9.5.2019 - TV-Beitrag "Wald und Jagd" im Forschungsrevier Hagen

WDR

 

Aktuelle Stunde - Lokalzeit Dortmund

Forschungsprojekt Wald und Jagd in Hagen

 

Ab Minute 19:10

 

Ein Beitrag von Marc Sense

Waldsterben 4.0

Neue Wälder gibt es nur mit entsprechender Jagd!

Trockenheit und Borkenkäfer haben 2018 das viertgrößte "Schadereignis der deutschen Fostwirtschaft" innerhalb der letzten 30 Jahre verursacht. Der Klimawandel ist längst im deutschen Wald angekommen und macht flexible Anpassungsstrategien für den Wald der (warmen) Zukunft unumgänglich. NRW hat im Dezember ein Waldbaukonzept veröffentlicht, das den Eigentümern Strategien im Waldbau aufzeigt. Auf Fördermittel wird der einzelne Waldbauer jedoch weitgehend verzichten müssen. Mit ganzen 25 Millionen Euro bundesweit für fünf Jahre (!) sollen die geschädigten Waldbauern entschädigt und gefördert werden. Die Waldbesitzer sind also zwingend abhängig von funktionierender Naturverjüngung im Wald! Und zwar nicht nur einzelner, vom Schalenwild weitgehend verschmähter Arten wie Buche und Fichte. Sondern von allen Pflanzenarten der potentiell natürlichen Vegetation. Stabiler (und kostengünstiger) kann ein Wald nicht gegründet werden! In den Revieren des "Netzwerks Vorbildliche Rehwildreviere" kann man begutachten, wie sich ein entsprechend angepasster Jagdbetrieb positiv auf die Waldverjüngung auswirkt und artenreiche, "klimastabile" Wälder entstehen.

Grundvoraussetzung für das Aufwachsen aller Pflanzenarten ist ein angepasster Reh- und Hirschbestand. "Eine angepasste Jagdausübung sichert den Erhalt der Wälder und fördert strukturreiche, sich natürlich verjüngende Waldökosysteme. Angesichts der abzusehenden Trockenschäden gerade an Kulturen ist das Gelingen der Wiederaufforstung besonders wichtig." (Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vom 6.5.19)

Eigentümer, die die Bedürfnisse unserer in die Knie gezwungenen Wälder ignorieren und weiterhin die einseitigen Interessen einzelner Jäger (schnelles Geld aus hohen Pachteinnahmen!) bedienen, handeln höchst fahrlässig! Der Kommunal- und Staatswald ist gefordert, so rasch wie möglich konsequent zu handeln und unsere Wälder endlich entsprechend bejagen zu lassen! 

 

Informieren Sie sich auf diesen Webseiten. Beratung und Unterstützung finden Sie bei uns (Kontakt) oder den Mitgliedern des Netzwerks.

 

"Das Projekt Nachhaltige Rehbejagung. Teil 1: Forschungsrevier RVR-Eilpe"

(Artikel vom 13.2.2019)

 

Unser Forschungsprojekt "Nachhaltige Rehbejagung" befasst sich mit zielgerichteten Jagdstrategien auf Rehwild und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Wildschäden. Nach der Einrichtung eines Forschungsrevieres in 2017/18 und dem jährlich durchgeführten Vegetations-Monitoring können nun erste Ergebnisse vorgestellt werden. Neben dem Forschungsrevier beinhaltet das Projekt noch das "Netzwerk Vorbildliche Rehwildreviere". Ein Beitrag hierzu wird im Frühjahr veröffentlicht ("Das Projekt Nachhaltige Rehbejagung. Teil 2").

 

"Jagd in Eigenregie" - Artikel vom 16.1.2019

Jagd ist heute nicht mehr allein ein Privatvergnügen einer kleinen Gruppe von Jagdscheininhabern. Jagd leistet, richtig praktiziert (d.h. zielgerichtet und mit zeitgemäßen Methoden) einen essentiellen Beitrag, um die berechtigten Nutzungsinteressen der Landwirte und Waldbauern durchzusetzen. Und auch für den Natur- und Artenschutz kann Jagd ein wirksames Instrument sein. Die Jagd kann also wichtige Funktionen von gesellschaftlichem und somit gemeinnützigem Interesse erfüllen. Im Kommunal- und Staatswald muss sie das.

 

Lesen Sie hierzu den aktuellen Artikel "Jagd heute - besser in Eigenregie?!"

