von der guten jagdlichen Praxis entfremdet" (Publikationen).

Der Wolf in NRW

In NRW häufen sich die Nachweise von Wölfen seit 2019 deutlich. Erstmals wurde in diesem Sommer Wolfsnachwuchs nachgewiesen - im Rhein-Sieg-Kreis. Zur Schermbecker Wölfin GW954f hat sich nun dauergaft ein männlicher Wolf gesellt. Aktuelle Informationen liefert stes das Lanuv.

Das "Zeitalter des Schalenwilds"

Mit dem Rückgang des Niederwilds in den Feldrevieren in den 1980-er Jahren setzte zeitgleich eine stete Zunahme von Rehen und Wildschweinen, später auch von Hirschen ein. Spätestens seit der Jahrtausendwende kann wohl vom "Zeitalter des Schalenwilds" gesprochen werden. Obwohl der Druck auf Landschaft und Wälder nie größer war (Verkehr, Erholung), kommt in den Wäldern mehr Schalenwild vor als jemals zuvor! Und Wildschweine erobern weitere, auch waldarme Areale, in denen sie dauerhaft siedeln. Daraus ergeben sich zwangsläufig Konflikte: Tierseuchengefahr, erhöhtes Wildunfallrisiko und zunehmende Wildschäden in Wald und Flur.

Während die Niederwildjagd eine "Kann-Jagd" ist (wenn die Niederwildbesätze des Revieres es hergeben, kann man auf der Treibjagd "ernten"), ist die Jagd auf Schalenwild ein "Muss"! In den letzten Jahren zeigte sich allerdings immer deutlicher, dass die Jagd, so wie sie traditionell ausgeübt wurde, den Anforderungen an eine wirksame Regulierung der Bestände nicht gerecht wurde. Revierbezogene "Hege", selektives Jagen und Trophäenorientierung führten dazu, dass die Jagd im rein kompensatorsichen Bereich stattfand. Das heißt, es wurde andauernd weniger erlegt (plus sonstige Mortalität!) als jährlich "nachreproduziert" wurde. Die stetig anwachsenden Bestände sind der Beleg - die ausufernden Wildschäden die Folge.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Jagd zeitgemäße, praxisnahe Lösungen findet, die teils sehr hohen Schalenwilddichten abzusenken.         

 

Kaum bejagtes Rehwild - Problem nicht nur für den Verkehr...

Landwirtschaft und Artenvielfalt

Mit den Bauern verschwinden auch die Tiere der Feldflur

Seit drei Jahrzehnten schaut "die Gesellschaft" dem "Höfesterben" in der Landwirtschaft zu. Die Menschen auf dem Land schauen fassungslos zu, wie die bäuerliche Kulturlandschaft verschwindet. Und die Jäger schauen machtlos zu, wie das Rebhuhn, die Charakterart der bäuerlichen Kulturlandschaft, nach und nach ausstirbt.

Und mit ihm - von den meisten unbemerkt - zahlreiche andere Pflanzen-, Insekten- und Vogelarten. Die einst artenreiche Lebensgemeinschaft der Feldflur ist nur noch in Fragmenten vorhanden. Ohne "Wildkräuter" und "Pflanzenvielfalt" sterben die Tierarten aus. Wann haben Sie zuletzt einen Schmetterlng über ein Weizen- oder Maisfeld fliegen sehen?

Dieses Rebhuhn sitzt in intensiv genutzter Mähwiese und sucht seinen ausgemähten "Anhang". Es ist eines der letzten Rebhühner in einer Region im Münsterland, in der es  vor dreizehn Jahren noch zahlreiche Rebhühner gab.   

Die Jäger/innen in den Niederwildregionen sind heute mehr denn je als als "Heger" gefordert - wobei der Erhalt der Rest-Lebensräume und die Schaffung neuer Lebensräume die zentrale Aufgabe beim Erhalt der Lebensgemeinschaft Feldflur ist. Einseitige Fokussierung auf wenige Wildarten (Fasan!) und die bloße "Bekämpfung" der Konkurrenz ist nicht mehr zeitgemäß und hilft nicht weiter. Der Rückgang der Hasen- und Fasanenstrecken ist kaum noch durch verstärkte Raubwildbejagung zu kompensieren. Viele Jäger und Landwirte setzen sich daher für den Erhalt der Lebensräume ein. Doch gegen die politisch gewollte Industriealsierung der Landwirtschaft ist offenbar und sprichwörtlich kein Kraut gewachsen (s. weitere Glyphosat- Verwendung..).  

Ohne eine grundsätzliche Änderung hin zu einer naturverträglichen Landwirtschaft wird das Artensterben in der Agrarlandschaft ungebremst fortgeführt.

 

Die Probleme sind seit 30 Jahren bekannt.

 

Am 6.5.2019 hat der UN-Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES auf die dramatische Situation aufmerksam gemacht. Ob sich dieser bei der Ausgestaltung der EU-Agrarpolitik auswirkt - oder diese doch wieder von der Agrarindustrielobby diktiert wird?

 

Themen: Landwirtschaft und Umweltschutz, Niederwild und Landwirtschaft

 


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