 

Das "Zeitalter des Schalenwilds"

Mit dem Rückgang des Niederwilds in den Feldrevieren in den 1980-er Jahren setzte zeitgleich eine stete Zunahme von Rehen und Wildschweinen, später auch von Hirschen ein. Spätestens seit der Jahrtausendwende kann wohl vom "Zeitalter des Schalenwilds" gesprochen werden. Obwohl der Druck auf Landschaft und Wälder nie größer war (Verkehr, Erholung), kommt in den Wäldern mehr Schalenwild vor als jemals zuvor! Und Wildschweine erobern weitere, auch waldarme Areale, in denen sie dauerhaft siedeln. Daraus ergeben sich zwangsläufig Konflikte: Tierseuchengefahr, erhöhtes Wildunfallrisiko und zunehmende Wildschäden in Wald und Flur.

Während die Niederwildjagd eine "Kann-Jagd" ist (wenn die Niederwildbesätze des Revieres es hergeben, kann man auf der Treibjagd "ernten"), ist die Jagd auf Schalenwild ein "Muss"! In den letzten Jahren zeigte sich allerdings immer deutlicher, dass die Jagd, so wie sie traditionell ausgeübt wurde, den Anforderungen an eine wirksame Regulierung der Bestände nicht gerecht wurde. Revierbezogene "Hege", selektives Jagen und Trophäenorientierung führten dazu, dass die Jagd im rein kompensatorsichen Bereich stattfand. Das heißt, es wurde andauernd weniger erlegt (plus sonstige Mortalität!) als jährlich "nachreproduziert" wurde. Die stetig anwachsenden Bestände sind der Beleg - die ausufernden Wildschäden die Folge.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Jagd zeitgemäße, praxisnahe Lösungen findet, die teils sehr hohen Schalenwilddichten abzusenken.         

 

Kaum bejagtes Rehwild - Problem nicht nur für den Verkehr...

Landwirtschaft und Artenvielfalt

Mit den Bauern verschwinden auch die Tiere der Feldflur

Seit drei Jahrzehnten schaut "die Gesellschaft" dem "Höfesterben" in der Landwirtschaft zu. Die Menschen auf dem Land schauen fassungslos zu, wie die bäuerliche Kulturlandschaft verschwindet. Und die Jäger schauen machtlos zu, wie das Rebhuhn, die Charakterart der bäuerlichen Kulturlandschaft, nach und nach ausstirbt.

Und mit ihm - von den meisten unbemerkt - zahlreiche andere Pflanzen-, Insekten- und Vogelarten. Die einst artenreiche Lebensgemeinschaft der Feldflur ist nur noch in Fragmenten vorhanden. Ohne "Wildkräuter" und "Pflanzenvielfalt" sterben die Tierarten aus. Wann haben Sie zuletzt einen Schmetterlng über ein Weizen- oder Maisfeld fliegen sehen?

Dieses Rebhuhn sitzt in intensiv genutzter Mähwiese und sucht seinen ausgemähten "Anhang". Es ist eines der letzten Rebhühner in einer Region im Münsterland, in der es  vor dreizehn Jahren noch zahlreiche Rebhühner gab.   

Die Jäger/innen in den Niederwildregionen sind heute mehr denn je als als "Heger" gefordert - wobei der Erhalt der Rest-Lebensräume und die Schaffung neuer Lebensräume die zentrale Aufgabe beim Erhalt der Lebensgemeinschaft Feldflur ist. Einseitige Fokussierung auf wenige Wildarten (Fasan!) und die bloße "Bekämpfung" der Konkurrenz ist nicht mehr zeitgemäß und hilft nicht weiter. Der Rückgang der Hasen- und Fasanenstrecken ist kaum noch durch verstärkte Raubwildbejagung zu kompensieren. Viele Jäger und Landwirte setzen sich daher für den Erhalt der Lebensräume ein. Doch gegen die politisch gewollte Industriealsierung der Landwirtschaft ist offenbar und sprichwörtlich kein Kraut gewachsen (s. weitere Glyphosat- Verwendung..).  

Ohne eine grundsätzliche Änderung hin zu einer naturverträglichen Landwirtschaft wird das Artensterben in der Agrarlandschaft ungebremst fortgeführt.

 

Die Probleme sind seit 30 Jahren bekannt.

 

Am 6.5.2019 hat der UN-Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES auf die dramatische Situation aufmerksam gemacht. Ob sich dieser bei der Ausgestaltung der EU-Agrarpolitik auswirkt - oder diese doch wieder von der Agrarindustrielobby diktiert wird?

 

Themen: Landwirtschaft und Umweltschutz, Niederwild und Landwirtschaft

 


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